Heimatgefühle statt großer Politik

Vertriebene feierten Erntedank / Trachten nach Originalvorlagen / Gedichte und Lieder

dos Olpe. Auf dem Dach des Kolpinghauses wehten am Samstagnachmittag eine Deutschlandflagge und das EU-Banner, als drinnen das Erntedankfest des Ortsverbandes Olpe im Bund der Vertriebenen stattfand. Ein politisches Zeichen in Zeiten der Diskussionen rund um das Zentrum gegen Vertreibungen und die Benes-Dekrete? Nein, mit der Veranstaltung des Bundes der Vertriebenen hatten die Fahnen nichts zu tun. Während am Tag der Heimat die Politiker und der Bundesverband über schwierige Fragen debattierten, war der Nachmittag im Kolpinghaus nicht der großen Politik gewidmet, sondern dem Heimatgefühl, der Verbundenheit des Einzelnen mit der Heimat, die nur noch in Erinnerungen präsent sein kann. Mehr als 110 Mitglieder des Ortsverbandes Olpe und Gäste aus benachbarten Städten und Gemeinden waren gekommen, um Erntedank zu feiern.

Hauptsächlich die »Erlebnisgeneration« der Vertriebenen ist Mitglied im Olper Ortsverband. An jede Mitgliedschaft ist ein persönliches Schicksal der Vertreibung und des Verlusts der Heimat gebunden, obwohl der Vorsitzende, Lothar Masseida, auch die Geschichte eines Olper Verbandsmitgliedes erzählen kann, das in Olpe geboren und der Liebe wegen nach Schlesien gezogen ist, um dann am Ende des Zweiten Weltkrieges wieder nach Olpe vertrieben zu werden.

Erntedank hat neben der Danksagung auch etwas mit der Präsentation der Arbeit vergangener Monate zu tun. Der Ortsverband Olpe im Bund der Vertriebenen hat in diesem Jahr Großes geleistet. 17 traditionelle Trachten für die Damen sowie eine männliche Festtagskleidung auf der Grundlage von Originalvorlagen aus den Heimatgebieten sind nachgeschneidert worden – einige sogar von den Frauen selbst. Im Rahmen des gemeinsamen Nachmittags wurden die Schmuckstücke aus Pommern, Westpreußen, Danzig, Ostpreußen, Ober- und Niederschlesien, dem Sudetenland und Wolhynien erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Moderiert von Vera Masseida, Leni Stegemann und Waltraud Hentschel, Vorsitzende der Frauenarbeitsgemeinschaft im Landesverband Nordrhein-Westfalen, präsentierten die Frauen ihre Trachten. Ergänzend zu einer detaillierten Beschreibung der Stoffe und Accessoires wurde den Zuhörern auch Wissenswertes aus den Ursprungsregionen der Kleider vermittelt. Die Moderatorinnen lenkten die Aufmerksamkeit nicht nur auf die traditionell handgestrickten Strümpfe, Perlmuttknöpfe und Lochstickereien, sondern auch auf ein niederschlesisches Dorf, das 20 Kilometer lang war und acht Bahnhöfe besaß, oder die landwirtschaftlichen Verhältnisse in Ostpreußen. Zu jeder vorgestellten Region hatte Herbert Strack ein passendes Gedicht verfasst; musikalisch wurde die Trachten-Modenschau von Johann Fritz begleitet.

Bürgermeister Horst Müller hob in einem Grußwort den Einsatz des Ortsvereins hervor, sich durch das Bekenntnis zur Kleidung der Heimat zu erinnern. Da sich die Zahl der Heimatvertriebenen immer weiter dezimiere, betonte Müller die Wichtigkeit, Traditionen zu pflegen, besonders, wenn den Kindern nur noch Erinnerungen durch Bilder und Veranstaltungen wie diese vermittelt werden könnten. Beeindruckt zeigte er sich von der »lehrreichen Modenschau« und appellierte an den Ortsverband, das durch die Trachten ausgedrückte Heimatgefühl zu wahren und das in diesem Jahr Begonnene weiterzuführen. Waltraud Hentschel kündigte an, dass die Trachten dem Olper Stadtmuseum zur Verfügung gestellt würden, wenn es den Bund der Vertriebenen einmal nicht mehr gebe.

Doch nicht nur als Models agierten die Trachtenträgerinnen am Samstag Nachmittag. Gemeinsam mit Leni Stegemann hatten die Frauen als »Tanzfreunde« außerdem traditionelle Tänze aus den Heimatregionen einstudiert, darunter einen Tanz mit Erntekränzen aus Ähren und Blumen. Der Chor »Singende Heimat« trug unter der Leitung von Paul Schweighöfer Heimatlieder wie »Land der dunklen Wälder« vor. Zum Abschluss des Nachmittags sprach Pfarrer Bernd Woydack von der Evangelischen Kirchengemeinde Olpe Worte zum Erntedank.

Dass die Eigenarten der verlorenen Landstriche nicht in Vergessenheit geraten, dafür hat der Bund der Vertriebenen an diesem Samstag Nachmittag auf verschiedene Weise gesorgt, durch Gesang, Tänze und die Trachten. Der Ortsverband versteht es als Verpflichtung gegenüber den Ahnen, sie und die Heimat nicht zu vergessen und so die durch die Vertreibung bedrohten Kulturwerte zu wahren. Bei allen Programmpunkten stand deutlich die Liebe zur verlorenen Heimat im Vordergrund, traurig auf den Punkt gebracht in einer Zeile eines der Gedichte, die bei der Präsentation der Trachten vorgetragen wurden: »Im Herzen bleiben glückliche Stunden, den Verlust der Heimat haben wir nie überwunden.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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