Philosophie am Steinway

Konstantin Lifschitz spielte Chopin, Bach und Schumann. Foto: pjw

pjw Olpe. Im zweiten Konzert der Reihe „Piano solo“ gab am Freitag der Pianist Konstantin Lifschitz im Olper Kreishaus ein beeindruckend-bewegendes Konzert, eine große Klangrede, die den beiden „Geburtstagskindern“ Frédéric Chopin und Robert Schumann gewidmet war.

Zunächst stand jedoch – gewissermaßen als Exordium – Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 2 auf dem Programm. Schon Bachs Zeitgenossen hielten die Partiten für das Vortrefflichste, was das „Clavier“ bis dahin gesehen hatte. Eine ernste Einleitung eröffnete das Stück. Auch wenn Bach selbst die Partiten den „Liebhabern zur Gemüths Ergoetzung verfertiget“ hat, so schimmerte bei Lifschitz allerdings nicht selten ein nachdenklicher und suchender Ton durch. In den schnellen Sätzen vermisste der Zuhörer die von Bach intendierte Spiel- und Hörfreude dennoch nicht.

Nach der Pause widmete sich Lifschitz, dessen Repertoire die ganze Bandbreite der abendländischen Musik vom Frühbarock bis zur Neuen Musik aufweist, Schumann und Chopin. Von Chopin erklangen erst die Mazurken op. 7. Sie nehmen im Schaffen Chopins einen breiten Raum ein. Für das Ohr bieten sie manche Überraschung durch besondere melodiöse Effekte und harmonische Wendungen.

Die Ballade F-Dur op. 38 widmete Chopin seinem Musikkollegen Schumann. Der stürmische Moll-Satz gab dem Interpreten die Möglichkeit, Zeit und Raum zu vergessen und ganz in die Musik zu versinken. Das gemahnte schon fast an die Absencen des Sokrates, der vom Geschehen um ihn herum in solchen Momenten gegen jede Ansprache taub gewesen zu sein schien.

So fügten sich denn auch ohne Pause die Kreisleriana (op. 16) von Schumann an, die ihrerseits Chopin zugeeignet sind. Konstantin Lifschitz führte jetzt einen Dialog mit der Musik, suchte nach einer Wahrheit, einer Botschaft der Musik und ließ das Publikum daran teilhaben. Zugegeben, es fiel schwer, sich auf diese eigenwillige Art des Musikmachens einzulassen. Lang und teilweise befremdend, nicht enden wollend, beschäftigten die acht Einzelstücke auch den Pianisten sichtlich. Lifschitz’ spieltechnische Fertigkeiten und sein emotionaler Charakter harmonierten perfekt und ließen den Rezipienten die Expressivität romantischer Musik spüren.Nach diesem Kraftakt folgten gewissermaßen als Epilog noch zwei auflockernde Präludien und Fugen aus Bachs „Wohltemperierten Klavier“ als Zugabe, womit dem Abend ein passender Schlusspunkt gesetzt wurde.

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