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Schließung der Geburtshilfe
Hospitalgesellschaft prüft Möglichkeiten

Gebürtige Attendornerinnen und Attendorner wird es ab 2022 nur noch sehr selten geben – die Geburtshilfe des dortigen Krankenhauses steht vor dem Aus.
  • Gebürtige Attendornerinnen und Attendorner wird es ab 2022 nur noch sehr selten geben – die Geburtshilfe des dortigen Krankenhauses steht vor dem Aus.
  • Foto: Archiv
  • hochgeladen von Christian Völkel

win Olpe/Attendorn. In der Internet-Enzyklopädie Wikipedia existiert bei jedem Städte-Eintrag der Absatz „Söhne und Töchter der Stadt“. Hier werden Menschen aufgeführt, die aus den unterschiedlichsten Gründen ebenfalls Eingang in die Enzyklopädie gefunden haben. In Attendorn sind das beispielsweise der Pädagoge und Theologe Johannes Rivius, Kabarettistin Lioba Albus, Radrennfahrerin Tanja Hennes oder der bislang jüngste Eintrag, Schauspieler Jonas Kaufmann (*2003). Diese Sparte wird bald geschlossen werden können, denn mit großer Wahrscheinlichkeit wird ab 2022 der Eintrag „Attendorn“ als Geburtsort im Personalausweis Geschichte sein, von wenigen Hausgeburten einmal abgesehen. Denn noch in diesem Jahr soll die Geburtshilfe des Attendorner Krankenhauses geschlossen werden.

win Olpe/Attendorn. In der Internet-Enzyklopädie Wikipedia existiert bei jedem Städte-Eintrag der Absatz „Söhne und Töchter der Stadt“. Hier werden Menschen aufgeführt, die aus den unterschiedlichsten Gründen ebenfalls Eingang in die Enzyklopädie gefunden haben. In Attendorn sind das beispielsweise der Pädagoge und Theologe Johannes Rivius, Kabarettistin Lioba Albus, Radrennfahrerin Tanja Hennes oder der bislang jüngste Eintrag, Schauspieler Jonas Kaufmann (*2003). Diese Sparte wird bald geschlossen werden können, denn mit großer Wahrscheinlichkeit wird ab 2022 der Eintrag „Attendorn“ als Geburtsort im Personalausweis Geschichte sein, von wenigen Hausgeburten einmal abgesehen. Denn noch in diesem Jahr soll die Geburtshilfe des Attendorner Krankenhauses geschlossen werden.

Gynäkologie und Geburtshilfe vor dem "Aus" (UPDATE)

Wie berichtet, hatte die Leitung der Helios-Klinik diesen Schritt am Mittwoch kommuniziert – erst den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dann in Form einer Pressemitteilung der Öffentlichkeit. Erst langsam werden die Folgen dieses Schritts klar, der die Krankenhausstruktur im Kreis Olpe nachhaltig betrifft.

Olpe und Altenhundem betroffen

Vor allem davon betroffen sein werden die beiden Krankenhäuser der Katholischen Hospitalgesellschaft Südwestfalen in Olpe und Altenhundem. Aus dem nordöstlichen Stadtgebiet dürften zwar auch einige werdende Familien künftig den Weg in Richtung Lüdenscheid einschlagen, wenn die Geburt eines Kindes ansteht, doch der Löwenanteil der bislang rund 500 auf Attendorn entfallenden Geburten wird wohl die Hospitalgesellschaft übernehmen.

720 Geburten in Olpe 

Deren Geschäftsführer, Dr. Gereon Blum, steht noch ganz am Anfang des nun nötigen Prozesses. „Ich habe heute einen Anruf von der Helios-Leitung bekommen, ich bin immer noch völlig überrascht“, so Dr. Blum am Donnerstag. „Wir müssen jetzt in unseren Häusern erstmal das Gespräch mit den Hebammen und Ärzten führen, ob wir das aufnehmen können. Erst danach können wir anfangen zu überlegen, welche Stellschrauben wir wo drehen müssen.“ Zum Vergleich: In Olpe wurden im vergangenen Jahr rund 720 Kinder geboren, in Altenhundem etwa 450, sodass klar wird, wie die Entscheidung von Helios einzuschätzen ist.

Ich bin immer nochvöllig überrascht.
Dr. Gereon Blum
Kath. Hospitalgesellschaft Olpe

Mit am Tisch sitzt bei diesen Gesprächen auch die Leitung der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO), von der die Katholische Hospitalgesellschaft zum vergangenen Jahreswechsel übernommen wurde. Dr. Gereon Blum wurde als Geschäftsführer mit der besonderen Zusatzaufgabe eingestellt, die Eingliederung der Hospitalgesellschaft in die GFO vorzunehmen. Das für diesen Bereich der GFO zuständige Mitglied der Geschäftsführung, Ingo Morell, sei eng in die Gespräche in Sachen Geburtshilfe eingebunden, so Dr. Blum.

Stellungnahme aus der Politik

Der Bundestagskandidat der Grünen aus Olpe, Holger Thamm, hat in einer ausführlichen Stellungnahme zur angekündigten Schließung Position bezogen. „Hinter dieser Nachricht stecken gleich mehrere grundlegende Probleme“, so Thamm. Politik und Gesellschaft schafften es nicht, ausreichend Fachpersonal für einen geordneten Klinikbetrieb bereitzustellen. „Jetzt soll es bei den Sparmaßnahmen in der Helios-Klinik zuallererst den Klinikbereich treffen, der uns eigentlich nur retten kann: die Gynäkologie und Geburtshilfe. Verkehrte Welt.“

Aus seiner Sicht sei es wichtig, dass die Geburtshilfe erhalten bleibe und der Träger in Zusammenarbeit mit der Kommune alles dafür unternehme, das Angebot zu erhalten. „Es kann nicht sein, dass es in unserem großen Flächenkreis nur noch zwei Krankenhäuser gibt, die Geburtsstationen vorhalten.“
Welche Angebote es vor Ort gibt, dürfe nicht davon abhängen, was sich rentiert oder was sich Träger noch leisten können, sondern müsse sich danach richten, was nötig sei. „Dabei hat die flächendeckende, erreichbare Grundversorgung der Bevölkerung einen eigenen Stellenwert.“

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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