SZ

Gewalt gegen Ehefrau: Mann zu Bewährungsstrafe verurteilt
„Krankhafte Eifersucht“

Ein Mann, der sich 2019 in einem Kirchhundemer Ortsteil an seiner Frau vergriffen hat, ist jetzt in Olpe zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden (Symbolbild).
  • Ein Mann, der sich 2019 in einem Kirchhundemer Ortsteil an seiner Frau vergriffen hat, ist jetzt in Olpe zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden (Symbolbild).
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

win Olpe/Kirchhundem. Wenn man den Worten des Angeklagten Glauben schenkte, dann hat es sich bei dem Geschehen, das sich am 14. Dezember 2019 in einem Kirchhundemer Ortsteil zugetragen hat, um einen zwar heftigen, aber letztlich folgenlosen Streit zwischen zerstrittenen Eheleuten gehandelt. Das, was die Anklageschrift und auch die als Zeugin geladene Noch-Ehefrau des 52-jährigen Mannes schilderten, war indes ein anderes Kaliber. Juristen nennen es „sexuelle Beleidigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung“ sowie „versuchte Vergewaltigung“.

win Olpe/Kirchhundem. Wenn man den Worten des Angeklagten Glauben schenkte, dann hat es sich bei dem Geschehen, das sich am 14. Dezember 2019 in einem Kirchhundemer Ortsteil zugetragen hat, um einen zwar heftigen, aber letztlich folgenlosen Streit zwischen zerstrittenen Eheleuten gehandelt. Das, was die Anklageschrift und auch die als Zeugin geladene Noch-Ehefrau des 52-jährigen Mannes schilderten, war indes ein anderes Kaliber. Juristen nennen es „sexuelle Beleidigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung“ sowie „versuchte Vergewaltigung“.

Ziemlich viel Bier getrunken

Über die Vorgeschichte des Ganzen gab es Einigkeit, Angeklagter wie Zeugin schilderten übereinstimmend, dass am Tattag, einem Samstag, der Angeklagte ziemlich viel Bier getrunken habe, erst beim Aufbau des dörflichen Weihnachtsmarkts, danach zu Hause. Das Ehepaar besuchte dann gemeinsam besagten Weihnachtsmarkt, wo er weiter Bier trank. Zu Hause sahen sie mit einer der beiden Töchter einen Film an, wobei der Mann die meiste Zeit auf dem Sofa im Wohnzimmer schlief. Doch als die Tochter sich zur Nacht verabschiedete, kam es zur Eskalation.

„Es war, als würde ein Schalter umgelegt“

Wie in der Anklageschrift festgehalten, schilderte es die Zeugin am Freitag im Olper Amtsgericht vor Richter Richard Sondermann und seinen Schöffen. „Es war, als würde ein Schalter umgelegt“, so die 50-jährige, inzwischen vom Angeklagten getrennt lebende Frau. Er sei aufgestanden, habe „wie üblich“ einen Streit vom Zaun gebrochen. „Er leidet an rasender Eifersucht“, so die beherrscht auftretende, aber sichtbar vom Geschehen mitgenommene Zeugin. Begonnen habe dies mit einem heftigen Tritt gegen ihren Sessel. Dann habe er begonnen, sie zu beschimpfen und der Untreue zu bezichtigen. „Das macht er seit einem Ausflug mit meinem Frauenclub nach Köln.“ Er habe sie heftig an den Armen gefasst, zu Boden gedrückt, sich mit seinem ganzen Körpergewicht auf sie gelegt und ihr erklärt, er wolle seine „ehelichen Rechte“ zum letzten Mal einfordern. Sie habe sich befreien können und im Badezimmer eingeschlossen, „bis er ruhig war“. Doch die Ruhe sei trügerisch gewesen, als sie das Bad verlassen habe, sei er wieder über sie hergefallen, habe sie ins Schlafzimmer gezerrt, erneut festgehalten, habe sie an der Brust und am Gesäß berührt und versucht, intim zu werden.

Kopfkissen aufs Gesicht gedrückt

Dann habe er sein Kopfkissen ergriffen und auf ihr Gesicht gedrückt, „ich dachte, das war es jetzt, hier kommst du nicht mehr lebend raus“. Doch irgendwann habe der Druck nachgelassen, sie habe sich aus dem Bett fallen lassen, sei aus dem Zimmer gelaufen, habe den Autoschlüssel und eine „nach Pferd stinkende Stalljacke gegriffen“ und sei mit dem Auto zur Polizeiwache Lennestadt gefahren. Dies sei ihr äußerst peinlich gewesen, doch sei ihr klargeworden, dass kein Weg mehr daran vorbeigehe.
Der Angeklagte räumte den Streit ein und auch, seine Frau heftig angefasst zu haben. „Sie hat mich immer wieder betrogen. Einmal habe ich sogar ein Kondom im Bad gefunden, das muss ihr aus der Tasche gefallen sein.“ Und auch den Vorfall mit dem Kissen räumte er ein, „aber das waren höchstens zwei bis drei Sekunden, da habe ich mir gedacht: Was machst du da eigentlich?“.

Er ist nur noch der „künftige Ex-Mann“

Für das Gericht gab es keinen Zweifel an der Richtigkeit der Aussagen der Frau, auch, weil der Polizist, der seinerzeit die Anzeige aufgenommen hatte, die Frau an besagtem Abend als „absolut authentisch“ beschrieb und schilderte, wie sie geweint und gezittert habe.
Verteidigerin Julia Steiner sah das etwas anders. Insbesondere die Tatsache, dass die Frau nach der Anzeigenerstattung wieder nach Hause zurückgefahren sei, spreche doch gegen die angebliche Todesangst. Die Zeugin erklärte, sie sei zusammen mit der Polizei heimgekehrt, und dies, weil die Ordnungshüter ihr erklärt hätten, dass ihr Ehemann, von dem die Frau durchgängig als „mein künftiger Ex-Mann“ sprach, ein Hausverbot erhalten werde, was auch ausgesprochen worden war.

Gericht folgt Ansicht der Staatsanwaltschaft

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft forderte eine Bewährungsstrafe für den Angeklagten: ein Jahr und vier Monate Haft, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, sowie eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen. Die Verteidigerin plädierte für eine deutlich geringere Strafe, weil das Teilgeständnis ihres Mandanten lediglich eine Körperverletzung im minderschweren Fall bedeute. Doch das Gericht sah die Tat wie die Staatsanwaltschaft. Ein Jahr und drei Monate, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, sowie 1200 Euro, zahlbar an den Verein „Frauen helfen Frauen“, lautet das Urteil gegen den Angeklagten, der sich auch der Führung und Weisung eines Bewährungshelfers unterstellen muss.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen