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Kreis Olpe: Code "Maske 19"
Hilfe gegen häusliche Gewalt

Elvira Schmengler (Kreis Olpe), Ulf Ullenboom (Vertrauensapotheker), Eva Rieke-Trinn (Frauenberatungsstelle), Shahana Gitzen, Klaudia Thun-Vigener („Zonta-Club“) und Michael Kopsan (Polizei) stellten die Aktion „Maske 19“ vor (v. l.).
  • Elvira Schmengler (Kreis Olpe), Ulf Ullenboom (Vertrauensapotheker), Eva Rieke-Trinn (Frauenberatungsstelle), Shahana Gitzen, Klaudia Thun-Vigener („Zonta-Club“) und Michael Kopsan (Polizei) stellten die Aktion „Maske 19“ vor (v. l.).
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

hobö Olpe. „Wenn wir mit dieser Aktion auch nur einer einzelnen Person helfen können, hat sie sich schon gelohnt“, erklärte jetzt Elvira Schmengler. Die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Olpe tätigte diese Aussage in einem Pressegespräch, in dessen Rahmen die Aktion „Maske 19“ vorgestellt wurde. Diese soll eine weiterer Hilfe gegen häusliche Gewalt und insbesondere in der Corona-Krise einen geeigneten Weg für Hilfesuchende bieten. Vorangetrieben wird die Aktion im Kreis Olpe vom „Zonta-Club Siegen Area“, der wiederum dem weltweit tätigen Netzwerk „Zonta international“ angebunden ist.

hobö Olpe. „Wenn wir mit dieser Aktion auch nur einer einzelnen Person helfen können, hat sie sich schon gelohnt“, erklärte jetzt Elvira Schmengler. Die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Olpe tätigte diese Aussage in einem Pressegespräch, in dessen Rahmen die Aktion „Maske 19“ vorgestellt wurde. Diese soll eine weiterer Hilfe gegen häusliche Gewalt und insbesondere in der Corona-Krise einen geeigneten Weg für Hilfesuchende bieten. Vorangetrieben wird die Aktion im Kreis Olpe vom „Zonta-Club Siegen Area“, der wiederum dem weltweit tätigen Netzwerk „Zonta international“ angebunden ist.

Abstand zum gewalttätigen Partner kaum möglich

Unter dem Dach des „Netzwerks gegen häusliche Gewalt im Kreis Olpe“ gibt es bereits seit fast zwei Jahrzehnten ein vielschichtiges Angebot an Hilfsmöglichkeiten in diesem Problemfeld. Doch angesichts der Bewegungs-Einschränkungen infolge von Quarantäne, Homeoffice oder Kontaktverboten in der Corona-Pandemie fehlt Hilfesuchenden oft der nötige Abstand zum gewalttätigen Partner, um sich überhaupt irgendwie bemerkbar zu machen. „Die Lage hat sich etwas verschärft, Hilfe zu bekommen“, so Elvira Schmengler.In Zeiten der Corona-Krise möchte die „Union Deutscher Zonta-Clubs“ nach dem Vorbild Frankreichs und Spaniens mit „Maske 19“ nun auch in Deutschland zusammen mit Apotheken eine zusätzliche Notrufhilfe initiieren, die bei akuter häuslicher Gewalt sowie Gefahr im Verzug leicht erreichbar ist.

Codewort "Maske 19"

Die Idee hinter „Maske 19“: Opfer von häuslicher Gewalt, in der weit überwiegenden Zahl sind dies Frauen, können in eine Apotheke gehen und das Codewort „Maske 19“ nennen. Daraufhin wird die Person diskret beiseite genommen und in einen anderen Raum gebeten. Auf Wunsch der Betroffenen wird in einer akuten Bedrohungslage die Polizei gerufen. Diese Entscheidungen trifft die Betroffene aber selbst. Die Apotheke sorgt nur für den geschützten Raum und die Diskretion bis zum Eintreffen der Polizei oder bis zur Entscheidung der Betroffenen, die Apotheke wieder zu verlassen. Beratung in jeglicher Form ist nicht Aufgabe der Apotheke, die aktuelle Unterstützung schon. Wünscht die Betroffene keine Verständigung der Polizei, wird auf die örtliche Frauenberatungsstelle, das Frauenhaus oder das bundesweit erreichbare Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ hingewiesen oder dort bei Bedarf auch direkt angerufen.

Personal unterliegt der Schweigepflicht

Eine Apotheke als Anlaufstelle für die Direkthilfe erscheine deshalb sinnvoll, weil der Zugang jedem möglich sei, sie dennoch für einen Moment ein geschützter Raum sein könne und das Personal der Schweigepflicht unterliege, unterstrich Klaudia Thun-Vigener vom „Zonta-Club Siegen Area“. „Außerdem haben wir oft längere Öffnungszeiten – und weil wir systemrelevant sind, werden wir auch bei weitergehenden Restriktionen nicht geschlossen“, betonte derweil Ulf Ullenboom, Vertrauensapotheker im Kreis Olpe.

Plakat zeigt: Wir machen mit

Alle Apotheken in den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein seien vom Verband über die Aktion informiert worden. Wer mitmache, sei nicht klar, so Ullenboom weiter. „Das hängt von jedem einzelnen Apotheker ab, wir haben jedenfalls nicht um eine Rückmeldung gebeten.“ Ist eine Apotheke bereit, bei der Aktion mitzumachen, hängt sie gut sichtbar ein kleines Plakat auf, dass die Beteiligten des Pressegesprächs jetzt vorstellten. Hieran missfällt allerdings dem Opferschutzbeauftragten der Kreispolizeibehörde Olpe, Michael Kopsan, dass dort die Formulierung zu lesen ist: „Nennen Sie das Codewort ,Maske 19’. Bleiben Sie hier. Wir verständigen die Polizei für Sie.“ „Denn“, begründete Kopsan, „wenn wir gerufen werden, müssen wir zumeist von Amts wegen eine Strafanzeige erstellen.“ Daher machte Elvira Schmengler in diesem Zusammenhang nochmal deutlich: „Die Verständigung der Polizei soll das letztmögliche Mittel sein.“
Für die Beschäftigten in der Apotheke gibt es einen Leitfaden, der den Umgang mit der Situation erleichtern soll und vom Verein „Frauen helfen Frauen“ Olpe miterstellt wurde. Denn auch die Frauenberatungsstelle des Vereins bietet an, die teilnehmenden Apotheken und natürlich die hilfesuchenden Personen zu beraten.

Aktion ist zusätzlicher Weg

Das „Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Kreis Olpe“ unterstützt die Initiative „Maske 19“ ausdrücklich, vor allem weil viele der Mitglieder – über Frauenberatungsstelle, Frauenhaus oder Polizei hinaus – auch vor Ort Hilfsangebote machen können. Dies unterstrich Eva Rieke-Trinn von der Frauenberatungsstelle des Vereins „Frauen helfen Frauen“ in Olpe: „Jede weitere Möglichkeit, eine Person aus einer Situation von häuslicher Gewalt zu befreien, ist wichtig.“ Die neue Aktion sei nicht der einzige Weg, aber ein weiterer.

Frauen sind nicht alleine

Shahana Gitzen vom Frauenhaus Olpe erklärte, dass es wichtig für alle Betroffenen sei, zu wissen, dass sie nicht alleine sind. Der Schritt in eine Apotheke sei niederschwellig und daher einfach. Der Weg ins Frauenhaus indes sei aufgrund des Lockdowns für die Frauen schwieriger geworden. Die Betroffenen stünden häufiger unter Beobachtung und könnten schwieriger eine Ausrede für das Verlassen des eigenen Zuhauses finden.
Im Kreis Olpe, das erklärten Michael Kopsan und Eva Rieke-Trinn unisono, sei kein spürbarer Anstieg häuslicher Gewalt erkennbar. Man habe aber die Zahlen aus diesem Jahr noch nicht ausgewertet und mit denen der Vorjahre verglichen. Was abseits der Aktion „Maske 19“ immer möglich ist: Über das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ können sich Betroffene, aber auch Angehörige, Freunde sowie Fachkräfte und Ehrenamtliche anonym und kostenfrei in Krisensituationen rund um die Uhr beraten lassen: www.hilfetelefon.de, Tel. 0 80 00 / 11 60 16.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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