Haft für zwei Drogendelikte

Jugendlichen Haschisch verkauft / 40-Jähriger alkoholisiert vor Gericht / Therapie in Sicht

win Olpe. »Als allererstes nehmen Sie mal die Kappe ab«, so »begrüßte«–gestern Amtsrichter Jochen Schneider den Angeklagten im Gerichtssaal. Der 40-jährige im Raum Drolshagen lebende Mann hatte sich des unerlaubten Drogenbesitzes und der Weitergabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige zu verantworten – letzteres ist ein Verbrechenstatbestand.

Zu Unklarheiten kam es, als die Personalien des Mannes festgestellt wurden. Der Nachname habe sich geändert, so der Angeklagte. Er habe sich von seiner Frau, deren Namen er angenommen hatte, getrennt, habe danach eine Lebenspartnerschaft mit einem Mann eintragen lassen und führe nun dessen Namen. Nachdem dies geklärt war, verlas Staatsanwältin Hammerstein die Anklage. Zum einen habe der Mann im Juni vergangenen Jahres knapp neun Gramm Haschisch besessen und dieses weggeworfen, als sich zwei Polizisten genähert hatten. Der Mann erklärte, dies stimme zwar im Grunde, es habe sich aber nicht um sein Haschisch gehandelt. »Wir waren so 30 Leute am Busbahnhof und haben gekifft. Als die Polizisten kamen, habe ich das Zeug reflexartig in die Bigge geworfen.« Schwerer wog der zweite Vorwurf: die Weitergabe von illegalen Betäubungsmitteln an Minderjährige. Im April vergangenen Jahres habe der Mann im Drolshagener Stadtpark ein Gramm Hasch an eine 17-Jährige verkauft. Dies stimme ebenfalls nicht so ganz, so der 17-fach vorbestrafte Angeklagte. Er habe die Droge an einen jungen Mann weitergegeben, der in Begleitung von zwei Mädchen gewesen sei. Dieser habe das Rauschgift einem der Mädchen weitergegeben.

Das als Zeugin geladene Mädchen widersprach: Nein, der Angeklagte habe ihr das Haschisch unmittelbar gegeben. Verteidiger Georg Goebel griff ein: Bei der Polizei habe die Zeugin aber die Angaben des Angeklagten bestätigt. »Da hatte ich Angst«, so die Zeugin. Der Angeklagte meldete sich noch einmal: An manche Dinge könne er sich nicht so genau erinnern, da er Alkoholiker sei und zum Zeitpunkt der Drogenübergabe »so eine Flasche Doppelkorn und ein paar Bier«–intus gehabt habe. »Ich bin ja auch heute schon wieder voll«, so der Mann, was Goebel bestätigte: »Ich sitze hier wie im Nebel.«

Bewährungshelferin Claudia Reißke brachte mehr Licht in die Angelegenheit. Der Angeklagte sei todkrank, er leide an einer Leberzirrhose. »Wenn er weitertrinkt, wird er sterben«, so die Bewährungshelferin. Doch ein Entzug stehe an, die Einweisung liege vor, ein Platz in einer entsprechenden Klinik sei frei.

Staatsanwältin Hammerstein forderte eine Haftstrafe von acht Monaten. Im ersten Fall habe der Mann das Rauschgift in Besitz genommen und sei daher zu bestrafen, im anderen Fall spiele es keine Rolle, ob er die Drogen an den Jungen oder das Mädchen gegeben habe, denn beiden sehe man an, dass sie noch minderjährig seien. Da es sich aber um minderschwere Fälle handele und der Mann weitgehend geständig sei, könne die Haftstrafe im unteren Bereich des Möglichen angesiedelt werden.

Eine Bewährung komme nicht in Frage, dazu sei die Vorstrafenliste zu lang, der Mann ist außerdem Bewährungsversager. Verteidiger Goebel bat um ein mildes Urteil: »Es bringt nichts, ihn ins Gefängnis zu stecken.«–Das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Vorsitzender Richter Schneider machte allerdings klar, dass der Mann sich auch aus der Haft heraus um eine Therapie bemühen könne.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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