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Autonom fahrender Kleinbus
Pilotprojekt "SAM": So fällt das Fazit aus

So zog der elektrische Kleinbus fahrerlos seine Bahnen, hier auf dem Rundkurs in Drolshagen. Derzeit fährt er mit Siegener Nummer durch Gera.
  • So zog der elektrische Kleinbus fahrerlos seine Bahnen, hier auf dem Rundkurs in Drolshagen. Derzeit fährt er mit Siegener Nummer durch Gera.
  • Foto: win (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

win Olpe/Drolshagen/Altenhundem. Der Kleinbus der französischen Firma Easymile, der im vergangenen Jahr testweise den Linienverkehr erst in Drolshagen, dann in Altenhundem aufnahm, ist praktisch das Gegenteil eines SUV. Der Bus ist klein, extrem wendig, selbstfahrend, äußerst effizient, umweltfreundlich und zukunftsgewandt. Den als SUV bekannten Stadtgeländewagen werfen Kritiker vor, dass sie groß, durstig, platzraubend und ressourcenfressend sind.

Und genau ein solches SUV hätte das Pilotprojekt mit dem französischen Autonom-Mobil um ein Haar zerschossen: Eines der Sport Utility Vehicles war bei einer Fahrt in Altenhundem gegen das fahrerlose Elektromobil geprallt. Einer von drei Gründen, die das Projekt eine Zeitlang unterbrochen haben.

win Olpe/Drolshagen/Altenhundem. Der Kleinbus der französischen Firma Easymile, der im vergangenen Jahr testweise den Linienverkehr erst in Drolshagen, dann in Altenhundem aufnahm, ist praktisch das Gegenteil eines SUV. Der Bus ist klein, extrem wendig, selbstfahrend, äußerst effizient, umweltfreundlich und zukunftsgewandt. Den als SUV bekannten Stadtgeländewagen werfen Kritiker vor, dass sie groß, durstig, platzraubend und ressourcenfressend sind.

Und genau ein solches SUV hätte das Pilotprojekt mit dem französischen Autonom-Mobil um ein Haar zerschossen: Eines der Sport Utility Vehicles war bei einer Fahrt in Altenhundem gegen das fahrerlose Elektromobil geprallt. Einer von drei Gründen, die das Projekt eine Zeitlang unterbrochen haben. Der Unfall war jedoch folgenarm, auf Seiten des SUV blieb es bei Blechschaden, mangels Blech am Kleinbus ging hier nur etwas Kunststoff zu Bruch. Und so konnten die Projektverantwortlichen am Mittwochabend in der Verbandsversammlung des Zweckverbands Personennahverkehr Westfalen-Süd (ZWS) ein fast durchweg positives Echo unter den Einsatz des Projekts „SAM“ ziehen. Unter diesem Arbeitstitel war der kleine Bus in Südwestfalen autonom mobil.

"SAM" legte 1700 Kilometer zurück

Frank Hunsicker vom Berliner Projektbüro „NutsOne“ und ZWS-Geschäftsführer Günter Padt fassten für die Mitglieder er Zweckverbandsversammlung die Ergebnisse des Pilotprojekts zusammen. Vom 17. Februar bis zum 17. Juni, unterbrochen für mehrere Wochen von März bis Mai wegen der Corona-Auflagen, war das allradgelenkte Mobil 49 Betriebstage lang in Drolshagen auf einem 2-Kilometer-Rundkurs unterwegs zu den 30 Tagen „Corona-Ausfall“ kamen drei Fehltage wegen schneereicher Witterung. Insgesamt legte „SAM“ dort 1700 Kilometer zurück. Beim anschließenden Einsatz in Lennestadt kam es zu 17 Tagen Ausfall durch eine Reparatur, zwei Tagen wegen Erkrankung des begleitenden Operators und zwei Tagen wegen des besagten Unfalls.

Projekt „SAM“: Kleinbus fährt erst nächstes Jahr

Hunsicker wertete den ersten öffentlichen Betrieb eines autonom fahrenden Busses in Deutschland insgesamt als großen Erfolg. In Lennestadt war die Pünktlichkeit etwas geringer als in Drolshagen, aber immer noch bei gut 90 Prozent. Hier seien die Straßen sehr oft zugeparkt gewesen trotz der eigens ausgesprochenen Parkverbote, offenbar gebe es dort weniger Disziplin als in Drolshagen. Jedes Falschparken in diesem Bereich sorgt aber für einen automatischen Stopp des sensorbewehrten Kleinbusses, dem das manuelle Eingreifen des stets begleitenden Operators nötig macht. Der Unfall selbst sei unverschuldet erfolgt und kein Fehler des Systems.

3240 nutzten "SAM" und fuhren mit

3240 Fahrgäste nutzten insgesamt die Gelegenheit zur Mitfahrt. Zum Bedauern der Organisatoren sei der Rücklauf auf mehrere Befragungen äußerst schwach verlaufen, sodass es zwar interessante, aber keineswegs repräsentative Auswertungen gebe. Hauptgrund für eine Mitfahrt seien Neugier bzw. technisches Interesse gewesen. Nur zwei der Fahrgäste hätten nach der Fahrt erklärt, „mangels Mehrwert“ nicht erneut mitfahren zu wollen. Viele könnten sich vorstellen, „SAM“ digital oder telefonisch zu bestellen, auch sei eine hohe Bereitschaft zu erkennen, einen Zuschlag für die Fahrt zu zahlen. Im Projektzeitraum war das Mitfahren kostenlos.

Hunsicker berichtete, in der nächsten Stufe würden die Busse wirklich autonom, ohne Operator, fahren „und sind dann tatsächlich eine Alternative im ÖPNV, um Bereiche zu erschließen, die heute nicht wirtschaftlich bedient werden können“. Die allermeisten Befragten hätten sich rundherum zufrieden gezeigt, lediglich die durch strenge Auflagen auf nur 15 Kilometer pro Stunde festgelegte Höchstgeschwindigkeit sei als zu niedrig empfunden worden. Derzeit läuft der Kleinbus mit seiner alten Zulassungsnummer SI-OE 2020 in Gera, auch dort ergäben die laufenden Befragungen ein überwiegend positives Bild.

"Großer Lerneffekt bei der Umsetzung dieses Pilotprojekts"

„Wir alle hatten einen großen Lerneffekt bei der Umsetzung dieses Pilotprojekts.“ Die Zukunft des autonomen Fahrens liege nun in der Option, die im selbst entwickelten Vorserien-Kleinbus eingesetzte und ausgereifte Sensortechnik in Serien-Kleinbusse einzubauen.
So werde gerade ein Fahrzeug von Stellantis, dem neugeschaffenen Mutterkonzern von Peugeot-Citroën und Fiat, entsprechend umgerüstet, ein Einsatzort in Deutschland werde gerade gesucht. „Das macht die Zulassung erheblich einfacher, weil das Standardfahrzeug ja schon eine Typzulassung hat“, so Hunsicker.
Und Padt betonte, der Unfall mit dem SUV habe das Problem der passiven Sicherheit deutlich gemacht: „Wäre der voll draufgerauscht, wäre er wohl am anderen Ende wieder herausgefahren.“

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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