Studenten verblüffen Fachleute des Zweckverbands Personennahverkehr
Ohne Umsteigen von der Bigge an den Rhein

Einst gingen von Olpe aus Züge in vier Richtungen, der Bahnhof pulsierte. Das wird wohl nie wiederkehren – indes haben zwei Studenten eine Idee entwickelt, wie zumindest die Rheinmetropole wieder an den Kreis Olpe angeschlossen werden könnte.
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  • Einst gingen von Olpe aus Züge in vier Richtungen, der Bahnhof pulsierte. Das wird wohl nie wiederkehren – indes haben zwei Studenten eine Idee entwickelt, wie zumindest die Rheinmetropole wieder an den Kreis Olpe angeschlossen werden könnte.
  • Foto: Dr. Rolf Löttgers
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win Olpe/Siegen. Es war im Jahr 1903, als die Eisenbahnstrecke von Olpe nach Dieringhausen freigegeben wurde und die Bigge mit dem Rhein verband, denn via Dieringhausen ging es bereits direkt weiter nach Köln. 1979 stoppte der Auto-Boom den Personenverkehr auf dieser Strecke, 1993 rollte der letzte Güterzug, der noch auf einem Reststück von Olpe nach Eichen bei Drolshagen Flüssiggas gefahren hatte. Alle Pläne, die Strecke zu reaktivieren, scheiterten – Brücken und Unterführungen fielen, die Trasse wurde an vielen Stellen überbaut.

Der zunehmende Straßenverkehr mit Staus und Parkdruck sorgt seit 1979 dafür, dass immer wieder der Wunsch geäußert wird, eine Gleisverbindung zurückzubekommen. Und jetzt treten Tom Langemann und Andre Trapp auf den Plan. Der eine wohnt in Attendorn, der andere in Grevenbrück – beides Orte direkt an der Eisenbahn, beide sind Studenten der Uni Siegen, und beide wissen, wie lange es dauert, wenn man aus der Region in die Metropole kommen will. Und beide entwickelten einen Plan, der so einfach und genial scheint, dass der Geschäftsführer des Zweckverbands Personenverkehr Westfalen-Süd (ZWS), Günter Padt, fast jubelt: „Als wir den Plan auf den Tisch bekommen haben, dachten wir erst: naja, wieder mal ein Strich in der Landschaft, aber was da zu Papier gebracht wurde, ist allererste Sahne – vor allem, wenn man bedenkt, dass die beiden eigentlich etwas ganz anderes machen. Aber sie haben die Problemlage genau richtig erfasst.“

2300 Aus- und 3500 Einpendler

Die beiden Studenten sind ohne Scheuklappen und Denkverbote an die Frage herangegangen, wie der Kreis Olpe besser an den Großraum Köln angebunden werden könnte. Am Montagabend befasste sich die Zweckverbandsversammlung des ZWS mit dem Plan. Die beiden Studenten schlagen vor, von Köln die vorhandene Strecke bis Meinerzhagen zu nutzen. Dieser schließt sich ein vorhandenes Gleis bis Krummenerl an, das ursprünglich sogar bis Olpe weitergebaut werden sollte, aber an einem großen Steinbruch endet. Von dort haben sie eine Trasse durch das Ihnetal bis Listerscheid (Stadt Attendorn) geplant, die neu zu bauen wäre. Der Haltepunkt Listerscheid an der Bahnstrecke Olpe-Finnentrop würde zum Bahnhof ausgebaut, der von Köln kommende Zug dann bis Finnentrop weiterfahren. „Für Olpe“, so Padt, „wäre das natürlich mit einem Umstieg in Listerscheid verbunden, aber von Finnentrop und Attendorn hieße das: ohne Umsteigen nach Köln.“ 2300 Aus- und 3500 Einpendler nach bzw. aus Köln seien ein starkes Argument für eine solche Bahnverbindung, so Padt. Auch der touristische Wert dürfe nicht vergessen werden.

Andreas Müller (SPD), Landrat von Siegen-Wittgenstein und derzeit Vorsitzender der Zweckverbandsversammlung, staunte: Das könne man wohl durchaus ein Generationenprojekt nennen. „Aber auch ein solches muss ja irgendwann begonnen werden.“

Machbarkeitsstudie einstimmig beschlossen

Die Zweckverbandsversammlung fasste einstimmig den Beschluss, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. In dieser soll der Plan der beiden Studenten auf seine Umsetzbarkeit hin untersucht werden. Vergleichend dazu werde auch die kürzlich von der „Allianz pro Schiene“ geforderte Reaktivierung der alten Strecke Olpe-Dieringhausen mitgeprüft, und am Ende sollen sowohl Reise- bzw. Fahrzeiten, Investitionskosten und vor allem eine Kosten-Nutzen-Analyse auf dem Tisch liegen.

Diese Skizze zeigt den Streckenverlauf von Köln bis Finnentrop, bis Meinerzhagen und ab Listerscheid über vorhandene Gleise.
  • Diese Skizze zeigt den Streckenverlauf von Köln bis Finnentrop, bis Meinerzhagen und ab Listerscheid über vorhandene Gleise.
  • Foto: Google Maps
  • hochgeladen von Marc Thomas

Die beiden Autoren des Plans für den „Rhein-Südwestfalen-Express“, „RExx“ abgekürzt, haben sich intensiv mit dem Thema befasst. Im Vorwort schreiben sie: „Natürlich lässt sich ein solches großes Projekt nicht von heute auf morgen umsetzten. Ein grober Zeitrahmen der Fertigstellung könnte Mitte der 2030er-Jahre liegen. (…) Gerade in der Zeit des Klimawandels, in der der Schienenverkehr einer der Haupthoffnungsträger ist, müssen attraktivere Verbindungen in möglichst vielen Orten vorhanden sein.“

Junge Leute ziehen weg

Die Region Südwestfalen biete gute wirtschaftliche Perspektiven, „leidet aber, aufgrund des hohen Anteils an produzierendem Gewerbe, unter akutem Fachkräftemangel. Junge Leute ziehen nach einer entsprechenden Qualifikation oft zum Studieren oder für eine Ausbildung weg, finden aber den Weg wieder zurück in die Heimat nicht. Perspektivisch kann die Struktur Südwestfalens nicht die gleiche Infrastruktur bieten wie der Rhein/Ruhr-Großraum. Um trotzdem eine Attraktivierung diesbezüglich zu erreichen, sind schnelle, NRW-weite Anbindungen essenziell“.

Einst gingen von Olpe aus Züge in vier Richtungen, der Bahnhof pulsierte. Das wird wohl nie wiederkehren – indes haben zwei Studenten eine Idee entwickelt, wie zumindest die Rheinmetropole wieder an den Kreis Olpe angeschlossen werden könnte.
Diese Skizze zeigt den Streckenverlauf von Köln bis Finnentrop, bis Meinerzhagen und ab Listerscheid über vorhandene Gleise.
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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