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Denkmalbereichssatzung Olpe
Kritik der "Freunde der Kreisstadt"

Der hier abgebildete Bereich der Olper Innenstadt ist bereits im Wesentlichen von einer Denkmalbereichssatzung erfasst. Diese soll nun erweitert werden, sodass fast doppelt so viel Fläche darunterfällt.
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  • Der hier abgebildete Bereich der Olper Innenstadt ist bereits im Wesentlichen von einer Denkmalbereichssatzung erfasst. Diese soll nun erweitert werden, sodass fast doppelt so viel Fläche darunterfällt.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

win Olpe. Zumindest ungewöhnlich war der Zeitraum, in dem nach dem mit großer Mehrheit gefassten Ratsbeschluss die Auslegung des Entwurfs der neuen Denkmalbereichssatzung erfolgte: über den Termin der Kommunalwahl hinaus. Da zwar noch eine Sitzung des Rates in seiner alten Besetzung im Kalender steht, es dabei aber zumindest laut Tagesordnung ausschließlich um den Architektenwettbewerb für den Neubau des Rathauses handeln soll, wird sich erst die neue Stadtverordnetenversammlung mit den Eingaben zum Entwurf befassen müssen.
Dass die neuen Ratsmitglieder genug Arbeit haben werden, dafür sorgen die „Freunde der Kreisstadt“.

win Olpe. Zumindest ungewöhnlich war der Zeitraum, in dem nach dem mit großer Mehrheit gefassten Ratsbeschluss die Auslegung des Entwurfs der neuen Denkmalbereichssatzung erfolgte: über den Termin der Kommunalwahl hinaus. Da zwar noch eine Sitzung des Rates in seiner alten Besetzung im Kalender steht, es dabei aber zumindest laut Tagesordnung ausschließlich um den Architektenwettbewerb für den Neubau des Rathauses handeln soll, wird sich erst die neue Stadtverordnetenversammlung mit den Eingaben zum Entwurf befassen müssen.
Dass die neuen Ratsmitglieder genug Arbeit haben werden, dafür sorgen die „Freunde der Kreisstadt“. Sie haben am Montag eine umfangreiche Eingabe bei der Stadt abgeliefert – weil, anders als in der Beschlussvorlage ausgeführt, ihrer Meinung nach keineswegs alle relevanten Eingaben berücksichtigt wurden.
Als Fazit geben die „Freunde der Kreisstadt“ zu bedenken: „Die Verwaltung der Kreisstadt Olpe wird aufgefordert, die hier aufgeführten negativen Konsequenzen durch die Einführung der Denkmalbereichssatzung der Stadtverordnetenversammlung transparent zu machen. Die Stadtverordnetenversammlung der Kreisstadt Olpe wird aufgefordert, dem Erlass der Denkmalbereichssatzung nicht zuzustimmen, um Schaden von der Kreisstadt Olpe abzuwenden.“

Kritik auf satten 31 Seiten

31 Seiten umfasst die Eingabe, die zahlreiche bereits im alten Verfahren genannte, aber auch viele neue Aspekte beinhaltet. Eine Denkmalbereichssatzung sei das untaugliche städtebauliche Instrument, um die von der Verwaltung aufgeführten Ziele zu erreichen, weder eine „angemessene ,schöne’ Architektur“ könne damit geschaffen noch die vorhandene erhalten werden.
Vor allem habe die zugrundeliegende Studie „Denkmalbereichssatzung Olpe – historische Altstadt“ des Büros „RaumPlan“ Aachen sich als derart fehlerhaft erwiesen, „dass sie als Entscheidungsgrundlage für die Ausweitung des Denkmalbereiches nicht herangezogen werden kann“. Auch das Gutachten der LWL-Denkmalpflege halte einer kritischen Befragung nicht stand.
Die „Freunde der Kreisstadt“ betonen, dass sie das im September begonnene und das zurzeit laufende Verfahren zum Erlass der Denkmalbereichssatzung als eine Einheit betrachten und daher auch auf die frühere Version der Denkmalbereichsstudie des Büros „RaumPlan“ verweisen. „Zudem verwahren wir uns gegen das mögliche Ansinnen, unsere bereits einmal eingebrachte Einwendung zumindest in Teilen im ,neuen’ Verfahren als ,verbraucht’ zu betrachten. Die zurzeit gültige Version unterscheidet sich ohnehin kaum von der Vorgängerversion und behält deren Fehlerhaftigkeit bei.“

Klare Forderungen an die Verwaltung

Vor der Auslage des Entwurfs der Denkmalbereichssatzung im nunmehr eingestellten Verfahren sei von der Verwaltung mündlich zugesichert worden, die erhobenen Einwendungen würden „Punkt für Punkt“ abgearbeitet. Dies sei im eingestellten Verfahren nicht geschehen. „Wir erwarten nun, dass sich die Verwaltung an diese Zusicherung hält und die vorliegende Einwendung ,Punkt für Punkt’ abarbeitet und eine Abwägungstabelle erstellt, in der sich die Bearbeitung der von uns vorgebrachten Argumente inhaltlich und qualifiziert widerspiegelt“.
Ohnehin handle es sich bei der Erweiterung der Satzung um einen „Denkmalbereich ohne Denkmäler“, was exakt gegen die Definition eines Denkmalbereichs verstoße: „Denkmalbereiche sind Mehrheiten von baulichen Anlagen, und zwar auch dann, wenn nicht jede dazugehörige einzelne bauliche Anlage die Voraussetzungen des Absatzes 1 erfüllt.“ Hier sei es genau umgekehrt. „So gibt es im Areal der Bahnhofstraße, des Kurkölner Platzes und der Martinstraße lediglich ein einziges Baudenkmal (Bahnhofstraße 11).“
Zu den „zahlreichen Schwächen“ der Denkmalbereichsstudie des Büros „RaumPlan“ Aachen gehöre auch die fragwürdige Terminologie. So postuliere die Studie den architektonischen Typus des „Olper Hauses“. Diesem Typus werde die Häuserzeile Im Weierhohl 16, 18, 20 (Gerberhäuser) zugeordnet, aber auch das klassizistische Wohngebäude Felmicke 28 (Kornbrennerei Kemper): „Beide werden als das ,Olper Haus – Grundtyp um 1800’ bezeichnet, obgleich es evident ist, dass diese Gebäude höchst unterschiedlich sind.“ Es verstehe sich von selbst, dass der Terminus „Olper Haus“ kunsthistorisch und baugeschichtlich unhaltbar sei.

Bebauungsplan für den Bereich Hoher Stein stößt sauer auf

Weiter kritisieren die „Freunde der Kreisstadt“, dass die Stadt gerade für den Wohnbereich Hoher Stein einen qualifizierten Bebauungsplan aufstelle, „um, wie es in der dazugehörigen Bekanntmachung heißt, den ,seit mehr als sechs Jahrzehnten organisch gewachsenen und für die Nachkriegszeit typischen Wohnsiedlungscharakter der Straßenzüge zu erhalten.’ In der Innenstadt wird hingegen zum ,scharfen Schwert’ der Denkmalbereichssatzung und der Gestaltungssatzung gegriffen, während für den Hohen Stein die mildere Regulierung durch einen Bebauungsplan gewählt wird. Dies ist ein eklatanter Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz.“
Da die Gebäude der Kreisverwaltung an der Westfälischen Straße im erweiterten Denkmalbereich liegen, stelle sich zudem die Frage, ob der Kreis Olpe, wenn er Veränderungen vornehmen wolle, in Zukunft hierfür die Genehmigung der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Olpe einholen müsse, „obgleich die Obere Denkmalbehörde, die die Aufsicht über die Untere Denkmalbehörde ausübt, beim Kreis angesiedelt ist.
Interessant wäre hier die Prüfung der Frage, ob die Obere Denkmalbehörde eine Entscheidung der Unteren Denkmalbehörde hinsichtlich der Kreisverwaltungsgebäude einkassieren kann“.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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