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Auch und besonders an Weihnachten
Pflegekräfte sind für die Bewohner da

Sich über die Weihnachtsfeiertage freinehmen? Für viele Mitarbeiter in Seniorenheimen kommt das nicht infrage. Sie wollten gerade dann für die Bewohner da sein.
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  • Sich über die Weihnachtsfeiertage freinehmen? Für viele Mitarbeiter in Seniorenheimen kommt das nicht infrage. Sie wollten gerade dann für die Bewohner da sein.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

goeb Olpe/Wehbach/Oberndorf. „Wir wollen den Bewohnern die Weihnachtszeit so angenehm wie möglich machen.“ Das gilt natürlich für die Festtage in allen Jahren, aber Karina Reimann, Geschäftsleitung Unternehmenskommunikation & Service beim Caritasverband für den Kreis Olpe, ist sich der besonderen Situation im Corona-Jahr 2020 bewusst. Die hochgefährliche Pandemie und die Anforderungen an die Infektionsprävention machen vieles komplizierter als in „normalen“ Jahren. Es gebe etliche logistische Herausforderungen, von der Besucher-Registrierung bis zur gewünschten FFP-2-Maske, Tests und vieles andere mehr.
Gottesdienste im TVSechs Seniorenhäuser betreibt die Caritas im Kreis Olpe.

goeb Olpe/Wehbach/Oberndorf. „Wir wollen den Bewohnern die Weihnachtszeit so angenehm wie möglich machen.“ Das gilt natürlich für die Festtage in allen Jahren, aber Karina Reimann, Geschäftsleitung Unternehmenskommunikation & Service beim Caritasverband für den Kreis Olpe, ist sich der besonderen Situation im Corona-Jahr 2020 bewusst. Die hochgefährliche Pandemie und die Anforderungen an die Infektionsprävention machen vieles komplizierter als in „normalen“ Jahren. Es gebe etliche logistische Herausforderungen, von der Besucher-Registrierung bis zur gewünschten FFP-2-Maske, Tests und vieles andere mehr.

Gottesdienste im TV

Sechs Seniorenhäuser betreibt die Caritas im Kreis Olpe. Auch wenn es einen Grundkonsens für alle Einrichtungen gibt, so entscheide doch jede selbst, wie sie Heiligabend und die Feiertage im Speziellen gestaltet. „Wir sind ein kirchlicher Träger“, ergänzt sie. So ist es allen Bewohnerinnen und Bewohnern möglich, an Gottesdiensten teilzunehmen. „Das müssen Sie sich nicht so vorstellen, dass man in eine Kapelle geht. Alle Zimmer verfügen über Fernseher und es gibt dort unseren TV-Kanal, über den wir unsere Gottesdienste übertragen.“

Mitarbeiter kümmern sich gern

„Pflegekraft ist man nicht einfach so“, schildert Karina Reimann. Sie hat beispielsweise beobachtet, dass sich Pflegekräfte vermehrt für Dienste an Heiligabend und den Feiertagen eingetragen haben. „Allein in Olpe sind in dieser Zeit sechs zusätzliche Mitarbeiter im sozialen Dienst tätig.“ Das heißt: Es wird sich gekümmert.
Das fange schon damit an, dass die Mitarbeitenden in dieser Zeit festlich gekleidet sind und überall Weihnachtsbäume Glanz verbreiten. Es gibt besonders leckere festliche Gerichte und man bietet viele Möglichkeiten des Beisammenseins, auch wenn die Pandemie ihre eigenen Regeln vorgibt. „Es sind viele Kleinigkeiten, die da zusammenkommen“, ergänzt sie.
In einem Altenheim beispielsweise kam das Kollegium auf die Idee, jeden Bewohner zu beschenken. „Materiell, wie etwa ein schönes Buch oder eine Kleinigkeit, aber eben nicht nur. Manche kochen für jemanden oder backen, führen ein langes Gespräch oder nehmen sich sonstwie viel Zeit für etwas. Das ist ganz individuell.“

Schutz der Bewohner hat Priorität

Pflegekräfte sind wichtige Bezugspersonen für die Bewohner auf ihrer letzten Lebensetappe in ihrem neuen Zuhause. Manche haben keine Familie mehr oder sind gesundheitlich so schlecht dran, dass sie ihr Bett kaum noch verlassen können. Natürlich gibt es auch die rüstigen Senioren.
Pflegedienstleiterin Britta Stahlschmidt von der Seniorenresidenz Villa Moritz in Wehbach bei Kirchen sieht den Festtagen mit gespannter Freude entgegen. „Anfragen sind da“, entgegnet sie auf die Erkundigung, ob Angehörige ihre Liebsten über Weihnachten nach Hause holen wollen. „Aber wir empfehlen das nicht“, schickt sie nach. Der Schutz der Bewohner vor einer Infektion habe oberste Priorität.

Besucher dank Schnelltests

„Ich möchte an dieser Stelle die Schnelltests lobend erwähnen, denn die ermöglichen doch vieles.“ Nicht nur lassen sich sämtliche Kolleginnen und Kollegen zweimal pro Woche auf Covid-19 testen. „Auch unseren Bewohnern kommt das zugute. Denn dadurch können sie Besuch empfangen.“
Schon während der gesamten Adventszeit bekommen die Bewohner einiges geboten. Einmal waren Trompetenspieler dort. Sie wollen nochmals vorbeischauen. Und am 6. Dezember hat „eine getestete Nikoläusin Geschenke verteilt“.
An Heiligabend verlesen die Mitarbeiter Karten aus Kirchener Familien an die Bewohner. Und auch das verkleidete Christkind hat seinen Auftritt.

Keine Probleme in Sachen Personal

Gerade während des Festes der Liebe und Familie sehnen sich viele Heimbewohner nach Nähe und Vertrautem. Deshalb ist es für sie besonders zur Weihnachtszeit wichtig, an alte Traditionen erinnert zu werden. Die Villa Moritz gehört mit 14 Bewohnern zu den kleinen Einrichtungen. „Die personelle Besetzung ist an Weihnachten so gut wie das ganze Jahr über“, sagt die Pflegedienstleiterin. „Alle ziehen an einem Strang.“ Ein zauberhafter Garten erlaubt festliche Dekoration.

Weihnachtslieder in kleinen Gruppen

Im Seniorenstift Elim, einem Alten- und Pflegeheim in Oberndorf bei Bad Laasphe, tut Pflegedienstleiter Benjamin Krusemark alles, damit die 80 Bewohner schöne Festtage erleben. „Wir können natürlich keine Angehörigen ersetzen, da muss man ehrlich sein.“ Und auch hier setzt die Corona-Prävention Grenzen. „Ich bin froh, dass ich eine ausgebildete Krankenschwester habe für die Tests“, erklärt er im Telefonat.
Weihnachtslieder werden diesmal in kleinen Gruppen gesungen und ein Weihnachtsessen auf dem Zimmer serviert. Der Speisesaal ist gesperrt, weil die 1,5 Meter Abstand zueinander nicht gewährleistet werden können, auch die Personenbeschränkung im Fahrstuhl brächte erhebliche zeitliche Verzögerungen mit sich.

Das Christkind kommt

An Dekoration und Personal fehlt es nicht, und sogar ein Christkind darf nach Testung ins Haus. Man spürt den Druck, unter dem das Personal seit Beginn der Pandemie steht, und die hohe Kunst ist es, die Bewohner das nicht merken zu lassen. „Wir hoffen alle“, sagt er zum Abschluss, „dass wir gut durch die Pandemie kommen und Weihnachten 2021 wieder ein ganz normales Weihnachten wird“.

Kommentar: Chapeau! „Unsere vulnerablen Mitbürger“, diese Wendung hört man aus Politikermund in letzter Zeit häufig und immer in Verbindung mit dem Wort „schützen“. In den Telefonaten zur Recherche dieses Artikels spürt man die Anspannung, unter der die Gesprächspartner aus den Alten- und Pflegeheimen angesichts der hohen Infektionszahlen mit Covid-19 in Deutschland stehen. Hoffentlich, beten sie, geht dieser Kelch an uns vorüber. Fast jeder kennt aus seinem beruflichen Umfeld Häuser, in denen Covid schon Tragödien angerichtet hat. Denn wenn man einmal das Virus im Haus hat, kann das Leben zur Hölle werden. „Ein Fehler“, sagte Benjamin Krusemark aus Oberndorf, „und das war es“. Was darf man erlauben, was nicht? Es ist ein ständiges Abwägen aus dem Gefühl der Verantwortung heraus. Einerseits möchte man gerade zu Weihnachten Besuche von Verwandten und guten Freunden erlauben, andererseits kann eine noch so dichte Testung nicht zu 100 Prozent gewährleisten, dass das Virus draußen bleibt. Und schließlich ist da auch das eigene Personal, das jeden Tag wechselt zwischen Wohnstätte und Arbeitsplatz. Deshalb ist nachvollziehbar, dass die meisten Einrichtungen es den Angehörigen diesmal nicht empfehlen, ihre Liebsten über die Weihnachtstage nach Hause zu holen, auch wenn sie es ihnen nicht verbieten können. Dass es die Alten- und Pflegeheime trotzdem schaffen, die Angst und Sorge von den Bewohnern größtenteils fernzuhalten und ihnen darüber hinaus mit Einfallsreichtum und oft in voller Personalstärke schöne Tage zu bereiten, das verdient unsere Bewunderung. Davor kann man nur den Hut ziehen. a.goebel@siegener-zeitung.de.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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