SZ

Qual vor dem Schlachthof
Kuh mit Tritten gegen Kopf misshandelt

Ein Bio-Bauer aus Lennestadt hat eine Kuh kurz vor dem Schlachthof misshandelt. Das hat ihm am Montag eine Strafe vor dem Amtsgericht Olpe eingebracht.
  • Ein Bio-Bauer aus Lennestadt hat eine Kuh kurz vor dem Schlachthof misshandelt. Das hat ihm am Montag eine Strafe vor dem Amtsgericht Olpe eingebracht.
  • Foto: Symbolfoto/Pixabay
  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

win Olpe. Der Schiedsrichter auf dem Fußballplatz hat seit einiger Zeit eine besondere Geste, um in Fällen des Zweifels einen besonderen, unbestechlichen Zeugen anzurufen: den Videobeweis. Vorsitzende Richterin Nicole Höhmann hatte diese Geste nicht nötig – das Video mit dem Tatvorgang, der am Montag verhandelt wurde, lag als DVD vor, der Tatsache geschuldet, dass schon seit längerer Zeit alle Entladevorgänge auf dem Schlachthof in Friedrichsthal aufgezeichnet werden. Und diese Videoaufzeichnung war es letztlich, die dem Angeklagten die Verurteilung einbrachte, unterstützt von der Aussage eines Veterinärs.

win Olpe. Der Schiedsrichter auf dem Fußballplatz hat seit einiger Zeit eine besondere Geste, um in Fällen des Zweifels einen besonderen, unbestechlichen Zeugen anzurufen: den Videobeweis. Vorsitzende Richterin Nicole Höhmann hatte diese Geste nicht nötig – das Video mit dem Tatvorgang, der am Montag verhandelt wurde, lag als DVD vor, der Tatsache geschuldet, dass schon seit längerer Zeit alle Entladevorgänge auf dem Schlachthof in Friedrichsthal aufgezeichnet werden. Und diese Videoaufzeichnung war es letztlich, die dem Angeklagten die Verurteilung einbrachte, unterstützt von der Aussage eines Veterinärs.
In der Anklageschrift, die Staatsanwalt Johannes-Raphael Griesing verlas, wurde der Vorgang so geschildert: Ein Landwirt aus Lennestadt habe eine am Vorderlauf lahmende Kuh aus dem Anhänger geladen und das Tier mit einem Stock und Fußtritten traktiert. Unter anderem habe er so fest geschlagen, dass die Gerte zerbrochen sei, daraufhin habe er mit dem „Griffstück“ und dessen nun spitzem Ende die Kuh gestochen, um sie voranzutreiben. Einmal habe der Mann auch einen Tritt gegen den Kopf des Rindes ausgeführt.

Landwirt rechtfertigt Misshandlung vor Gericht

Der Landwirt bestätigte den eigentlichen Vorgang, hatte aber Erklärungen für sein Verhalten. Die Kuh sei von ihm auf tierärztliche Weisung zur Schlachtung gebracht worden, weil das Kniegelenk unheilbar geschädigt gewesen sei. Normal fahre er die Tiere weiter weg zu einem Bio-Metzger, doch um der verletzten Kuh den weiten Weg zu ersparen, sei er ausnahmsweise nach Friedrichsthal ausgewichen. Entgegen dem ihm am Telefon gegebenen Versprechen, dass seine Kuh ohne lange Wartezeit geschlachtet werde, habe er aber lange warten müssen, so lange, dass das Tier sich im Anhänger abgelegt habe.
Als er endlich an die Reihe kommen sollte, habe ihm niemand geholfen, ganz im Gegenteil habe der Veterinär des Schlachthofs den gesamten Vorgang beobachtet, ohne helfend einzugreifen. Die Kuh sei schließlich die Rampe hinaufgegangen, doch sei das stählerne Eingangstor verschlossen gewesen, niemand habe es geöffnet. Dann habe, wie auf dem Video zu sehen, ein Mitarbeiter die Tür wutentbrannt aufgestoßen und ihn beschimpft.
Das Knallen der Tür habe die Kuh so erschreckt, dass sie zurück wollte. Er habe mit der Gerte Schläge ausgeübt, um sie nach vorn zu treiben und dabei versehentlich auch das verletzte Bein getroffen. Getreten habe er aus Not, weil die Kuh schließlich mit gesenktem Kopf mit ihren Hörnern auf ihn habe losgehen wollen. „Ich war schweißnass und voller Adrenalin, ich bin Biolandwirt und Tierschutz ist mir sehr wichtig.“ Sein Verteidiger, Norbert Wickel, ergänzte, der gesamte Entladevorgang sei in Ruhe verlaufen, sein Mandant habe die Kuh nur mit einem Klaps antreiben müssen. Eskaliert sei das Ganze, weil niemand die Tür zur Schlachthalle geöffnet habe.
Der Veterinär berichtete, schon die Fixierung der Kuh im Anhänger sei Tierquälerei gewesen, mit einer Kette um die Hörner so kurz angebunden, dass sie sich nicht nach links und rechts habe bewegen können. Auch die Schläge, die der Landwirt gegen das Tier ausgeführt habe, seien nicht erlaubt: Es gebe strenge Regeln, wohin ein Tier zum Treiben geschlagen werden dürfe. Insbesondere aber die Hiebe gegen das erkrankte Bein seien unakzeptabel, wie auch das Treiben durch das Stoßen mit spitzen Gegenständen. Auf eine entsprechende Frage von Verteidiger Wickel („Sie haben sich das schweigend angesehen und sind dann ’reingegangen?“) antwortete er: „Ich kann Ihnen nicht sagen, warum ich ihn nicht konkret angesprochen habe.“ Den genauen Vorgang habe er erst später auf dem Überwachungsvideo in Gänze kontrolliert.

Lkw-Fahrer: Rind war nicht transportfähig

Ein Viehtransporterfahrer aus dem Wendener Land hatte die Anlieferung in ihrer ersten Phase beobachtet: „Das Tier war an den Hörnern festgemacht, die sahen schon ganz schön mitgenommen aus. Ich hätte so ein Tier gar nicht aufs Auto gelassen, in meinen Augen war das nicht transportfähig.“ In solchen Fällen werde ein Rind üblicherweise aus Tierschutzgründen auf der Weide oder spätestens im Anhänger mit dem Bolzenschussgerät getötet.
Staatsanwalt Griesing war nach der Beweisaufnahme sicher, dass der Angeklagte gegen das Tierschutzgesetz verstoßen habe. Er forderte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30 Euro, mildernd einberechnet, dass der Angeklagte gegen die Absprache eine so lange Wartezeit habe ertragen müssen und dass die Situation seitens des Schlachthofs „nicht ideal“ gewesen sei. „Aber für Sie ist der Umgang mit Tieren tägliche Routine, Sie hätten es besser wissen müssen und auch besser machen, auch in einer Stresssituation.“

„Man sieht den Schmerz der Kuh auch als Laie“

Verteidiger Wickel forderte Freispruch: Sein Mandant habe nicht vorsätzlich gegen das verletzte Bein geschlagen, die gesamte Situation sei überhaupt erst abgedriftet, als niemand die Tür geöffnet bzw. als der Schlachthof-Mitarbeiter überreagiert und die Kuh damit erschreckt habe. Doch das Gericht folgte in seinem Urteil dem Staatsanwalt. „Man sieht den Schmerz der Kuh auch als Laie.“ Insbesondere die Schläge gegen das verletzte Bein seien definitiv Tierquälerei. Auch im Strafmaß schloss sich Richterin Höhmann der Forderung der Staatsanwaltschaft an.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil
Themenwelten
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen