Noch lange ein »weißer Fleck«

In Neuenkleusheim ist moderne Datenkommunikation ein Fremdwort / Abhilfe per Satellit

win Neuenkleusheim. Früher war das elektronische Kommunizieren in Deutschland einfach: Es gab nur das Festnetz-Telefon, und das kostete überall gleich viel. Egal, ob jemand auf der Insel Langeoog oder in der Stadtmitte von Köln einen Neuansschluss wollte – er bezahlte überall die gleiche Summe. Als die Computer das »Telefonieren«–lernten, waren es erst Akustikkoppler, die über die Hör- und die Sprechmuschel gestülpt wurden, später dann Modems, quasi eigene »Telefongeräte« für den PC. Computer-»Telefonate«–waren genau so teuer wie Ferngespräche. Dann kam das Internet, und die immer datenlastigeren Homepages erforderten immer schnellere Kommunikationswege. Das digitale Netz ISDN war ein enormer Fortschritt, und wer die Zeiten erlebt hat, in denen die Daten mit 300 Baud (Bit pro Sekunde) quasi durch die Telefonleitung tröpfelten, für den waren die 64 Kilobit pro Sekunde des ISDN ein Quantensprung. Inzwischen hat sich viel getan: Derzeit ist ADSL die Technik der Wahl. Parallel zum vorhandenen Telefonanschluss werden hier die Daten mit bis zu 6000 Kilobit durchs Netz gejagt. Derzeit forciert die Telekom-Tochter T-Com die Vermarktung von DSL-2000-Anschlüssen.

Anders als früher, wird bei DSL-Anschlüssen nicht mehr nach Online-Zeit abgerechnet. Die neue Technik ermöglicht zum einen eine Abrechnung nach Datenvolumen: Wer viel herunterlädt, zahlt auch viel. Zum anderen sind seit DSL auch bezahlbare Flatrates zu haben – Pauschalzahlungen, die ein Surfen ohne Zeit- oder Volumengrenzen erlauben. Das ist zum einen für den Hollywood-Freund oder den Musikfreak interessant, der die Videos nicht mehr als Cassetten aus der Videothek, sondern digital aus dem Netz kauft bzw. der sich die neuesten Hits aus dem Netz holt und auf CD brennt. Zum anderen aber ist eine schnelle Anbindung zum Festpreis auch höchst interessant für Selbstständige oder Arbeitnehmer mit Heimbüro, die via DSL zu überschaubaren Kosten ans Internet und damit an die Zentrale angebunden werden können.

All diese Vorteile gelten aber nur für Telekom-Kunden, die in DSL-versorgten Gebieten wohnen. Dies sind zunächst einmal Ballungszentren, aber auch Dörfer, die in der Nähe von Vermittlungsstellen liegen. Je länger die Anbindung, desto schlechter wird die DSL-Qualität und damit die mögliche Höchstgeschwindigkeit. Die »Schallgrenze«–liegt bei viereinhalb Kilometern – wer weiter von einer Vermittlungsstelle entfernt wohnt, blickt bei DSL in die Röhre. Im Olper Stadtgebiet ist dies als einziger größerer Ortschaft in Neuenkleusheim der Fall. Die Einwohner sind doppelt schlecht dran: Als vor Jahren das Kabelfernsehen angeboten wurde, war das Interesse zu gering; die Neuenkleusheimer blieben auf den terrestrisch ausgestrahlten Rundfunk angewiesen. Andere Orte, in denen das Fernsehkabel verlegt wurde, können heute auf DSL verzichten, weil Kabelnetzbetreiber »Ish« das Kabel internet- und telefonfähig gemacht hat. So kann seit kurzem per Fernsehkabel mit DSL-Geschwindigkeit und Flatrate gesurft werden.

Für viele Internet-Nutzer ist weniger die geringe Geschwindigkeit des herkömmlichen ISDN- oder Modem-Zugangs ein Ärgernis, sondern die in diesen Fällen stets zeitabhängige Zugangsgebühr. Doch kein Anbieter bietet diese langsamen Zugangswege gegen eine Flatrate an. Somit heißt es für Neuenkleusheimer, dass sie nicht nur langsam, sondern auch noch teuer »surfen«. Beim jüngsten Dorffest war der Ausschluss der Ortschaft von der »schönen neuen Internet-Welt«–Thema. Rasch fanden sich 61 Neuenkleusheimer, die allesamt möglichst schnell DSL haben möchten. Sie haben eine Petition unterschrieben, die Wortführerin Sabine Bock an die Stadt Olpe geschickt hat. Sie hoffen, dass dort Druck auf die Telekom ausgeübt werden kann, um den Anschluss von Neuenkleusheim an DSL zu forcieren.

T-Com-Pressesprecher Rüdiger Gräve macht diesbezüglich wenig Hoffnung. Zwar sei T-Com dabei, die »weißen Flecken«–von der DSL-Karte in Deutschland zu tilgen. Besonders Nordrhein-Westfalen sei diesbezüglich schon weit gediehen. Jedes Jahr stecke das Unternehmen Millionen von Euro in den Netzausbau. Doch sei die Telekom als börsennotiertes Unternehmen der Wirtschaftlichkeit verpflichtet. »Ich weiß – das nützt den Menschen in Neuenkleusheim herzlich wenig.«–Ihnen könne er als Alternative die satellitengestützte Internet-Anbindung von T-Com empfehlen. Dabei wird eine Antennenschüssel installiert, über die die Daten per Satellit aus dem All ins Haus kommen. Die Rückleitung läuft über ISDN. Die Leistung sei in etwa mit DSL-1000 vergleichbar, die Kosten lägen zwar darüber, seien aber immer noch interessant.

Eine weitere, ohne Antennenaufbau realisierbare Lösung steht Ende nächsten Jahres bereit. Die Telekom-Tochter T-Mobile rüstet derzeit das GSM-Netz für Mobiltelefone auf EDGE um. Damit sind immerhin 200 Kilobit pro Sekunde realisierbar, und zwar auf Wunsch gegen eine Flatrate. Als »Installation«–genügt ein modernes, EDGE-fähiges Mobiltelefon oder ein reines Datenfunkgerät, das per Kabel an den Computer angeschlossen wird. Das Surfen im Internet funktioniert damit schnell und unkompliziert, auch wenn man beim Herunterladen großer Dateien noch weit von DSL-Geschwindigkeit entfernt ist.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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