Pfefferspray und Bodycheck

Polizeikontrolle endete chaotisch / Geldstrafen für Angeklagte

mik Olpe. Rechtsanwälte, Richter und Staatsanwältin waren sich gestern einig: Der Polizeieinsatz vom 10. September 2000 in Attendorn verlief alles andere als optimal. Dabei roch es zunächst nach Routine.

Zur Vorgeschichte: An jenem Septemberabend tranken die Angeklagten Christoph K. und Timo M.* aus Pritzwalk in der Prignitz ein paar Bier beim Attendorner Stadtfest. Sie waren von ihrem damaligen Arbeitsplatz Finnentrop aus zur Hansestadt gefahren. Die 24-Jährigen wollten Spaß haben. Und es ging lustig los. Am Bier-Rondell lernten sie zwei Frauen kennen, redeten, rauchten und flirteten. Dann trennten sich ihre Wege. Christoph und Timo schlenderten durch die Gassen. Zu diesem Zeitpunkt informierte die Polizeiwache Attendorn die Beamten Klaus A. und Sebastian G.: In Attendorns Innenstadt hätten Männer randaliert. Es sollten Stühle gegen Schaufenster geflogen sein. Die Beamten fuhren durch die Straßen. Ein Zeuge beschrieb die Täter und wies den Weg. Direkt zu Christoph und Timo. Die Polizisten forderten die beiden auf, stehen zu bleiben.

Außerdem hätten sie die Angeklagten über den Grund der Kontrolle informiert. Das bestritten gestern Christoph K. und Timo M.. Da die beiden ihre Ausweispapiere im Auto gelassen hatten, durchsuchten die Beamten die Freunde. Klaus A. tat dies mit einer Dose Pfefferspray in der rechten Hand. Denn: »Von Anfang an war da eine aggressive Stimmung«. Die jungen Männer seien »auf Randale« aus gewesen, so der Beamte. In 27 Dienstjahren habe er so etwas noch nicht erlebt.

»Polizeistaat« und »Wie in der DDR« sollen Timo und Christoph gerufen haben. Wenig später stand Timo M. am Einsatzwagen, eine Handschelle war bereits angelegt. Und dann sprühte Klaus A.. Er habe sich bedroht gefühlt, sagte er vor dem Amtsgericht. Timo M. duckte sich und schlug gegen den Arm des Polizisten. Und der sprühte sich einen Strahl Pfefferlösung ins eigene Gesicht. Jetzt ging es drunter und drüber.

Christoph K. entfernte sich vom Ort des Geschehens und der Einsatz immer mehr vom Schulbuch. Klaus A. verfolgte den 24-Jährigen. Und Sebastian G. kümmerte sich um Timo M. »Es kam zum Gerangel«, so der Polizeibeamte. Dabei griff er Timo ins Gesicht. Der biss den Polizisten. Schließlich schnappten die Handschellen zu. Und Timo M. landete im Polizeiwagen. Gleichzeitig gingen Klaus A. und Christoph K. zu Boden. Der 45-jähriger Freund und Helfer erklärte, warum: »Als ich hinter dem Angeklagten herlief, drehte der sich plötzlich um und rammte mich mit der Schulter.« Noch heute schmerze dem Polizeibeamten der Rücken wegen des Bodychecks. Auch die Angeklagten informierten Richter Jochen Schneider über Blessuren im Zuge des Einsatzes: Geschwollene Handgelenke, Schürfwunden, Stauchungen.

Ob die Angeklagten wirklich in Attendorn randaliert hatten, blieb unklar. Der Zeuge, der die beiden beobachtete haben will, ist gestern nicht zum Termin erschienen. Allerdings gaben Christoph K. und Timo M. zu, die Polizisten beleidigt zu haben. Und Timo M. hatte bereits im Vorfeld über 200 e an Schmerzensgeld an Klaus A. gezahlt. Ein Kompromiss lag in der Luft.

Und so einigten sich die Parteien auf eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von je 400 e. Gleichzeitig verpflichteten sich die Angeklagten, die Dienstaufsichtsbeschwerden gegen die Polizei-Beamten zurückzuziehen (* Namen von der Redaktion geändert).

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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