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Gifs und Memes schützen vor Ermüdung
"Herr Gerold" erreicht mit Lernvideos Tausende

Ein Klick genügt: Die Videos von Berufsschullehrer Alexander Gerold machen das Lernen leicht.
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yve Olpe. Von seinen Schülern wird er bereits als Youtube-Star gefeiert. „Das ist schon Wahnsinn“, freut sich Alexander Gerold. Nein, ein Influencer ist er nicht, er wirbt nicht für Marken, sondern vermittelt Wissen – anschaulich und betont locker. Der 34-Jährige ist Berufschullehrer am Erich-Gutenberg-Berufskolleg in Köln. Er macht Kaufleute für Büromanagement fit in Wirtschaftslehre. Seit über vier Jahren pendelt er in die Domstadt, in seinem Beruf findet er Erfüllung.
Fachbücher zu trocken„Irgendwann habe ich mir Gedanken gemacht, wie meine Schüler auf jederzeit abrufbare Lerninhalte zugreifen können“, erzählt der in Hünsborn aufgewachsene Pädagoge. „Und Fachbücher sind oft trocken, und der Stoff ist teils kompliziert.

yve Olpe. Von seinen Schülern wird er bereits als Youtube-Star gefeiert. „Das ist schon Wahnsinn“, freut sich Alexander Gerold. Nein, ein Influencer ist er nicht, er wirbt nicht für Marken, sondern vermittelt Wissen – anschaulich und betont locker. Der 34-Jährige ist Berufschullehrer am Erich-Gutenberg-Berufskolleg in Köln. Er macht Kaufleute für Büromanagement fit in Wirtschaftslehre. Seit über vier Jahren pendelt er in die Domstadt, in seinem Beruf findet er Erfüllung.

Fachbücher zu trocken

„Irgendwann habe ich mir Gedanken gemacht, wie meine Schüler auf jederzeit abrufbare Lerninhalte zugreifen können“, erzählt der in Hünsborn aufgewachsene Pädagoge. „Und Fachbücher sind oft trocken, und der Stoff ist teils kompliziert.“ Alexander Gerold stattet sich mit der nötigen Technik aus und beginnt Lernvideos zu produzieren, die er auf Youtube hochlädt. Zunächst für seine Klassen, „die fanden das total toll, die Schüler haben das richtig gefeiert“. Die Rückmeldungen seien einfach klasse gewesen.

Pandemie wirkt wie ein Motor

Das spornt den 34-Jährigen an, sein neues „Hobby“ zu forcieren. 200 bis 300 Mal am Tag werden seine Videos aufgerufen – und längst nicht mehr von den Auszubildenden des Kölner Berufskollegs. Dann kommt die Pandemie. „Sie ist wie ein Motor“, sagt Gerold. Mit jedem weiteren Monat der Krise steigen die Klickzahlen auf die audiovisuelle Nachhilfe frei Haus. Die Zusammenschnitte von „Herrn Gerold“ gedeihen zum Selbstläufer, werden immer mehr verschickt und geteilt.

Rund 70 Lernvideos hochgeladen

Drei bis fünf Stunden braucht es bis zum fertigen Film. „Für mich ist das mittlerweile Routine.“ Auf etwa 70 Videos können User zurückgreifen. Thematisch dreht sich alles um Ausbildung und Wirtschaft – von „Personalbeschaffung“ über „Distributionspolitik“ und „Eingangs- und Ausgangsrechnung“ bis hin zu „Wie funktioniert ein Buchungssatz?“, „Was ist eine GmbH?“ oder „Was ist Prokura?“.
Heute erreicht er auf seinem Kanal bis zu 5000 Personen an einem Tag. Was ist sein Erfolgsrezept? „Herr Gerold“ benutzt eine einfache Sprache und wiederholt Fachbegriffe. „Ich rede zum Teil wie die Jugend und baue Memes und Gifs ein, sozusagen als Schutz vor der Ermüdung.“ Erklären müsse man natürlich können, „aber wenn ich das als Lehrer nicht könnte, wäre ich ja im falschen Film“, lacht der Olper, der seit 2016 auch IHK-Prüfer ist. Daher kann er auch gut vermitteln, was bei Abschlussprüfungen zu beachten ist und wie man sicher durch die „Mündliche“ kommt. Und „Herr Gerold“ wäre nicht „Herr Gerold“, wenn er nicht genau diese Thematik in Videos verpacken würde. „Die sind begehrt.“ Eine halbe Million Klicks sprechen für sich.

Auch Berliner und Münchener schauen zu

Heute erreichen Alexander Gerold Nachrichten von weit her – aus Berlin und München. Eine hat sich fest verankert. „Sie kam von einer Syrerin, die erst ein paar Jahre in Deutschland lebt.“ Sie habe ihm berichtet, wie sehr ihr seine Lernvideos durch eine schwierige Zeit geholfen hätten. Doch nicht nur Schüler profitieren. „Ich erleichtere auch meinen Kollegen das Leben.“ Lehrer nutzen sein Material im Unterricht, sogar in der Bundeshauptstadt.

Bildung für unterwegs

Er erzeuge Bildung, so Gerold, die schnell und überall greifbar sei – abrufbar mit Tablet oder Smartphone im Bus oder in der Freistunde. „Die jungen Leute nutzen das, Social Media ist Alltag für sie.“ Kürzlich führte er für seine Klasse ein Interview mit Kai Schmidt, der unter dem Namen „Lehrerschmidt“ schon seit Jahren Lernvideos in Netz stellt und gewissermaßen Vorreiter des digitalen Lernen ist. Bis Ende 2019 verdreifachte Schmidt seine Abonnentenzahl auf 300.000. „Während der Pandemie kletterte sie auf 750.000.“

Einblick in Ausbildungsalltag

Auch hier sei zu erkennen, in welch großem Maße Schüler sich derzeit Hilfe in sozialen Netzwerken suchten. „Herr Gerold“ wird daher auch nicht aufhören, seinen Kanal zu füttern. Ganz im Gegenteil. „Ich möchte Azubis vor die Kamera holen, die Einblick in ihren Ausbildungsalltag geben.“ Die Ausbildung oder das duale Studium habe einen viel zu niedrigen Stellenwert. „Es muss doch nicht immer das Studium sein. Es gibt Alternativen, zum Beispiel 350 Ausbildungsberufe.“ Diese schafften eine solide Basis. „Heute ist es möglich, mit 21 Jahren den Bachelor in der Tasche zu haben. Und dann?“ Für Millionen von BWL-Studenten müsse es erstmal ausreichend Jobs geben.
Auch Gerold selbst hat sich nach dem Abitur für eine Ausbildung zum Bankkaufmann entschieden. Auf sein Studium folgte sein Referendariat in Bonn. „Ich möchte einfach, dass die Ausbildung mehr in den Fokus gerät.“
„Herr Gerold“ sorgt bald dafür – bewegt in Bild und Ton. Viele Unternehmer dürften applaudieren, authentischer kann Werbung für Lehrjahre nicht sein.

Ein Klick genügt: Die Videos von Berufsschullehrer Alexander Gerold machen das Lernen leicht.
Der 34-jährige Olper ist ein viel geklickter Bildungs-Star auf Youtube.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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