Museum bleibt in weiter Ferne

SPD-Vorstoß von CDU abgeblockt / Vereinsmitglieder »maßlos enttäuscht«

win Olpe. Der Beschluss bleibt bestehen: Wie vor Jahr und Tag beschlossen, steht der Rat der Stadt Olpe weiterhin zu seiner Aussage, dass im Jahr 2011, zur 700-Jahr-Feier der Stadt, ein Stadtmuseum errichtet werden soll. Die konkrete Umsetzung dieses Plans bleibt aber in weiter Ferne.

Mitte des Jahres hatte Museumsplaner Dr. Ullrich Hermanns die Planungen für ein mögliches Museum am Olper Bahnhof vorgestellt. Die darin genannten Kosten von über 5 Mill.e hatten zu einer einhelligen Ablehnung dieses konkreten Plans durch den Rat geführt. Am Donnerstag hatte die SPD-Fraktion im Rat beantragt, den Punkt »Museum« erneut zur Diskussion zu stellen. »Wir bitten, zu diesem Punkt den Stadtverordneten mitzuteilen, ob es außer dem ,Alten Lyzeum' auch noch andere Gebäude gibt, die im städtischen Eigentum stehen und sich für die Unterbringung eines Stadtmuseums eignen würden. Darüber hinaus bitten wir um Mitteilung, wohin ggf. die städtische Musikschule verlegt werden könnte und welche Möglichkeiten die Verwaltung sieht, das Stadtmuseum durch städtische Bedienstete mitzubetreuen«, hatte SPD-Fraktionschef Peter Kühn in seinem Antrag formuliert. Die Antwort des Technischen Beigeordneten Bernd Knaebel fiel mehr als lapidar aus: Es gebe derzeit keine Leerstände in städtischen Gebäuden, daher sehe die Verwaltung keine Möglichkeit, die Musikschule aus dem Alten Lyzeum heraus zu verlagern.

Kühn erklärte, die Politik sei dem Förderverein Stadtmuseum und der gesamten Bevölkerung verpflichtet, »endlich den Knoten durchzuhauen« und klar zu sagen, was Sache sei. »Dieser Eiertanz« dürfe nicht fortgesetzt werden. Daher beantrage die SPD ganz konkret, das Alte Lyzeum freizumachen und für ein Museum zur Verfügung zu stellen. Zudem solle eine Projektgruppe aus Fraktions- und Fördervereins-Vertretern gegründet werden, um die nähere Umsetzung zu klären.

Dies stieß bei den drei übrigen Fraktionen auf Ablehnung. Christian Reißner (CDU) erklärte, die Stadt habe ein strukturelles Defizit, »das bekommen wir nicht in den Griff, indem wir neue Baustellen aufmachen«. Der Schuldenstand befinde sich auf einem Niveau, der die Stadt an ihre Leistungsgrenzen bringe. In dieser Legislaturperiode sei die Stadt nicht in der Lage, ein Museum zu bauen, auch nicht in abgespeckter Form, die zudem mit dem Verein nicht abgestimmt sei. Klaus Peter Langner (SPD) entgegnete, die SPD wolle mit ihrem Antrag »retten, wenn überhaupt noch etwas zu retten ist«. Eine ehrliche Antwort sei zu wünschen, das Taktieren und Verschieben müsse ein Ende finden. Udo Baubkus (UCW) fand, mit einem »unangemessenen Schnellschuss« mache man mehr kaputt, als zu retten sei. »Wir favorisieren weiter den Standort Bahnhof«, mit einem Beschluss pro Lyzeum sei dem Verein nicht geholfen. Volker Reichel (SPD) entgegnete, nicht die SPD habe die Schulden der Stadt angehäuft. Er verstehe Reißners Redebeitrag als »Grabrede für das Museum«. Fritz Klocke (Grüne) fand, im Rat gebe es keine Museumsgegner, sondern nur zwei Seiten: eine, die das Museum für bezahlbar halte und eine, die die Stadt dazu nicht in der Lage sehe. Bei der Diskussion um das Museum am Bahnhof sei völlig verschwiegen worden, dass in die angeblichen Baukosten für das Museum auch die komplette Sanierung des Bahnhofs eingeflossen sei, Kosten, die ohnehin auf die Stadt zukämen. »Wir sollten der Ehrlichkeit zuliebe sagen, wenn wir etwas wollen, woher das Geld dafür kommt.«

Lothar Epe (CDU) betonte, die CDU habe das Projekt Museum keineswegs abgeschrieben, aber das Lyzeum sei in jedem Fall der falsche Standort. Auch CDU-Fraktionschef Klaus Klapheck meinte, mit der Zustimmung zum SPD-Antrag werde dem Museumsverein »ein Bärendienst erwiesen«. Frank Kreinberg (UCW) versuchte, einen Kompromiss herbeizuführen: Die Kosten für das Museum seien, wie von Klocke angeführt, tatsächlich künstlich hochgerechnet worden. Eine Projektgruppe könnte für erheblich belastbarere Zahlen sorgen. Die Grünen stimmten zu: Ohne die »Sackgasse« Lyzeum sei der Antrag diskutabel. Die SPD reduzierte den Antrag um die Standortfestlegung - und erlebte die Ablehnung durch eine Phalanx aus der Mehrheit der CDU- und der UCW bei einigen Enthaltungen, während die Grünen mit der SPD stimmten.

Nach dem Tagesordnungspunkt verließen die zahlreichen Mitglieder des Museums-Fördervereins den Ratssaal, sichtlich ungehalten darüber, dass sie immer noch ohne greifbare Beschlüsse dastehen. Die Vorsitzende, Wilma Ohly: »Wir sind maßlos enttäuscht darüber, dass keine konkreten Dinge beschlossen worden sind – außer der Tatsache, dass das Projekt auf ewige Zeit hinausschiebt.«–Eine Projektgruppe, so Ohly, wäre das Mindeste gewesen, das erwartet werden könnte. »Eins ist sicher: Der Verein bleibt bestehen und wir werden weiterarbeiten. Ein Museum ist unser Ziel und bleibt es auch.«–

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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