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Abschied von der Bahn
Niedergang ist schnell und radikal

1975: Von der Mannschaft des Drolshagener Bahnhofs geschmückt, tritt am 31. Mai der letzte Stückgutwaggon seine Reise in Richtung Kreisstadt an.
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  • 1975: Von der Mannschaft des Drolshagener Bahnhofs geschmückt, tritt am 31. Mai der letzte Stückgutwaggon seine Reise in Richtung Kreisstadt an.
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  • hochgeladen von Christian Völkel

win Olpe/ Dierunghausen. Die mögliche Reaktivierung der Schienenverbindung von Olpe nach Köln hat kürzlich Schlagzeilen gemacht. Der ambitionierte Plan zweier aus dem Kreis Olpe stammender Studenten der Uni Siegen wurde von Fachleuten begeistert aufgenommen und der weiteren Prüfung zugeführt. Der pensionierte Gymnasiallehrer Gerhard Rüsche, der in seiner aktiven Zeit am Städtischen Gymnasium Olpe eine aufwendige, von Schülern erstellte Chronik dieser Bahnstrecke betreute, hat aus diesem Anlass die Geschichte der Bahnstrecke für die SZ zusammengefasst. Nach dem Auftakt über Planung und Bau der Bahnstrecke folgt nun der zweite und letzte Teil, der die Blütezeit und das schnelle Ende behandelt.

win Olpe/ Dierunghausen. Die mögliche Reaktivierung der Schienenverbindung von Olpe nach Köln hat kürzlich Schlagzeilen gemacht. Der ambitionierte Plan zweier aus dem Kreis Olpe stammender Studenten der Uni Siegen wurde von Fachleuten begeistert aufgenommen und der weiteren Prüfung zugeführt. Der pensionierte Gymnasiallehrer Gerhard Rüsche, der in seiner aktiven Zeit am Städtischen Gymnasium Olpe eine aufwendige, von Schülern erstellte Chronik dieser Bahnstrecke betreute, hat aus diesem Anlass die Geschichte der Bahnstrecke für die SZ zusammengefasst. Nach dem Auftakt über Planung und Bau der Bahnstrecke folgt nun der zweite und letzte Teil, der die Blütezeit und das schnelle Ende behandelt.

Florierender Bahnverkehr

„Der Verkehr auf der neuen Bahnstrecke florierte und verursachte teilweise unvorstellbare Szenen auf den Bahnhöfen, auf denen die Pendler und Schulkinder sich drängten“, schreibt Rüsche. „Im Jahr 1968 waren die Kapazitäten noch voll ausgelastet. Ab 1970 lösten Dieseltriebwagen die Diesellokomotiven für die Personenbeförderung auf der Strecke Olpe-Bergneustadt ab.“ Nur wenig später waren die Bahnhöfe zwischen Bergneustadt und Olpe nur noch unbesetzte Haltestellen. Die Deutsche Bundesbahn stellte den Schienen- größtenteils auf Busverkehr um. Anfang 1978 fuhren auf der Strecke Dieringhausen-Bergneustadt-Olpe noch sechs Schienenbusse, drei in jede Richtung. Der Fahrplan der DB von 1979 sah auf der Bahnstrecke nur noch einen Schienenbus in jede Richtung vor. Die Stadtverwaltungen von Drolshagen und Bergneustadt wehrten sich vehement dagegen, aber ohne Erfolg. Der Reisezugverkehr auf der Strecke wurde am 28. Dezember 1979 eingestellt, die Strecke selbst stillgelegt. Der Abschied von der Strecke und dem Verkehr wurde mit Feierlichkeiten begangen.
Nach der Stilllegung verfiel die Bahnstrecke in Dornröschenschlaf. Umso größer war die Überraschung für viele, als im Sommer 1990 Überlegungen begannen, dass die Bahnlinie zwischen Olpe und Bergneustadt (-Dieringhausen) reaktiviert werden sollte. Es kam daraufhin zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Politikern und Verwaltungen, vor allem in Drolshagen. Auch in der Bevölkerung gingen die Meinungen auseinander.

Triebwagen im Stundenakt

Am 3. Dezember 1990 stellte ein Gutachter dem Kreisausschuss des Kreises Olpe die Möglichkeit vor, dass auf der alten Bahnstrecke von Olpe nach Dieringhausen ein Triebwagen im Stundentakt fahren und pro Tag 1500 Fahrgäste in beide Richtungen befördern könnte.
Im Oberbergischen Kreis ging es mehr um die Trasse, die von der Bahn verkauft werden sollte. Aber auch hier schaltete sich die Bürgerschaft konträr in die Diskussion ein. Die Reaktivierung blieb aus.
Vor allem die heimische Industrie hatte von der Bahn profitiert, denn die neuen Schienenwege schufen die Voraussetzungen für Gütertransporte in großem Umfang. Aber auch die Gemeinden und die Bewohner dieses überwiegend ländlichen Raumes hatten einen Nutzen davon, weil die größeren Städte in der Umgebung (Siegen, Lüdenscheid, Hagen) für sie nicht mehr in in kaum erreichbarer Ferne lagen.

Im Jahr 1968 waren die Kapazitäten noch voll ausgelastet.
Gerhard Rüsche
pensionierter Gymnasiallehrer

Im Personenverkehr blieb die Eisenbahn auch und gerade auf der Strecke Olpe-Bergneustadt seinerzeit konkurrenzlos. Doch nach dem siegreichen Einzug von Pkw und Lkw musste die DB deutliche Rückgänge im Güter- und Personenverkehr hinnehmen, die sie zu Rationalisierungsmaßnahmen zwangen. Der Kreistag in Olpe beschloss mehrere Resolutionen, um die Reaktivierung der Strecke zu erreichen. Doch als dann ein konkretes Angebot aus dem Oberbergischen unterbreitet wurde, die Strecke zu übernehmen, weil ein privates Eisenbahnunternehmen so einen schnelleren Zugang zur Ruhr-Sieg-Strecke bekommen hätte, wo es regelmäßigen Bauzugverkehr betrieb, gleichzeitig an Wochenenden eine touristische Nutzung der Strecke plante, nahm der Kreistag Abstand von den flammenden Plädoyers und gab die Bahnstrecke auf.
Insbesondere die Stadt Drolshagen sorgte nach der endgültigen Stilllegung für Fakten: Mehrere Eisenbahn-Bauwerke wurden abgebaut oder abgebrochen. Über den größten Teil der alten Bahnstrecke führt heute ein Radweg, der unter anderem auch den Wegeringhauser Tunnel nutzt. Das eindrucksvolle Viadukt in Wenkhausen indes ist nicht Teil der Strecke; es erinnert als Denkmal ohne verkehrlichen Nutzen an die einst herbeigesehnte und dann so schnell aufgegebene Bahnstrecke.

1975: Von der Mannschaft des Drolshagener Bahnhofs geschmückt, tritt am 31. Mai der letzte Stückgutwaggon seine Reise in Richtung Kreisstadt an.
Die Olper SPD-Kreistagsfraktion machte sich nach Dieringhausen auf und besuchte das dortige Eisenbahnmuseum. Eine Tochterfirma des Vereins wollte die Bahnstrecke nach Olpe übernehmen – der Kreis lehnte ab.
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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