„Gudde Fierdahe“ wünschen sich die Olper erst im Sommer 2021 / SSB arbeitet an Empfehlung für Schützenvereine
Kein Beff und kein Bier unter den Linden

Dieser Anblick lässt die Herzen der Olper höher schlagen. Doch Grünröcke und festliche Kleider – stets der Hingucker bei der großen Polonaise wie hier im Jahr 2018 – bleiben in diesem Jahr im Schrank.  SZ-Archivfoto: yve
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  • Dieser Anblick lässt die Herzen der Olper höher schlagen. Doch Grünröcke und festliche Kleider – stets der Hingucker bei der großen Polonaise wie hier im Jahr 2018 – bleiben in diesem Jahr im Schrank. SZ-Archivfoto: yve
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yve  Schon Tage vor dem Hochfest des St.-Sebastianus-Schützenvereins wünschen sich die Olper „Gudde Fierdahe“. Die enorme Vorfreude ist allerorts spürbar – bis es endlich heißt „Auf zum Ümmerich!“. Das Event ist der jährliche Höhepunkt in der Kreisstadt. In Massen ziehen an drei Tagen Feierfreudige hoch zum Imberg. In diesem Jahr nicht; es gibt kein Bier und kein Beff unter den Linden.

Das hat es zuletzt infolge des Zweiten Weltkrieges zwischen 1939 und 1948 gegeben. Die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einigten sich am Mittwochnachmittag auf ein prinzipielles Verbot von Großveranstaltungen. Und eine solche ist das Olper Schützenfest mit seinen tausenden von Besuchern definitiv.

Als Unikum in die Annalen des St.-Sebastianus-Schützenvereins dürfte daher Wilhelm Rücker eingehen, der amtierende König der Olper Grünröcke. So wird sein Name in der Liste der Olper „Hoheiten“ gleich zweimal in Folge auftauchen. Er habe sich den Ausklang seines Regentenjahres sicherlich anders vorgestellt, teilte er im Telefongespräch mit. Schließlich wäre das diesjährige Fest für ihn und seine Frau Simone der Höhepunkt in seiner Zeit als König gewesen. Die Situation sei für alle Vereine traurig. Dennoch: „Ich behalte einfach meinen trockenen ostwestfälischen Humor.“ Und viel wichtiger sei ihm jetzt, „dass die Schützen eine Vorbildfunktion einnehmen und mit gutem Beispiel vorangehen“. Es sei fehl am Platze, Trübsal zu blasen. „Wir müssen jetzt Mut machen und Hoffnung schenken.“ Schwerwiegender als der Ausfall des Olper Schützenfestes seien die wirtschaftlichen Schicksale, die er in seiner Funktion als Vorstand der Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden hautnah miterlebe.

Gleiches gelte für die corona-bedingten schweren Erkrankungen, von denen er als Vorsitzender des Verwaltungssrates der Katholischen Hospitalgesellschaft Südwestfalen erfahre. Und mit dem Blick in die Zukunft, in die Zeit nach der Corona-Pandemie, ist er sich ganz sicher: „Die erste Feier nach der Krise wird besonders fröhlich und unvergessen in die Vereinsgeschichte der Olper Schützen eingehen – da verwette ich meine Schützenkappe drauf.“

Dass die Olper Feiertage nicht stattfinden können, habe sich ja bereits herauskristallisiert, so Peter Liese, der Major des St.-Sebastianus-Schützenvereins. „Wir müssen das jetzt so hinnehmen.“ Eine Verschiebung des Schützenfestes sei keine geeignete Option. Gefeiert werde schließlich traditionell am dritten Wochenende im Juli – „und draußen“. Das Wetter im Herbst sei da wenig für geeignet. Und wenn alle Vereine vorhätten zu verschieben, sei es sehr schwierig, überhaupt einen Termin zu finden. Selbst ohne ein Verbot von Großveranstaltungen sei das Risiko und die eigene Verantwortung für eine Festdurchführung zu immens gewesen. „Jetzt warten wir die nächsten Versammlung ab und schauen, wie es weitergeht.“ Videokonferenzen mit den Vereinsverantwortlichen – immerhin 25 Personen – seien da eher kontraproduktiv.

Traurig, dass er nicht feiern kann, ist natürlich auch Christoph Lütticke. In diesem Jahr hätte er auf dem Ümmerich sein 25-jähriges Jubiläum als Olper Schützenkönig gefeiert. Die Einladungskarten für seine Gäste sind schon gedruckt. „Aber die Gesundheit geht vor“, teilte er in aller Deutlichkeit mit. Er habe auch bereits mit Jubelkönigen aus anderen Dörfern gesprochen. „Die sehen das genauso.“ Jetzt zähle es, guter Hoffnung zu sein, dass die Krise möglichst schnell zu Ende gehe. Eine noch größere Pandemie müsse zwingend vermieden werden.

Ähnlicher Meinung dürften auch die Vertreter anderer Vereine sein, die viel Zeit und Energie in die Vorbereitung für ihre Feste investiert haben – ob für 100 oder über 1000 Besucher. Doch wie definieren die Länder eigentlich eine Großveranstaltung? Wo wird die Grenze gezogen? Genau darin sah Martin Tillmann, Bundesoberst des Sauerländer Schützenbundes, das Problem  am Donnerstagvormittag  im Gespräch mit der SZ. Dürfte das beschauliche Schützenfest in Scheiderwald stattfinden, aber das weitaus größere wie beispielsweise in Dahl nicht?  Am  Nachmittag gab die NRW-Landesregierung dann Details zum Beschluss der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin bekannt, doch genauere Angaben in puncto Großveranstaltungen blieben mit dem Verweis auf eine bundeseinheitliche Reglung, die erarbeitet werden soll, noch aus (siehe Seite 4).

Auf diese wartete aber Martin Tillmann gespannt, um noch am selben Abend auf digitalem Wege mit seinen Vorstandskollegen in konkrete Planungen zu treten. Laut dem Bundesoberst sollte dabei ausgearbeitet werden, welche Empfehlungen sie den zum Sauerländer Schützenbund gehörenden Vereinen geben können (wir berichten noch). Doch fest stand für Tillmann schon am Morgen, dass sich auch die Durchführung eines kleines Schützenfestes problematisch gestalten dürfte. „Die Pandemie ist noch nicht ausgestanden.“ Die Menschen seien seit Covid-19 sensibler. Er erinnerte an Gangelt, an den heftigen Ausbruch an der niederländischen Grenze aufgrund einer Kappensitzung mit 300 Personen. „Menschenansammlungen bleiben ein Risiko.“ Ferner wisse niemand, wie viele Personen aufgrund der Corona-Krise überhaupt in Feierlaune seien. Auch vor dem Hintergrund der derzeitigen wirtschaftlichen Misere und der damit verbundenen Kurzarbeit.

Was die Empfehlung des SSB im Einzelnen beinhaltet und wie die Vereine damit umgehen werden, bleibt nun abzuwarten – eine einheitliche Lösung wäre der gerechte Weg.

Dieser Anblick lässt die Herzen der Olper höher schlagen. Doch Grünröcke und festliche Kleider – stets der Hingucker bei der großen Polonaise wie hier im Jahr 2018 – bleiben in diesem Jahr im Schrank.  SZ-Archivfoto: yve
Wilhelm Rücker, der amtierende Regent der Olper Schützen – auf dem Foto mit seiner Frau und Mitregentin Simone –, muss seine Königskette noch nicht abgeben. Das Fest fällt in diesem Jahr aus. SZ-Archivfoto: hobö
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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