Politik weit weg von Erwartungen

IG-Metall-Bevollmächtigter Georg Keppeler, DGB-Sekretärin Sandra Grimm und der Betriebsratsvorsitzende der Metallwerke Gebr. Kemper, Rainer Nacke (v. l.), am Informationsstand der IG Metall, der gestern auf dem Olper Marktplatz aufgebaut war. Foto: win
  • IG-Metall-Bevollmächtigter Georg Keppeler, DGB-Sekretärin Sandra Grimm und der Betriebsratsvorsitzende der Metallwerke Gebr. Kemper, Rainer Nacke (v. l.), am Informationsstand der IG Metall, der gestern auf dem Olper Marktplatz aufgebaut war. Foto: win
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

sz Olpe. Die IG Metall hat im Rahmen der Kampagne „Gemeinsam für ein besseres Leben“ die größte Beschäftigtenbefragung abgeschlossen, die eine Gewerkschaft je durchgeführt hat. Mehr als 450 000 Menschen haben sich zwischen April und Juni bundesweit an der Befragung beteiligt. „Die Menschen habe eine klare Vorstellung, was ihnen wichtig ist und was sich in Deutschland ändern muss“, so der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Olpe gestern im Rahmen einer Kampagneveranstaltung auf dem Olper Marktplatz. Im Mittelpunkt stand ein Lkw mit Spezialaufbau, in dem sich eine komplette Bühne mit Sitzecke, Getränkestand und einem Fotostudio verbarg. Zudem konnten Besucher Wünsche an die Politik formulieren, ausdrucken und in den Parteien zugeordnete Kästen werfen, damit sie den jeweiligen Verantwortlichen bei einer Großveranstaltung in Frankfurt übergeben werden können.

Das Ergebnis der Befragung zeige eindeutig, dass die Politik selten so weit von den Erwartungen der Menschen entfernt gewesen sei wie heute. „So wenig Zutrauen die Menschen in die Politik haben, so sehr vertrauen sie darauf, dass die IG Metall ihren Ängsten und Sorgen, aber auch ihren Anforderungen an die Politik eine unüberhörbare Stimme verleiht. Sie fordern von der Politik nachhaltige Entscheidungen für die Mehrheit der Menschen. Die Befragten wollen sichere Arbeitsplätze mit fairen Bedingungen, eine gerechte Gesellschaft, in der sich Arbeit und Leben besser miteinander vereinbaren lassen. Ebenso wichtig ist ihnen eine gute Zukunft für ihre Kinder und dass sie im Alter sorgenfrei leben können.“

Die Befragung sei kein Selbstzweck, betonte Keppeler. Die IG Metall fordere die Bundestagskandidaten und Parteienvertreter im Kreis Olpe auf: „Macht Politik für die Mehrheit der Menschen! Wir fragen, was ändert ihr nach der Bundestagswahl am 27. September?“ Viel zu lang schon orientiere sich die Politik an den Interessen der Wirtschaft. Die aktuelle Krise zeige deutlich, dass zugunsten der Gier einiger Weniger immer noch die Kerninteressen der Menschen geopfert würden. Dem stelle die IG Metall mit der Kampagne „Gemeinsam für ein gutes Leben“ ein neues Politikmodell entgegen. „Die zentralen Interessen der Menschen müssen wieder Grundlage für politische Entscheidungen werden“, stellte Georg Keppeler fest.

Bei der Befragung standen die Themen Arbeit und Einkommen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Bildung, Mitbestimmung, Mindestlohn und Leiharbeit im Vordergrund. „Die vielen Gespräche in den Betrieben, auf der Straße und bei Aktionen haben gezeigt: Wir haben die richtigen Fragen gestellt, wir sind nah dran an den Menschen und legitimiert, für sie zu sprechen“, sagte Keppeler.

Aus dem Kreis Olpe haben über 1000 Menschen an der Umfrage teilgenommen.Den Ergebnissen der Befragung zufolge geht es den Menschen im Wesentlichen um Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Die materielle Sicherheit bei Arbeitslosigkeit und Krankheit (79 Prozent) und die Einführung von Mindestlöhnen (78 Prozent) stehen dabei im Vordergrund. Und für 72 Prozent der Befragten gehört dazu eine wirksame Regulierung der Finanzmärkte. Zugleich ist für die Menschen sichere und faire Arbeit von hoher Wichtigkeit. 89 Prozent der Befragten fordern einen sicheren Arbeitsplatz und ein Einkommen, von dem man gut leben kann (83 Prozent). Bei Leiharbeit fordern 77 Prozent gleiches Geld für gleiche Arbeit.Zugleich hat Sicherheit im Alter einen hohen Stellenwert. 81 Prozent der Befragten erteilen der Rente mit 67 eine klare Absage. 73 Prozent fordern eine gerechte Rentenversicherung, in die auch Selbstständige und Beamte einzahlen sollen. Außerdem ist den Menschen wichtig, Arbeit und Leben besser miteinander vereinbaren zu können. Abgesichert sein, eine Zukunft planen können, das wollen 80 Prozent der Befragten. 77 Prozent fordern ausreichend Zeit für Familie und private Interessen.62 Prozent vermissen eine Verbesserung der Kinderbetreuung. Und sie wollen eine gute Zukunft für ihre Kinder: Dazu gehört für 74 Prozent die Pflicht der Unternehmen, ausreichend qualifizierte Ausbildungsplätze zu schaffen. 71 Prozent fordern eine bessere Ausstattung von Kindergärten, Schulen und Hochschulen und 70 Prozent wollen eine gerechtere Verteilung von Bildungschancen. Auch Umweltschutz ist ein Thema. Hier fordern 60 Prozent der Befragten deutliche Verbesserungen.Nähere Informationen gibt es im Internet unter http://www.gutes-leben.de.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.