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Mit 21 Jahren schon am Steuer
Jüngster „Kapitän“ auf dem Biggesee

Nicole Keseberg (Mi.) von der Personenschifffahrt Biggesee und Schiffsführer Bernd Stumpf (l.) präsentieren stolz den neuen „Steuermann“ der „Weißen Flotte“, Jan Wrede aus Sondern (r.).
  • Nicole Keseberg (Mi.) von der Personenschifffahrt Biggesee und Schiffsführer Bernd Stumpf (l.) präsentieren stolz den neuen „Steuermann“ der „Weißen Flotte“, Jan Wrede aus Sondern (r.).
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

yve Sondern. „Mann über Bord!“ Jan Wrede reißt das Steuerrad in Windeseile um – die 60 Meter lange „Westfalen“ dreht sich geschwind über den Biggesee und nimmt Kurs zum „Opfer“ auf. Es muss schnell gehen, Unterkühlung und gar Ertrinken drohen. In kürzester Zeit ist das „Mann-über-Bord-Manöver“ geschafft, der Rettungsring erfolgreich über die Ladeklappe an Deck gebracht – Passagiere klatschen, die Bergung ist geglückt. „Das war schon spektakulär“, erzählt Nicole Keseberg von der Personenschifffahrt Biggesee. Die Prüfer von der Bezirksregierung Düsseldorf seien wahrlich vom Tempo der Aktion überrascht gewesen.

yve Sondern. „Mann über Bord!“ Jan Wrede reißt das Steuerrad in Windeseile um – die 60 Meter lange „Westfalen“ dreht sich geschwind über den Biggesee und nimmt Kurs zum „Opfer“ auf. Es muss schnell gehen, Unterkühlung und gar Ertrinken drohen. In kürzester Zeit ist das „Mann-über-Bord-Manöver“ geschafft, der Rettungsring erfolgreich über die Ladeklappe an Deck gebracht – Passagiere klatschen, die Bergung ist geglückt. „Das war schon spektakulär“, erzählt Nicole Keseberg von der Personenschifffahrt Biggesee. Die Prüfer von der Bezirksregierung Düsseldorf seien wahrlich vom Tempo der Aktion überrascht gewesen. Eine Stunde lang schauen sie dieser Tage dem 20-Jährigen wachsam über die Schultern, während dieser das Schiff der „Weißen Flotte“ sicher über das Gewässer steuert, begutachten jeden Handgriff ganz genau. Zu Beanstanden haben die Herren aus Düsseldorf allerdings nichts. Vielmehr erklären sie den jungen Mann aus Sondern urkundlich zum Schiffsführer. Sehr zur Freude von Nicole Keseberg. Die neue „Chefin“ von Jan Wrede ist stolz auf ihren nun „ranghohen“ Mitarbeiter, der in wenigen Wochen große Verantwortung übernimmt. Im Oktober wird er 21 Jahre alt und darf ab diesem Zeitpunkt offiziell Personen über den Biggesee befördern – als bislang jüngster „Kapitän“ der „Weißen Flotte“.

Unzählige Stunden an Deck verbracht

Jan Wrede ist als Sonderner nicht nur am Wasser, sondern auch mit dem Wasser aufgewachsen. Vom Heck bis zum Bug ist ihm jeder Zentimeter der Passagierschiffe vertraut. Nicole Keseberg und deren Vater Wolfgang kennt er gefühlt seit einer Ewigkeit, verbringt schon als Kind unzählige Stunden an Deck. Sitzt neben seinem Vater Michael in der Kabine, dem „Steuermann“ der ersten Stunde bei der Personenschifffahrt Biggesee. Als Jugendlicher übernimmt er kleine Jobs an Bord – Aufräumen, Klappe schließen oder Schiff sicher am Liegeplatz vertauen.„Übernimm du doch mal das Steuer“ – an die Worte seines Vaters kann sich Jan Wrede noch ganz genau erinnern. „Da wusste ich, ich möchte auch Schiffsführer werden.“ Neben Schulzeit und Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei der „Bigge Energie“ studiert der 20-Jährige Lehrbücher, lernt Segeln, Navigieren, Verkehrs- und Ausweichregeln, Verhaltenspflichten, Signale, befasst sich mit Wetterkunde und vielem mehr, legt Nachweise über ausreichendes Seh-, Hör- und Farbunterscheidungsvermögen vor. Das Bestehen des „Sportbootführerscheins binnen“ beim Yacht-Club Lister gibt ihm letztlich das nötige Rüstzeug, um Schiffsführer zu werden. „Darauf konnten wir gut aufbauen“, so Nicole Keseberg, die Jan Wrede gemeinsam mit Wolfgang Keseberg und Schiffsführer Bernd Stumpf auf die praktische Prüfung vorbereitete.

Wartung, Umbau und Reparaturarbeiten

Nicht nur im Steuerhaus muss Jan Wrede alles im Griff haben, die nautischen Instrumente wie seine Westentasche kennen. Basiswissen der Schiffsmotoren ist ebenfalls erforderlich. „Eigene Techniker haben wir nicht an Bord“, erklärt Bernd Stumpf. „Das sind bei uns die Schiffsführer, sie übernehmen Wartung, Umbau und Reparaturarbeiten.“ „Ich bin mittlerweile ausgelernter Elektroniker, das ist kein Problem für mich“, unterstreicht der 20-Jährige. Gleiches gilt für die Arbeitszeiten auf den Schiffen der „Weißen Flotte“. Vornehmlich an Wochenenden wird Jan Wrede am Steuerrad stehen, denn im Hauptberuf bleibt er Elektroniker bei der „Bigge Energie“. Eine Freundin könnte sich daran stören. Doch die hat der 20-Jährige derzeit nicht. „Und wenn er eine hätte, würde ich sie gleich mit anheuern“, lacht Nicole Keseberg. Neben Jan Wrede gibt es mit Rüdiger Siebers einen weiteren „Neuling“ an Deck. Der 40-jährige aus Lennestadt ist ebenfalls „frischer“ Schiffsführer, den Nicole Keseberg über die DLRG kennengelernt hat. „Da haben wir gleich einen Lebensretter mit an Bord.“ Wrede als auch Siebers seien mit dem Wasser vertraut. Der See müsse immer fest im Blick gehalten werden, das Gespür für Gefahren vorhanden sein. Erst kürzlich habe ein Schiffsführer einen Schwimmer alleine mitten im Biggesee entdeckt. Umgehend sei die DLRG informiert worden. „Das erlebe ich immer wieder“, so Nicole Keseberg. Nicht wenige überschätzten sich. „Einige schwimmen alleine durch den See.“ Das sei extrem risikoreich. Schon ein Krampf könne das Schwimmvergnügen unheilvoll enden lassen. „Ich kann nur jedem empfehlen, einen Auftriebskörper beim Durchqueren des Biggesees bei sich zu tragen.“

"Habe mir meinen Traum erfüllt"

Für derlei Situationen ist Jan Wrede gewappnet, denn Schiffsführer zu sein, bedeutet eben nicht nur, Passagiere sicher wieder an Land zu bringen. Auch „das Leben“ auf dem Gewässer muss stets beobachtet werden. Aufgaben, auf die sich der junge Sonderner freut. „Ich habe mir meinen Traum erfüllt.“ Am 18. Oktober feiert Jan Wrede seinen Geburtstag. Das schönste Geschenk ist da sicher die Erlaubnis zum Steuern der Motorschiffe „Westfalen“ oder „Bigge“. Und da die Personenschifffahrt ihre Saison bis zum 6. Dezember verlängert, kann der jüngste „Kapitän“ des Biggesees seinen Traum noch einige Wochen ausleben – dann macht Jan Wrede „klar Schiff“ und schickt die „Weiße Flotte“ mit seinen Kollegen in den wohlverdienten Winterschlaf.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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