Lennestadt: Zehn Mitglieder einer Familie infiziert
Quarantäne für alle 14 statt zehn Tage

Das Impfzentrum des Kreises läuft nun auf zwei von vier Impfstraßen im Vollbetrieb.

win Olpe. Genaue Informationen zum Pandemie-Geschehen im Kreis Olpe werden bei den turnusmäßigen Sitzungen des Arbeitskreises Gesundheit/Corona öffentlich gemacht. Am Donnerstag tagte das Gremium erneut, und die Mitglieder der vom Kreistag entsandten Vertreter erfuhren im Kreishaus viel Neues.

Zehn Familienmitglieder infiziert

So teilte Fachbereichsleiter Michael Färber mit, dass im Kreis weiter ein „diffuses Infektionsgeschehen“ vorherrsche, es also derzeit keine spezifischen Schwerpunkte gebe. Ein größerer Fall allerdings sei in einer Lennestädter Familie aufgetreten, wo zehn Mitglieder infiziert seien, eines davon mit der südafrikanischen Variante des Coronavirus. Hinzu komme eine Quarantänebrecher-Situation: Ein Mitglied der Familie, bei dem noch nicht feststeht, ob infiziert oder nicht, wurde beim Spaziergang im Wald ertappt und zeigte sich nicht einsichtig. „Die Stadt ist damit befasst“, so Färber. Der Kreis appelliere stets an die Eigenverantwortung der Menschen, „aber es gibt immer einige, die es nicht ernst nehmen“.

25 Prozent britische Virusvariante

89-mal sei inzwischen die britische Variante des Virus im Kreis festgestellt worden, erstmals am 8. Februar, „inzwischen kommen wir auf etwa 25 Prozent der Fälle“, so Michael Färber. In anderen Regionen sei der Anteil schon stärker, aber auch im Kreis Olpe wachse diese Zahl. Vor diesem Hintergrund habe das Robert-Koch-Institut empfohlen, die Quarantäne bei diesen Indexfällen von zehn auf 14 Tage zu verlängern. Der Kreis geht nun über die Vorgaben des Landes hinaus: „Wir haben entschieden, ab sofort alle Quarantänefälle auf 14 Tage festzusetzen.“
Eine entspannte Situation sei inzwischen in den Krankenhäusern zu vermelden, noch besser: In den stationären Pflegeeinrichtungen im Kreisgebiet gebe es derzeit keinen einzigen Fall, „und das führen wir auf die Impfungen zurück“.

Ein Test pro Person pro Woche

Viel Arbeit stehe nun bevor, was das Thema Testungen angeht. „Die neue Testverordnung des Bundes soll ab Montag in Kraft gesetzt werden“, so Färber. Für jeden sei ein Test pro Woche vorgesehen, wie er unmittelbar vor bei einer Telefonkonferenz zwischen dem Landesgesundheitsministerium und den Kreisen und kreisfreien Städten erfahren habe. „Noch vieles ist unklar, aber Testungen sollen wohl auch durch Dritte durchgeführt werden können.“ Der Kreis werde also wohl lediglich als Koordinator auftreten, mit den Testungen könne beispielsweise auf das Rote Kreuz oder Ärzte zurückgegriffen werden, „die ja auch verstärkt in den Bereich Impfungen eingebunden werden“.
Das Ministerium habe auch mit den Apothekerkammern gesprochen, mindestens ein Drittel der Apotheken sei bereit, auch Testungen durchzuführen. Im Raum stünden Kosten von 18 Euro, davon 6 für das Testkit und 12 für die Durchführung, die erstattet werden sollen. „Das zu regeln wird unsere Aufgabe der nächsten Tage“, erklärte Michael Färber. Das Testangebot solle am Montag offiziell starten, werde sich dann aber erst mal aufbauen.

Mehr Tests, mehr Corona-Fälle

Noch viel mehr an Unklarheit herrsche bei der Frage der Selbsttests, die bereits hier und da angeboten würden. Beispielsweise gelte es zu regeln, was der oder die Einzelne tun müsse, wenn der Test positiv ausfällt. Dass die angekündigten Tests definitiv eine Steigerung der Inzidenzzahlen bedeuteten, gelte bedacht zu werden. „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass die Massentests auch erfasst werden“, so Färber. Derzeit gebe es bei Schnelltests rund 2 Prozent Positivfälle. „Da muss klar sein, dass die dadurch steigende Inzidenz an den Testungen und nicht an anderen Ursachen liegt.“
Landrat Theo Melcher fasste das einfache Prinzip zusammen: „Je mehr getestet wird, desto mehr Fälle.“ Einmal in der Woche zu testen sei allerdings praktisch „nichts“. „Und so wenig, wie ein negativer Schwangerschaftstest vor Schwangerschaft schützt, so wenig schützt ein negativer Corona-Test vor Corona. Das wird die große Aufgabe der öffentlichen Hand sein, dass die Regeln eingehalten werden. Ich habe die große Sorge, dass durch die relativ wenigen Tests eine falsche Sicherheit erzeugt wird und das Ganze für das Gegenteil des Gewünschten sorgt.“
Eine echte Lockerung, eine reelle Öffnung werde es vor Sommer nicht geben. Ebenfalls noch zu klären: der Ablauf von Testungen an Schulen und Kindertagesstätten.

Dritter Impfstoff: Ab sofort wird auch das Vakzin von Moderna gespritzt win Olpe/Attendorn. Über die aktuelle Situation im Impfzentrum des Kreises in Attendorn informierte dessen organisatorischer Leiter, Andreas Sprenger. Seit Montag seien nun zwei der vier Impfstraßen bis 20 Uhr in Betrieb, ab der nächsten Woche würden beide laufenden Impfstraßen in werktäglichen Vollbetrieb von 8 bis 20 Uhr gehen. „Wir haben eine Taktung von maximal 20 Impflingen pro Stunde und Straße. Der Durchschnitt laut Kassenärztlicher Vereinigung liegt bei zwölf. Wir sind da also sehr gut aufgestellt“, so Sprenger. Nach aktuellem Stand wurden im Kreis Olpe im Impfzentrum sowie von den mobilen Teams und in den Krankenhäusern insgesamt 8415 Erst- und 4592 Zweitimpfungen verabreicht. Das entspreche bei den Erstimpfungen einer Quote von 6,3 Prozent der Kreisbevölkerung. Nach den Impfstoffen von Biontech und AstraZeneca seien gerade die ersten Impfungen mit dem Vakzin von Moderna erfolgt, der für besondere Zielgruppen in Einrichtungen reserviert sei. Das Mittel, das anders als der Biontech-Impfstoff relativ leicht zu transportieren ist, sei für Bewohner reserviert, das Personal werde vorwiegend mit dem Vakzin von AstraZeneca geimpft. Landrat Melcher ergänzte, er habe den Eindruck, „viele glauben, der Engpass ist das Impfpersonal und dass das mit dem Impfen beim Hausarzt beendet ist. Aber der Mangel ist der Impfstoff.“ Wenn mehr davon zur Verfügung stünde, „könnten wir die dritte und vierte Impfstraße aufmachen.“ Auch Sprenger schränkte die Hoffnungen ein: „Es macht letztlich nur Sinn, wenn die Impfstoffmenge erhöht wird, denn das, was die Hausärzte demnächst verimpfen, steht den Impfzentren nicht zur Verfügung.“ Klar sei es ein Vorteil, dass dann vielen der Zugang zur Impfung leichter gemacht werde. Die Impfquote werde aber dadurch nicht steigen. /details>
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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