Kreis Olpe: Zu wenig Impfstoff
Impfung von Sondergruppen gestoppt

Der Kreis musste sogar bereits zugesagte Termine zurücknehmen: Es ist nicht genug Impfstoff da.
  • Der Kreis musste sogar bereits zugesagte Termine zurücknehmen: Es ist nicht genug Impfstoff da.
  • Foto: Symbolfoto: Pixabay
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

win Olpe/Attendorn. Viel Licht und ein wenig Schatten gab es am Mittwochnachmittag, als der Arbeitskreis Gesundheit/Corona des Ausschusses für Umwelt und Kreisentwicklung zu einer Sitzung zusammenkam. Für Licht sorgten die Zahlen, die beweisen, dass der Betrieb im Impfzentrum des Kreises rundläuft. Andreas Sprenger, organisatorischer Leiter des Impfzentrums des Kreises Olpe in Attendorn, berichtete, dank der guten Arbeit der im Impfzentrum arbeitenden Apothekerinnen und Apotheker und ihrer Teams gelinge es inzwischen in 70 Prozent aller Fälle, die zulässige Höchstmenge an Impfdosen aus den gelieferten Behältern zu ziehen, also im Falle des Biontech-Impfstoffs sieben statt fünf bis sechs. Und diese zusätzlichen Impfdosen, so Sprenger, seien sämtlich an die sogenannten Sondergruppen verimpft worden, also Menschen, die nicht zu den eigentlich zu impfenden Altersgruppen gehören. In der Summe entspreche dies inzwischen über 3000 Impfungen.

Alle Wartenden wurden geimpft

Sprenger sprach auch den Fall der Situation zu Ostern an, als kurzfristig im Rahmen einer Sonderaktion zusätzlicher Impfstoff zur Verfügung gestanden habe, aber durch eine Umstellung des Buchungssystems der Kassenärztlichen Vereinigung alle Termine eines Tages doppelt vergeben worden waren. Zwar hätten viele Menschen lange warten müssen, aber letztlich seien alle Wartenden geimpft worden. „Alle Verantwortlichen sind sich der hohen Belastung aller Beteiligten bewusst. Alle waren bereit, im Sinne der zu Impfenden diese Sonderaktion mitzustemmen.“ Inzwischen seien im Kreis rund 31 000 Erstimpfungen erfolgt, davon etwa 2300 in den Arztpraxen, „und das trotz der sehr geringen Liefermenge für die Ärzte. Das zeigt, wie das losgehen kann, wenn die genug Impfstoff bekommen.“ Damit seien nun 23,1 Prozent der Gesamtbevölkerung mit der Erstimpfung versehen. 7 Prozent der Bürgerinnen und Bürger habe bereits auch die Zweitimpfung erhalten. Dass der Kreis landesweit auf Platz 2 stehe, was die Statistik angeht, liege daran, dass hier stets „alle Impfstoffkontingente zeitnah verimpft wurden. Das ist bei anderen Kreisen nicht so“.

Impfung von Sondergruppen gestoppt

Dann kam der Bereich „Schatten“: „Heute ist die Situation aufgetreten, dass wir die Impfung der Sondergruppen sofort stoppen mussten: Derzeit ist nicht genug Impfstoff vom Land für diese Sondergruppen da, und solange das ist, macht es keinen Sinn, weiterzuimpfen.“ Das solle aber ab Ende der Woche wieder anders sein. Immerhin habe der Fehler im Buchungssystem dazu geführt, dass „wir jetzt wissen, was wir im Impfzentrum können. Wir haben Prozesse weiter optimiert und können jetzt, ohne das Personal zu überlasten, pro Tag 1000 Impfungen geben. Die Impfbereitschaft ist sehr hoch, auch für den Impfstoff von AstraZeneca, und wir könnten deutlich mehr Impfungen geben, wenn wir denn mehr Impfstoff hätten.“

Mehr Schnelltests, höhere Inzidenz

Fachbereichsleiter Michael Färber erklärte, die derzeit steigenden Inzidenzen seien eine zu erwartende Folge der ausgeweiteten Antigen-Schnelltests. Inzwischen seien 39.000 Testungen erfolgt, 150 davon positiv. 129 dieser Tests wurden durch einen PCR-Abstrich nachgetestet, 103 davon als positiv bestätigt. „Für vorige Woche haben wir das mal dargestellt: Da hatten wir 32 positive Antigen-Schnelltests, davon wurden 29 durch einen PCR-Test bestätigt. Die Inzidenz wäre ohne diese durch die Schnelltests herausgefundenen Fälle um 22 niedriger ausgefallen. Aber genau das wollen wir ja mit den Schnelltests erreichen: asymptomatische Träger herausfischen.“
Die stärkere Verbreitung mit den Virusmutationen mit ihrer höheren Ansteckungsrate sorge inzwischen dafür, dass „wenn wir einen Indexfall im häuslichen Umfeld haben, sehr oft alle Familienmitglieder betroffen sind, das war vorher deutlich anders“.
Nach wie vor gebe es praktisch kein Infektionsgeschehen in Einrichtungen. Zwar habe es in 18 der 95 Kindergärten im Kreisgebiet Positivfälle gegeben, dies seien aber stets Erzieherinnen oder Kinder gewesen, die durch einen Test rechtzeitig aufgefallen sind und das Virus nicht in die Einrichtung hätten tragen können.

Corona-Ausbruch im Olper Krankenhaus

Der Anstieg an stationär behandelten Covid-19-Patienten liegt laut Fachdienstleiter Frank Japes nicht an einem plötzlichen Anstieg schwerer Fälle, sondern einem kleineren Ausbruch im Olper Krankenhaus: Dort seien Personen angesteckt worden, die schon im Krankenhaus lagen, die also nicht wegen Covid-19 dort behandelt werden müssten. „Interessanterweise ist die Situation bei uns in den Krankenhäusern noch sehr entspannt, während direkte Nachbarkreise von Problemen berichten. Wir wundern uns, dass wir da nicht verstärkt nachgefragt werden, deren Patienten bei uns unterzubringen“, so Japes.
Landrat Theo Melcher fasste zusammen: „Unser Impfzentrum hatte eine Belastungsprobe zu bestehen, die hat es bestanden.“ Es fehle aber nach wie vor an Impfstoffen. Ausschussmitglied Hans-Georg Cremer (CDU), selbst niedergelassener Facharzt, wählte harschere Worte: „Die Kollegen empfinden es inzwischen als Staatsversagen. Wir könnten impfen ohne Ende, aber was ist nicht da? Impfstoff.“

Keine FFP2-Masken für Menschen mit Behinderung

Als Referent geladen war Christoph Becker, Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbands, in seiner Funktion als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft freie Wohlfahrtspflege im Kreis Olpe. Er berichtete über die Corona-Lage in den Einrichtungen und bestätigte, was die Kreisverwaltung schon zusammengefasst hatte. „Die Zahlen sind in den Einrichtungen schon seit Längerem sehr überschaubar. Gott sei Dank gibt es derzeit keine größeren Einschläge zu verzeichnen.“ Dennoch kämpfe er an vielen Fronten. So weigere der Landschaftsverband sich beispielsweise, die hochwertigeren FFP2-Masken zu bezahlen für den Schutz behinderter Menschen, die in Kleinbussen in die Werkstätten zur Arbeit gefahren werden, „das sollte inzwischen eigentlich kein Thema sein“, dennoch würden nur die Kosten für minderwertigen Mund-Nasen-Schutz übernommen.
Einen positiven Effekt habe die Corona-Pandemie unerwarteterweise auf die Ausbildungslage im Pflegebereich: Derzeit sei die Nachfrage höher als bisher.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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