SZ

Alte Meierey Waukemicke
Kochen hinter 350 Jahre alten Balken und Mauern

Zerline Schwarz in ihrer Alten Meierey, die gespickt ist mit Antiquitäten und Flohmarktschätzen.
3Bilder

yve Waukemicke. Geschirr aus Großmutters Zeiten steht auf dem rustikalen Eichentisch, auf einem Keramik-Stövchen bleibt der Kaffee im antiken Kännchen warm, neben der brennenden Kerze komplettieren frisch gebackener bretonischer Kuchen und Orangenmarmelade das nostalgische Bild in der Alten Meierey. Sie liegt im beschaulichen Olper Örtchen Waukemicke. Keine 70 Einwohner leben in dem Nachbarort von Griesemert am Hang in abwechslungsreicher Wiesenlandschaft. Die Meierey in Fachwerkbauweise reiht sich neben der alten Schmiede und der Kapelle St. Apollonia in ein malerisches Ensemble ein.
Gebäude in Wauckemicke etwa 350 Jahre alt
Das historische Gebäude ist etwa 350 Jahre alt.

yve Waukemicke. Geschirr aus Großmutters Zeiten steht auf dem rustikalen Eichentisch, auf einem Keramik-Stövchen bleibt der Kaffee im antiken Kännchen warm, neben der brennenden Kerze komplettieren frisch gebackener bretonischer Kuchen und Orangenmarmelade das nostalgische Bild in der Alten Meierey. Sie liegt im beschaulichen Olper Örtchen Waukemicke. Keine 70 Einwohner leben in dem Nachbarort von Griesemert am Hang in abwechslungsreicher Wiesenlandschaft. Die Meierey in Fachwerkbauweise reiht sich neben der alten Schmiede und der Kapelle St. Apollonia in ein malerisches Ensemble ein.

Gebäude in Wauckemicke etwa 350 Jahre alt

Das historische Gebäude ist etwa 350 Jahre alt. Eine Denkmalplakette des Landes Nordrhein-Westfalen befindet sich nicht an der grünen Eingangstür vor schwerem Vorhang aus Leinen, dennoch zeugt das Restaurant, das Herzstück des Objektes, von einer jahrhundertealten Geschichte – einst Bauernhof, im Besitz der Kirche und Schule. So ergänzt die SZ die Serie „Leben im Denkmal“ um ausgewählte Bauten, die zwar nicht unter Schutz stehen, aber durch neue Nutzung und Pflege auch in Zukunft die Landschaft prägen.

Das 350 Jahre alte Fachwerkhaus im beschaulichen Olper Örtchen Waukemicke – einst Bauernhof, im Besitz der Kirche und Schule. Seit 2006 betreibt hier Zerline Schwarz ihr Restaurant.
  • Das 350 Jahre alte Fachwerkhaus im beschaulichen Olper Örtchen Waukemicke – einst Bauernhof, im Besitz der Kirche und Schule. Seit 2006 betreibt hier Zerline Schwarz ihr Restaurant.
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

„Dieses Haus hat viel mitgemacht“, erzählt Zerline Schwarz. Seit 2006 ist das Gebäude mit angrenzender Scheune ihr Zuhause. Mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann war sie früher im Rheinland beheimatet – „wir hatten dort ein Hotel gepachtet“. Das Paar möchte seinerzeit was eigenes, etwas Kleines, eigentlich in Winterberg. „Das ergab sich aber nicht.“ Als sie von der zum Verkauf stehenden Immobilie in Waukemicke erfahren, machen sie sich auf den Weg in Richtung Olpe. „Wo soll das denn sein, an der dritten Buche rechts?“, hätten sie sich zunächst ungläubig gefragt. Der Anblick des Hauses habe die ersten Zweifel schnell in den Schatten gestellt.

Für Zerline Schwarz war der Start in Waukemicke nicht einfach

„Ursprünglich wollte ich hausgemachten Käse von unseren Schafen und Brotzeit anbieten“, so Zerline Schwarz. Viele bürokratische Hürden lassen die Pläne damals wieder in die Schublade wandern. Stattdessen erfindet sich das Ehepaar neu, eröffnet ein Restaurant, in dem auf Frische und Regionalität gesetzt wird, die Meierey im Namenszug indes bleibt.

„Es war ein nicht ganz einfacher Start“, so die 51-Jährige. Nicht jeder habe sich mit dem Konzept anfreunden können, hauptsächlich das Interieur – gespickt mit Antiquitäten und Flohmarktschätzen – habe zunächst nicht mit dem klassischen Gasthof oder Restaurant in Verbindung gebracht werden können. „Manche dachten, hier sei eine Jause, anderen fehlte die Theke.“ Dass Bier bei uns nicht aus dem Zapfhahn fließt, habe nicht der Norm entsprochen. „Der Fokus liegt in der Meierey eben auf Wein.“ Natürlich werde auch Gerstensaft serviert. Der stammt aber nicht nur aus Großbrauereien, sondern aus dem benachbarten Hochsauerland, „Red Hair Mountain“, hergestellt von Stefan Schneider. Er ist der Bruder der 51-Jährigen und führt in zweiter Generationen das Waldhaus Ohlenbach am Fuße des Kahlen Astens.

Zerline Schwarz kommt aus einer echten Gastronomenfamilie

„Ich komme also aus einer echten Gastronomenfamilie“, sagt die 51-Jährige im Gespräch mit der Siegener Zeitung. Sie ist gelernte Hotelfkauffrau und Floristenmeisterin. An den Töpfen groß geworden, kennt sie sich auch in der Küche aus, greift heute noch auf die Kniffe und Techniken ihrer Mutter zurück. „Sie hat mir die Augen geöffnet, wie viel mehr es neben Convenienceprodukten und Tiefkühlkost gibt.“ In diesen Worten schwingt stolz mit, zumal sich ihre Mutter einreiht in die Riege der ersten Frauen in Deutschland, die sich einen Stern im Guide Michelin erkochten.

Mehr als ein Geheimtipp: Die Alte Meierey in Waukemicke.

Die Einstellung zu den Lebensmitteln und die Verbindung zu den Produkten sei die Basis für eine ehrliche und lustvolle Küche, die dürfe gehoben, aber müsse nicht immer abgehoben sein. Und warum sollte es der Wolfsbarsch sein, wenn es hochwertigen Fisch in der Heimat gibt? Wer eine Forelle erstklassig zubereite und wem Blätterteig aus dem Effeff luftig und buttrig gelinge, der könne kochen. „Das sind Grundvoraussetzung.“ All ihr Wissen gab sie vor einigen Jahren an ihren Neffen weiter, teilte mit ihm in der zum Gastraum hin geöffneten Küche ihre langjährigen Erfahrungen. Drei Jahre bildete sie ihn aus.

"Ich möchte endlich wieder für Gäste kochen"

Gerne denkt Zerline Schwarz an diese Zeit zurück. „Und ich möchte endlich wieder für Gäste kochen.“ Unter ihnen immer noch welche, die zuvor noch nie etwas von Waukemicke, geschweige denn von einem Restaurant in Waukemicke gehört haben. Meist die Mund-zu-Mund-Propaganda führe sie her. „Einige möchten diesen Ort aber auch als Geheimnis bewahren“, schmunzelt Zerline Schwarz. Jedenfalls fehlten ihr die Arbeitsabläufe. „Heute Morgen habe ich gebacken und frische Schnittblumen gekauft“, das gebe ihr ein Stück Routine zurück, fühle sich einfach richtig an. Verteilt in Vasen, spitzen nun die gelben Tulpen ihre Köpfe als erwarteten sie hungrige Besucher.

„Ich hoffe auf Pfingsten“, wagt die 51-Jährige eine vorsichtige Prognose auf erste Öffnungsschritte für die Gastronomie. „Es muss wieder rundgehen“, blickt sie auf ausgebuchte Abende und die beliebten Brunchrunden hinter historischen Mauern und Balken zurück.
Ihre Gedanken wollen wieder um die variierenden und an die Jahreszeiten angepassten Speisen kreisen. Die stehen bei der 51-Jährigen übrigens nicht in der Karte, sondern auf einer großen, mit Kreide beschriebenen Tafel, die sie gerne persönlich und hoffentlich bald wieder von Tisch zu Tisch bringt.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen