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Studie über Gesundheitswesen im Kreis Olpe
Klassischen „Landarzt“ gibt es bald nicht mehr

Das Klischee vom klassischen „Landarzt“ müsse bald revidiert werden, ist eines der
Ergebnisse der Untersuchung.
  • Das Klischee vom klassischen „Landarzt“ müsse bald revidiert werden, ist eines der
    Ergebnisse der Untersuchung.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

win Olpe. „Helikopterblick“ nennen Jan Fockele und Dr. Hermann Sottong das, was sie auf die heimische Gesundheitslandschaft geworfen haben. Die beiden Kommunikationsberater der Firma Laub & Partner aus Hamburg haben im Auftrag der Olper Firma „Zündgeber“ von Florian Junker „so 52 oder 53“ Interviews mit Menschen geführt, die im Raum Olpe/Attendorn im Gesundheitswesen tätig sind. Aus diesen Interviews, die komplett niedergeschrieben und analysiert wurden, haben sie eine Studie erstellt, die am Dienstagabend in der Olper Stadthalle vorgestellt wurde.

win Olpe. „Helikopterblick“ nennen Jan Fockele und Dr. Hermann Sottong das, was sie auf die heimische Gesundheitslandschaft geworfen haben. Die beiden Kommunikationsberater der Firma Laub & Partner aus Hamburg haben im Auftrag der Olper Firma „Zündgeber“ von Florian Junker „so 52 oder 53“ Interviews mit Menschen geführt, die im Raum Olpe/Attendorn im Gesundheitswesen tätig sind. Aus diesen Interviews, die komplett niedergeschrieben und analysiert wurden, haben sie eine Studie erstellt, die am Dienstagabend in der Olper Stadthalle vorgestellt wurde.Mitfinanziert aus LEADER-Mitteln der Europäischen Union im Programm „BiggeLand“, war Ziel dieser Studie, aufzuzeigen wie die medizinische Versorgung in der Region von den Befragten aktuell eingeschätzt wird und welche künftigen Erwartungen existieren. Interviewt wurden Vertreter aus Politik, Verwaltung, Medizin, Apotheken, Universität sowie Patienten. Die unterstützenden Städte Olpe und Attendorn waren durch Bürgermeister Peter Weber sowie Ronja Wockel vertreten, die den Ausführungen der Referenten aufmerksam lauschten. Kein Wunder, gaben Fockele und Sottong den Kommunen doch am Ende des Vortrags „Arbeitsaufträge“, was diese zu tun hätten, wenn die Gesundheitsversorgung gut bleiben solle. Und auch die Brancheninitiative Gesundheitswirtschaft Südwestfalen hat diese Studie unterstützt.

Es sei ein Bild entstanden, das man bekomme, wenn man von oben auf die Situation schaut, eben besagte Helikopterperspektive. Erfasst worden seien radikal-subjektive Perspektiven, „die sich aber immer mehrfach wiederfinden“. Je öfter gleiche Punkte in den Interviews aufgetaucht seien, umso interessanter sei dies für die Befrager gewesen.

Fix absehbare Hausarztmangel

Die Ausgangslage sei der bereits fix absehbare Hausarztmangel. Daraus sei die komplette Frage entstanden, wie es um die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum insgesamt bestellt sei. Im Beobachtungsfeld gebe es derzeit 80 „hausärztliche Versorgungsaufträge“, die von 82 Ärztinnen und Ärzten wahrgenommen würden. Je ein Drittel dieser Ärztinnen und Ärzte sei zwischen 60 und 70 Jahre alt, bis 2030 müssten rein rechnerisch über 50 neue Mediziner gewonnen werden, um den Status quo aufrechtzuerhalten. Derzeit sei der Bereich Medizin ein Anbietermarkt, Ärztinnen und Ärzte könnten sich quasi aussuchen, wo sie arbeiten wollen. Dies gelte zunehmend auch für andere medizinische Berufe.
Sicherlich sei der hohe Numerus clausus für das Medizinstudium ein ernsthaftes Hindernis insbesondere für neue Ärzte im ländlichen Raum, doch sei dies kein Problem, das regional angegangen werden könne und werde daher an dieser Stelle nicht weiter verfolgt.
Bei angehenden Ärztinnen und Ärzten spiele das Thema Geld für die Entscheidung keine Rolle – sie gingen ohnehin davon aus, dass die Bezahlung angemessen ausfalle. Viel mehr Wichtigkeit habe die Frage der „Work-life-Balance“; den klassischen Landarzt werde es so bald nicht mehr geben. Zwar seien auch die angehenden Mediziner engagiert und leistungsbereit, hätten aber eine andere Vorstellung vom Leben.Neben dem Beruf müsse hier auch Platz für Familie, Hobbys und Freunde sein, hier komme auch der Wunsch nach Teilzeit und einteilbarer Arbeit auf. Auch werde die Medizin mit Sicherheit weiblicher – der Frauenanteil wachse beständig.

Klassischen Hausarzt wird es nicht mehr geben

Das Bild in den Köpfen der Menschen vom klassischen Landarzt müsse revidiert werden – die „gute alte Gesundheitswelt“ sei weg und komme auch so nicht wieder, machten die Referenten klar. Den klassischen Hausarzt, der praktisch immer für seine Patientinnen und Patienten da sei, werde es in Zukunft nicht mehr geben. Stattdessen seien moderne Praxiskonzepte mit Teams aus angestellten Ärztinnen und Ärzten gefragt, und um die Versorgung auch bei sinkenden Zahlen sicherzustellen, müsse beispielsweise auch die Frage geklärt werden, ob immer alles von Ärztinnen und Ärzten erledigt werden müsse und wo Tele-Medizin und andere digitale Lösungen helfen könnten. „Die neuen Ärzte wollen klare Rahmen; die durch Altersgründe ausscheidenden Mediziner eins zu eins durch neue zu ersetzen, wird nicht reichen“, so die ernüchternde Auskunft der Referenten. Grenzenlose Verfügbarkeit sei das letzte, was die künftigen Ärztinnen und Ärzte wollten.Der Faktor Zeit spiele in doppelter Hinsicht eine Rolle. Einerseits wollten künftige Ärztinnen und Ärzte Zeit für sich, andererseits sei es ihnen enorm wichtig, genug Zeit für die Patienten zu haben. Es gebe, so Dr. Hermann Sottong, ein „hohes Konfliktpotenzial mit der Bürokratie und der BWL“.

Unternehmerische Mediziner unterstützen

Die Arbeitsbedingungen anzupassen sei das Entscheidende. Sie müssGesundheitswesenGesundheitswesenten zu den mentalen Modellen passen, die die jungen Mediziner der Zukunft hätten. „Die knappe Ressource ist hier nicht das Geld, sondern Organisation und Kommunikation.“ Sogenannte unternehmerische Mediziner seien „die Keyplayer der kommenden Jahre“, diese müssten unterstützt werden, um Praxismodelle aufzubauen, die dem „Mindset“ der neuen Ärztinnen und Ärzte entsprächen.Um die Gesundheitsversorgung der Zukunft auch im ländlichen Raum zu erhalten, müsse langfristig gedacht werden. Das „BiggeLand“ müsse zur „zukunftsfähigen Modellregion“ werden. Einerseits müsse der Bedarf nach neuen Ärztinnen und Ärzten gedeckt werden, andererseits gelte es, dafür zu sorgen, dass nicht mehr so viele Ärztinnen und Ärzte benötigt würden. Die Kommunen müssten dazu Teams bilden, die Bürgermeister seien aufgefordert, „Kümmerer“ einzustellen, die so etwas koordinieren.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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