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Anzeige auf Veranstaltung des "Dritten Weges"
Mann wegen SS-Tattoo verurteilt

Beim „Tag der Heimattreue“, den die rechtsextreme Kleinpartei „Der dritte Weg“ am 8. August 2020 in Olpe veranstaltet hatte, war ein 58-jähriger Düsseldorfer mit seiner verbotenen Tätowierung der Polizei aufgefallen. Der SS-Spruch auf seinem Unterarm sorgte für eine Verurteilung durch das Olper Amtsgericht.
  • Beim „Tag der Heimattreue“, den die rechtsextreme Kleinpartei „Der dritte Weg“ am 8. August 2020 in Olpe veranstaltet hatte, war ein 58-jähriger Düsseldorfer mit seiner verbotenen Tätowierung der Polizei aufgefallen. Der SS-Spruch auf seinem Unterarm sorgte für eine Verurteilung durch das Olper Amtsgericht.
  • Foto: kay (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

win Olpe. Es war warm in Olpe am 8. August 2020. Sogar heiß. T-Shirt-Wetter. Auch ein 58-jähriger Düsseldorfer trug an diesem Tag ein T-Shirt. Und so wurde die Tätowierung auf seinem Unterarm für die Öffentlichkeit sichtbar. Nun ist der 8. August nicht irgendein Tag – der „8. 8.“ wird von Nationalsozialisten gern für Veranstaltungen genutzt, weil der achte Buchstabe des Alphabets das „H“ ist und „HH“ die gängige Abkürzung des sogenannten Hitlergrußes darstellt. An jenem Tag hatte die rechtsextreme Kleinpartei „Der dritte Weg“ ihren sogenannten „Tag der Heimattreue“ veranstaltet, und besagter 58-jährige Düsseldorfer war nach Olpe gefahren, um die Veranstaltung zu besuchen.

win Olpe. Es war warm in Olpe am 8. August 2020. Sogar heiß. T-Shirt-Wetter. Auch ein 58-jähriger Düsseldorfer trug an diesem Tag ein T-Shirt. Und so wurde die Tätowierung auf seinem Unterarm für die Öffentlichkeit sichtbar. Nun ist der 8. August nicht irgendein Tag – der „8. 8.“ wird von Nationalsozialisten gern für Veranstaltungen genutzt, weil der achte Buchstabe des Alphabets das „H“ ist und „HH“ die gängige Abkürzung des sogenannten Hitlergrußes darstellt. An jenem Tag hatte die rechtsextreme Kleinpartei „Der dritte Weg“ ihren sogenannten „Tag der Heimattreue“ veranstaltet, und besagter 58-jährige Düsseldorfer war nach Olpe gefahren, um die Veranstaltung zu besuchen. Als die in großer Zahl aufgefahrene Polizei den Spruch „Meine Ehre heißt Treue“ las, der unter einem Stahlhelm und einem Eisernen Kreuz auf dem Unterarm des Mannes prangte, war die Anzeige praktisch schon geschrieben. Juristisch heißt es „Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole“, denn dieser Spruch war Wahlspruch der Schutzstaffel (SS), zierte ihre Koppelschlösser und war auf die Klinge des „SS-Ehrendolchs“ eingeätzt.

Angeklagter will die Bedeutung der Tätowierung nicht gekannt haben

Der Angeklagte gab zu, diese Tätowierung sichtbar getragen zu haben. Er habe allerdings keine Kenntnis davon gehabt, dass dies verboten sei. Helm und Kreuz trage er schon länger als Erinnerung an einen Onkel, der sich sehr um ihn gekümmert habe. Den Spruch habe er sich zur Silberhochzeit stechen lassen; der Tätowierer habe ihm versichert, es sei ein römischer Text. Sofort nach dem Hinweis der Polizei habe er sich diese Tätowierung entfernen lassen. Vorsitzender Richter Peter Krumm bat den Angeklagten, dies zu zeigen. Der Mann legte seinen Arm frei und präsentierte einen zwar mit Tätowierungen bedeckten, aber an besagter Stelle per Laser freigeräumten Unterarm.
Richter Krumm blieb skeptisch. Auf dem bei der Anzeigenaufnahme gefertigten Foto trage der Angeklagte ein T-Shirt des „Dritten Wegs“ und zudem ein Armband in den Farben der Reichsflagge. Dies alles lasse ihn, so Richter Krumm, zweifeln, dass der Angeklagte nicht wisse, was der zur Anklage führende Spruch für einen Hintergrund habe.

Wegen der Musik zum "Tag der Heimattreue" nach Olpe

Der Angeklagte widersprach: Er habe ein Faltblatt über den „Tag der Heimattreue“ in seinem Briefkasten vorgefunden und sei wegen der angekündigten Musik mit seinem Bekannten nach Olpe gefahren. Dort sei ihm das T-Shirt des „Dritten Wegs“ geschenkt worden, ebenso wie fünf weitere der Hemden von einem der auftretenden rechten Liedermacher. Diese habe er weggeworfen. „Ich bin nicht rechtsradikal, ich bereue das und möchte mich dafür entschuldigen. Wir waren zwei Stunden da und wenn ich gewusst hätte, was das ist, wäre ich nicht hingefahren.“

Er habe eine wilde Vergangenheit, allerdings nicht politisch, sondern in der Fußball-Hooligan-Szene, von der er sich aber schon lange losgesagt habe. „Ich habe meiner Frau 1988 versprochen, nie wieder vor Gericht zu erscheinen. Ich hatte deswegen schon ganz viel Streit.“ Das vom Richter angesprochene Armband zeige auch nicht die Reichsfarben, sondern die von Fortuna Düsseldorf. Er sei fest entschlossen, sich weitere fragwürdige, wenn auch nicht unbedingt verbotene Tätowierungen entfernen zu lassen, zu seinem Bedauern sei dies derzeit aufgrund der Pandemie-Auflagen aber nicht möglich.

Staatsanwaltschaft glaubt dem Angeklagten nicht

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sah positiv, dass der Angeklagte sich geständig gezeigt habe. Ein Plus für ihn, dass er die Tätowierung sofort hatte entfernen lassen. Alles andere aber glaube sie nicht und halte es für eine Schutzbehauptung. „Das Tattoo ist ja nicht beim Flanieren in der Fußgängerzone aufgefallen. Der ,Dritte Weg’ hält ja nicht damit hinterm Berg, wofür die stehen. Das sind alles Umstände, dass ich nicht glaube, dass Sie das nicht wussten, wofür dieser Spruch steht.“

Die Tatsache, dass die vom Angeklagten angesprochenen Vorfälle in der Fußballszene offenbar so weit zurückliegen, dass sein Eintrag im Bundeszentralregister leer ist und sie ihm auch glaube, dass er weitere Tätowierungen entfernen lassen werde, veranlassten die Staatsanwältin, zwar eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 20 Euro für den Frührentner zu verlangen, der derzeit von Grundsicherung lebt, diese aber unter Strafvorbehalt zu stellen, praktisch also eine Geldstrafe zur Bewährung, die nur gezahlt werden muss, wenn erneut etwas Einschlägiges vorfällt. Richter Krumm folgte in seinem Urteil der Forderung. Die Bewährungszeit legte er auf zwei Jahre fest. Auch er glaube dem Angeklagten nicht alles, und selbst wenn er nicht gewusst habe, dass der Spruch verboten ist, gelte der Rechtsgrundsatz „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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