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Urteil vor dem Amtsgericht Olpe
Polizisten getreten - Butterfly-Messer griffbereit

Der Angeklagte griff die Polizisten nicht nur an, in der Hosentasche führte er außerdem ein Butterfly-Messer mit sich. Jetzt fiel vor dem Amtsgericht Olpe das Urteil.
  • Der Angeklagte griff die Polizisten nicht nur an, in der Hosentasche führte er außerdem ein Butterfly-Messer mit sich. Jetzt fiel vor dem Amtsgericht Olpe das Urteil.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

win Olpe. Eigentlich heißt es „Stille Nacht“, wenn es auf Weihnachten zugeht. Das war 2019 am Tag vor Heiligabend in Olpe gar nicht der Fall: Vor einer Gaststätte an der Kölner Straße waren Türsteher und Gäste aneinandergeraten, und das so heftig, dass die Polizei einschreiten musste. Vier Beamte kümmerten sich um den Streit und hatten die Lage beruhigt, als ein Betrachter der Situation anfing, sich immer wieder ins Geschehen einzumischen. Am Dienstag hatte er sich wegen der Folgen seines Tuns vor dem Jugendrichter des Olper Amtsgerichts zu verantworten: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchte Körperverletzung und ein Verstoß gegen das Waffengesetz hießen die Anklagepunkte gegen den 22-Jährigen.

Junger Mann schubst P

win Olpe. Eigentlich heißt es „Stille Nacht“, wenn es auf Weihnachten zugeht. Das war 2019 am Tag vor Heiligabend in Olpe gar nicht der Fall: Vor einer Gaststätte an der Kölner Straße waren Türsteher und Gäste aneinandergeraten, und das so heftig, dass die Polizei einschreiten musste. Vier Beamte kümmerten sich um den Streit und hatten die Lage beruhigt, als ein Betrachter der Situation anfing, sich immer wieder ins Geschehen einzumischen. Am Dienstag hatte er sich wegen der Folgen seines Tuns vor dem Jugendrichter des Olper Amtsgerichts zu verantworten: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchte Körperverletzung und ein Verstoß gegen das Waffengesetz hießen die Anklagepunkte gegen den 22-Jährigen.

Junger Mann schubst Polizistin

Seinerzeit hatte der junge Mann es nicht beim Einmischen belassen: Als eine Polizeibeamtin ihn nach mehrfacher Ermahnung und mehreren Aufforderungen, die Örtlichkeit zu verlassen, mit der Hand zurückgeschoben hatte, hatte der Mann mit einem heftigen Schubser reagiert, worauf ein Kollege der Frau sich eingeschaltet hatte. Als der junge Mann mit erhobenen Fäusten auf den Polizisten losgegangen war, brachte dieser ihn, so umschreiben es die Ordnungshüter „mit einfacher körperlicher Gewalt zu Boden“, um ihn zu fesseln und in Gewahrsam zu nehmen. Doch wehrte der junge Mann sich so heftig, dass schließlich alle vier Polizisten auf ihm knieten, bis sie ihm Handfesseln angelegt und ihn beruhigt hatten. Ein Tritt traf dabei einen der Beamten am Bein.

Butterfly-Messer in der Hosentasche

Bei der Durchsuchung fand sich zu allem Überfluss ein sogenanntes Butterfly-Messer in seiner Hosentasche. Diese Art Messer, bei dem die beiden Griffhälften im Transportzustand die Klinge umschließen, aber blitzschnell umgelegt werden können, um den scharfen Teil des Messers freizulegen, darf in Deutschland nicht einmal besessen geschweige denn mit sich geführt werden. Allein dafür stehen bis zu drei Jahre Haft.

Der junge Mann zeigte sich vor Gericht reumütig – soweit seine Erinnerung dies zuließ. Er sei so stark betrunken gewesen, dass er sich an fast nichts erinnere, ließ er über seinen Verteidiger, Marcel Tomczak, erklären und sagte schließlich auch selbst etwas zum Geschehen. Glühwein, Bier, „sehr, sehr viele Schäpse“ und Cocktails habe er intus gehabt. „Ich hatte wirklich sehr viel getrunken.“ Er könne sich lediglich daran erinnern, das besagte Messer beim Ziehen einer Schachtel Zigaretten auf dem Automaten gefunden und an sich genommen zu haben, damit niemand damit Unsinn anstelle. Als er die Polizisten gesehen habe, sei er auf sie zugegangen, um ihnen das Messer zu übergeben.

Polizisten beschreiben den jungen Mann als aggressiv

Doch die drei der vier Polizisten, die am Dienstag im Gericht als Zeugen geladen waren, wussten nichts von diesen Versuchen. Sie beschrieben den jungen Mann übereinstimmend als aggressiv und penetrant, seine Versuche der Einmischung hätten an besagtem Abend fast dazu geführt, dass die gerade beruhigte Situation wieder hochgekocht wäre.

Oberamtsanwalt Benjamin Schneider forderte eine Haftstrafe von zehn Monaten, die für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Zudem solle er 600 Euro als Geldbuße zahlen und sechs Sitzungen bei der Suchtberatung absolvieren, um sein Alkoholproblem in den Griff zu bekommen. Verteidiger Tomczak bat um eine mildere Strafe, ohne konkrete Zahlen zu nennen, denn der Promillewert könne durchaus noch höher als die gemessenen 1,95 gelegen haben, weil nicht genau festgehalten worden sei, wann nach dem Vorfall sein Mandant den Atemalkoholtest absolviert habe, und mit so einem Wert könne das Steuerungsvermögen durchaus eingeschränkt sein.

Angeklagter mit guter Prognose für die Zukunft

Vorsitzender Richter Richard Sondermann folgte in seinem Urteil dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft, und die Tatsache, dass der Angeklagte während der Tat wegen einer einschlägigen Vorstrafe unter laufender Bewährung stand, wurde nur deshalb nicht deutlich strafverschärfend gewertet, weil sowohl Jugendgerichts- als auch Bewährungshilfe dem jungen Mann Bestnoten für sein Verhalten und gute Zukunftsprognosen mitgegeben hatten. Er hält alle Termine und Verabredungen ein und hat sich nach einem Unfall, der ihn seine Arbeitsstelle kostete, selbsttätig um eine Ausbildungsstelle bemüht, in der er Aussichten hat, nach erfolgreicher Prüfung übernommen zu werden. Auch hat er sich bei den Polizeibeamten entschuldigt und selbstständig Kontakt zur Caritas-Suchtberatung aufgenommen.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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