Heftige Kritik an Mutterpartei CDU

Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft: Kreisversammlung mit fünf Mitgliedern

win Oberveischede. Es hatte etwas von einem Abgesang. Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA), die CDU-Sozialausschüsse, zählt im Kreis Olpe 153 Mitglieder. Als der Vorstand am Mittwochabend zur Kreisversammlung in den Gasthof Sangermann geladen hatte, blieben 148 davon zu Hause. Von den fünf erschienenen Mitgliedern gehörten drei zum einladenden Vorstand, es blieben also zwei »echte«–Mitglieder, denen die Jahreshauptversammlung samt Rückblick, Ausblick und Wahlen wichtig genug war, den Weg nach Oberveischede einzuschlagen. Zwar beschwichtigte der sechste Mann im Saal, Sozialsekretär Martin Arnst aus dem Bezirksbüro in Soest, CDA-Veranstaltungen seien nie eine Massenveranstaltung gewesen. »Das hier ist kein Anlass, den Kopf zu senken. Immerhin sind wir der einzige Verband in der CDU, der programmatisch arbeitet.« Doch die Meldungen der übrigen erschienenen CDAler hatten mehr von einem Schwanengesang als von Hoffnung.

Vorsitzender Winfried Voß (Lennestadt) berichtete, die Zusammenarbeit mit den Stadt- und Gemeindeverbänden mache ihm »ziemlich zu schaffen«, und auch die Affäre um den kürzlich zurückgetretenen CDA-Vorsitzenden Hermann-Josef Arentz habe zu sechs Austritten im Kreis Olpe geführt. »Die CDA ist aber nicht nur Hermann-Josef Arentz«, so Voß. Sein Ziel sei, in nächster Zeit verstärkt auf die Stadt- und Gemeindeverbände zuzugehen, damit sich die CDA bei CDU-Versammlungen präsentieren könne. Er habe auch Gewerkschaften angesprochen und Mitglieder zur Mitarbeit in der CDA aufgerufen. Gerade in Zeiten von »Hartz IV«–sei die Rolle der CDA wichtiger denn je, denn die CDU-Sozialausschüsse hätten stets dafür gearbeitet, erst den Menschen und erst dann den Markt zu sehen. »Heute sehen wir, dass es immer nur um Gewinnmaximierung geht – auch im heimischen Raum.«

Nun gehe es darum, den Blick nach vorn auf die nahende Landtagswahl zu werfen. »Wir sind die wahre Wahlalternative zur SPD«, so Voß. »Wir CDAler müssen unsere christlich-soziale Grundüberzeugung einsetzen, in unserer Partei wird diese oft vergessen.« Noch deutlicher wurde die Kritik, als Peter Thesing sich äußerte. Der IG-Metall-Sekretär und Bezirksvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) griff die CDU sogar an. Gerade CDU-Obere seien es, denen alle Kürzungen immer noch nicht ausreichten. Auch der Brief zum Jahreswechsel des CDU-Kreisvorsitzenden, Theo Kruse, habe diese Sprache gesprochen und müsse mit diesem diskutiert werden. »Der Rausschmiss von 2000 Leuten bei der Deutschen Bank wird von Leuten aus unseren Reihen noch goutiert«, so Thesing. »Nicht die Millionäre sind die Mehrheit der CDU-Mitglieder. Wir müssen uns fragen, warum die CDU mal unter dem Gewerkschafter Karl Arnold die stärkste Partei in NRW war. Die CDA dient inzwischen nur noch als soziales Feigenblatt.«

Thesing wies darauf hin, auch Papst Johannes Paul II. betone, dass im Mittelpunkt jeden wirtschaftlichen Handelns der Mensch stehen müsse. »Wir müssen in der CDU kämpfen, und es gibt Leute in der CDU, mit denen will ich nicht an die Macht. Wir sind mit unserer christlichen Überzeugung in dieser christlichen Partei inzwischen in der Minderheit.«

Vorsitzender Voß erklärte, der von Thesing kritisierte Kruse habe die CDA zu einem Gespräch eingeladen, um den Landtagswahlkampf abzustimmen. Damit stieß er nicht auf ungeteilte Begeisterung. Edelgard Nitschke: »Alle vier Jahre ein Gespräch ist mir zu wenig.«–Kruse habe die CDA bereits zweimal sitzen lassen. Die übrigen Anwesenden pflichteten ihr applaudierend bei. Thesing rief die übrigen Mitglieder auf: »Wir müssen uns zu einem Machtfaktor machen, und das geht nicht, wenn man lieb ist.« Die CDA habe erst wieder etwas zu melden, wenn ein Saal wie der der Gaststätte Sangermann bei einer Kreisversammlung voller Mitglieder sei.

Anschließend fanden trotz der geringen Anwesenden-Zahl Wahlen statt. Winfried Voß wie auch Mechthild Siepmann als seine Stellvertreterin wurden in geheimer Wahl einstimmig in ihren Ämtern bestätigt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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