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„Ich bin zutiefst gerührt“

In lockerer Runde tauschten sich Mitarbeiter und Gäste des Kinderhospizes „Balthasar“ mit der Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aus.
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  • In lockerer Runde tauschten sich Mitarbeiter und Gäste des Kinderhospizes „Balthasar“ mit der Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aus.
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hobö ■ „Ich nehme sehr, sehr viel mit, insbesondere von Ihrem Optimismus, Ihrer Stärke, Ihrer Offenheit – ich bin zutiefst gerührt.“ Mit diesen bemerkenswerten Worten verabschiedete sich am Dienstag Elke Büdenbender aus dem Kinder- und Jugendhospiz „Balthasar“ in Olpe. In den knapp drei Stunden zuvor hatte die Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die besondere Einrichtung der Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) besichtigt, mit Leitung und Mitarbeitern gesprochen sowie vor allem den Austausch mit Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern gesucht.

Elke Büdenbender zeigte sich letztendlich sehr beeindruckt – und diese Anerkennung war von gegenseitiger Wirkung.

hobö  „Ich nehme sehr, sehr viel mit, insbesondere von Ihrem Optimismus, Ihrer Stärke, Ihrer Offenheit – ich bin zutiefst gerührt.“ Mit diesen bemerkenswerten Worten verabschiedete sich am Dienstag Elke Büdenbender aus dem Kinder- und Jugendhospiz „Balthasar“ in Olpe. In den knapp drei Stunden zuvor hatte die Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die besondere Einrichtung der Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) besichtigt, mit Leitung und Mitarbeitern gesprochen sowie vor allem den Austausch mit Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern gesucht.

Elke Büdenbender zeigte sich letztendlich sehr beeindruckt – und diese Anerkennung war von gegenseitiger Wirkung. „Das tut uns gut, wenn jemand so viel Interesse und Empathie zeigt“, bilanzierte GFO-Geschäftsführer Markus Feldmann. Und auch die Eltern empfanden die einfühlsame, offene und herzliche Gesprächsführung der „First Lady“ der Bundesrepublik Deutschland als herausragend.

Wie hinlänglich bekannt, ist die gebürtige Weidenauerin in Netphen-Salchendorf aufgewachsen und pflegt die Beziehungen in ihre alte Heimat im Siegerland. Allein schon aus dieser räumlichen Nähe, erklärte Elke Büdenbender, habe sie seit vielen Jahren Kenntnis vom Kinderhospiz „Balthasar“ in Olpe. Doch den „Leuchtturm der Kinderhospizarbeit in Deutschland“ richtig kennengelernt zu haben, habe sie berührt und begeistert. „Mir liegt nun viel daran, weiterzutragen, welch tolle Einrichtung das hier ist.“ Denn das Wichtigste, was sie als Ehefrau des Bundespräsidenten leisten könne, sei Aufmerksamkeit schaffen: für die Betroffenen und für jene, die helfen möchten und können.

Gleich zu Beginn der Unterhaltung mit den Familien wurde Elke Büdenbender nach ihrer Tätigkeit gefragt. Ein bekanntermaßen diffiziles Thema, hat sie doch eine bemerkenswerte berufliche Laufbahn gemeistert und ist eben nicht „nur“ die Frau an der Seite des Bundespräsidenten. Gleichwohl hat sie bewusst eine Auszeit von ihrem Richteramt genommen, um unter anderem ihre jetzige Position für die Unterstützung solcher Einrichtungen wie die in Olpe einzusetzen.

Auffällig wichtig war Elke Büdenbender der Austausch mit den Eltern der lebensverkürzend erkrankten Kindern. Und hier fiel besonders auf: Ausnahmslos bezeichneten die Eltern das Kinder- und Jugendhospiz in Olpe als ihr zweites Zuhause. „Ich erkenne meine Frau nicht wieder, wenn wir hier sind, sie ist viel gelöster und entspannter“, berichtete der Vater einer schwer erkrankten Tochter. Ein anderer Vater erläuterte, dass seine Ehefrau nur hier in der Olper Einrichtung mal durchschlafen könne.

„Hier wird man aufgefangen“, lobte eine Mutter. Zuhause stoße man mit so vielen Alltagsproblemen an seine Grenzen. Wenn das Kind aber in „Balthasar“ von dem herausragend guten Team umsorgt werde, habe man sogar Zeit für einen Urlaub oder – wie ein anderer Vater erläuterte – für eine Radtour um den Biggesee, um etwas Gutes für die Seele zu tun. Ein weiterer, von Elke Büdenbender befragter Familienvater erzählte von seiner anfängliche Skepsis gegenüber einem „Hospiz“ – „doch wenn man einmal hier war , weiß man, wie warmherzig und wichtig die Einrichtung ist“.

„Ich kann es mir nicht vorstellen, aber ich bekomme eine Ahnung davon, wie belastend das ist, wenn das eigene Kind derart erkrankt ist und man außerdem den Alltag bewältigen muss“, bewies Elke Büdenbender Einfühlungsvermögen. Diesen Gedanken nahm eine Mutter auf und erklärte, dass man in einem normalen Krankenhaus selbst den Pflegedienst für das Kind übernehmen müsse. „Das habe ich so auch noch nicht gehört“, reagierte der Gast aus Schloss Bellevue beeindruckt.

Auf die Frage von Elke Büdenbender, was seine Motivation gewesen sei, bei „Balthasar“ zu arbeiten, erklärte stellv. Hospizleiter Roland Penz: Hier könne man intensiv mit den Gästen arbeiten, im Krankenhausbereich sei die Zeit nicht vorhanden, weil dort alles zu sehr kommerzialisiert sei.

Sehr bedeutsam sei es, dass Kinder hier im Haus begriffen, dass es auch andere kranke Kinder und betroffene Familien gebe, strich unterdessen ein Familienvater heraus. Außerdem müsse man sich nicht erklären, der Austausch hier im Haus sei gleichermaßen wichtig wie einfach – „weil einen sofort jeder versteht“.

Auf die Frage von Elke Büdenbender, ob es helfen würde, wenn Krankenkassen eigene Ansprechpartner für derart betroffene Eltern hätten, wiegelte ein Vater ab: „Krankenkassen können nicht helfen, die arbeiten gewinnorientiert. Hier wäre eine übergeordnete Stelle wichtig.“ Dies untermauerte ein anderer Vater: „Es müsste eine ganzheitliche Beratung geben. In dieser Situation hat keiner die Zeit und Kraft, sich durch den komplizierten Paragraphendschungel zu arbeiten. Es fehlt ganz klar eine Beratung für Eltern.“

„Balthasar“-Pflegedienstleiterin Monika Krumm berichtete, dass das 70 Mitarbeiter zählende Team sehr unterschiedlich sei hinsichtlich Alter, Temperament und Fähigkeiten. Aber die Vielfalt sowie das Miteinander mit den Eltern mache die gute Arbeit aus.

Elke Büdenbender, die am Dienstag von Berlin nach Olpe gereist war und der am Abend noch ein Unicef-Termin in Köln bevorstand, lobte: „Das ist ein großer, großer Einsatz, der hier geleistet wird. Die Mitarbeiter brauchen eine immense innere Stärke. Ich finde auch die Eltern sehr stark, zumal eine schwere Erkrankung eines Kindes eine ungeheure Belastung sein muss. Trotzdem habe ich viel Lachen gehört.“ Dies passt zu einem Leitgedanken des Kinderhospizes: „Leben und Lachen, Sterben und Trauern.“

Mehr Informationen über das Kinder- und das Jugendhospiz, die seinerzeit ersten ihrer Art in Deutschland, gibt es auf der Homepage kinderhospiz-balthasar.de.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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