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Albert Hasenau tritt heute seinen letzten Dienst an
„Revolutionäre Zeiten erlebt“

Albert Hasenau (l.) betritt heute zum letzten Mal sein Büro an der Mühlenstraße in Olpe. Sein Nachfolger als Geschäftsführer des Katholischen Sozialdienstes im Kreis Olpe ist Daniel Schulte (r.).  Foto: hobö
  • Albert Hasenau (l.) betritt heute zum letzten Mal sein Büro an der Mühlenstraße in Olpe. Sein Nachfolger als Geschäftsführer des Katholischen Sozialdienstes im Kreis Olpe ist Daniel Schulte (r.). Foto: hobö
  • hochgeladen von Holger Böhler (Redakteur)

hobö Olpe. Wer ihn nicht braucht, kennt ihn womöglich gar nicht – wer ihn benötigt, für den ist er ein Segen: der Katholische Sozialdienst (KSD) Kreis Olpe. Gemäß des 1992 in Kraft getretenen Betreuungsrechts kann volljährigen Menschen, die infolge eines Unfalls, von Krankheit oder Alter nicht mehr in der Lage sind, ihre Angelegenheiten selbstverantwortlich zu regeln, ein gesetzlicher Betreuer zur Seite gestellt werden. Und genau in diesem Feld ist der KSD tätig. Seit seiner Gründung im Jahr 2006 leitet Albert Hasenau als hauptamtlicher Geschäftsführer die Geschicke des Vereins maßgeblich. Ab morgen muss es heißen: leitete. Denn der 65-jährige gebürtige Attendorner tritt heute seine letzte „Schicht“ an, ab morgen befindet er sich im Ruhestand.

hobö Olpe. Wer ihn nicht braucht, kennt ihn womöglich gar nicht – wer ihn benötigt, für den ist er ein Segen: der Katholische Sozialdienst (KSD) Kreis Olpe. Gemäß des 1992 in Kraft getretenen Betreuungsrechts kann volljährigen Menschen, die infolge eines Unfalls, von Krankheit oder Alter nicht mehr in der Lage sind, ihre Angelegenheiten selbstverantwortlich zu regeln, ein gesetzlicher Betreuer zur Seite gestellt werden. Und genau in diesem Feld ist der KSD tätig. Seit seiner Gründung im Jahr 2006 leitet Albert Hasenau als hauptamtlicher Geschäftsführer die Geschicke des Vereins maßgeblich. Ab morgen muss es heißen: leitete. Denn der 65-jährige gebürtige Attendorner tritt heute seine letzte „Schicht“ an, ab morgen befindet er sich im Ruhestand. Die SZ unterhielt sich mit ihm über den KSD, den persönlichen Werdegang mitsamt der mannigfaltigen Erfahrungen und stellt sogleich den neuen KSD-Geschäftsführer vor: Daniel Schulte aus Halbhusten.

„Junger, zorniger Sozialarbeiter“

Er sei ein „junger, zorniger Sozialarbeiter“, hatte ihm einst ein Vorgesetzter ans Revers geheftet, erinnert sich Albert Hasenau. Was als deutliche Kritik gemeint war, wertete der künftige Rentner seinerzeit aber insgeheim als Lob. Er sei halt engagiert gewesen und habe erst erkennen müssen, dass vieles nicht auf einmal, sondern in kleinen Schritten zu verändern sei. Und es hat sich viel verändert. „Ich habe revolutionäre Zeiten in meinem Beruf erlebt“, freut sich Hasenau. Er absolvierte nach seinem Abitur ein Studium an der Fachhochschule Sozialarbeit in Münster und schloss dieses als Diplom-Sozialarbeiter ab.

Seine erste Stelle trat er 1981 beim Sozialdienst katholischer Männer (SKM) in Olpe an. Und hier blieb er bis heute angestellt, denn der SKM ist neben dem Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) einer der beiden Trägervereine des Katholischen Sozialdienstes Olpe. Als Fachverbände gehören SKM und SKF dem Caritasverband an und sind eigenständige Vereine im Sinne des Vereinsrechts. „Ich empfinde es als Privileg, in einem Beruf gearbeitet zu haben, der mir immer Spaß gemacht hat, und für einen Träger tätig gewesen zu sein, dem ein Menschenbild zugrunde liegt, das ich teile“, blickt Hasenau zurück. Denn gemäß seiner Leitsätze möchte der KSD „ein zuverlässiger, kompetenter, dem christlichen Menschenbild verpflichteter Ansprechpartner für alle Menschen sein, denen wir mit unseren Kompetenzen helfen können, unabhängig von deren Konfession, Herkunft, Nationalität oder sexueller Orientierung“.

Nachdem er zuvor als Sozialarbeiter tätig war, nahm er 2006 das Angebot, hauptamtlicher Geschäftsführer des neugegründeten KSD zu werden, mit Demut vor dieser „großen Herausforderung“ an. „Als Leitung prägt man den ganzen Laden – man muss sich immer hinterfragen. Die Haltung den Menschen gegenüber ist daher ein ständiges Thema bei uns.“ Neben den administrativen Aufgaben eines Geschäftsführers erfüllte Hasenau bis heute aber auch die des Sozialarbeiters. Die Betreuung eines Bürgers aus dem Kreis Olpe obliege ihm bereits seit seinem ersten Arbeitstag, und die nehme er mit in Rente. „Die erfülle ich weiter, das habe ich versprochen“, so Hasenau. Viele Menschen betreue der KSD bis zu deren Tod. Jeder hauptamtliche KSD-Betreuer hat im Schnitt etwa 45 Betreuungsfälle. Das jeweilige Stundenkontingent orientiert sich nach den Lebensumständen des „Kunden“. Es gibt auch eine große Zahl ehrenamtlicher Betreuer wie Familienangehörige. Auch ihnen bietet der KSD Beratung, Fortbildung, Information und Gesprächskreise an. Das Leben, so Hasenau, sei schwieriger geworden, daher habe sich das Verhältnis von ehrenamtlichen zu hauptamtlichen Betreuern von dereinst 80:20 auf nunmehr 55:45 geändert.

Der 65-Jährige wertet es als „enormen gesellschaftlichen Fortschritt“, dass viele Menschen, die auf Betreuung angewiesen seien, diese auch nun erhielten. „Früher wurden die von der Gesellschaft oft vergessen oder beiseite geschoben.“ Die Psychiatriereform und das Betreuungsrecht hätten sehr viel zum Positiven verändert.

Er habe ein spannendes Berufsleben gehabt, blickt Albert Hasenau sehr zufrieden zurück. Vielen Menschen habe er helfen können und einhergehend die Entwicklung vom Wählscheibentelefon zu einem „hochtechnisch vernetzten Betrieb“ begleiten und prägen dürfen. In der Betreuung sehe man das Ergebnis seiner Arbeit nicht auf Anhieb, „aber wir hinterlassen bei jedem eine Spur“. Er sei im Übrigen sehr glücklich über die Nachfolgeregelung im KSD. Mit Daniel Schulte, der ihn bislang in der Geschäftsführung vertreten habe (vergl. gesonderten Bericht), arbeite er seit 19 Jahren zusammen und schätze ihn sehr.

Erstmal "Pause"

Auf die Frage „Was kommt jetzt?“ antwortet Hasenau: „Pause!“ Er habe Anfragen für ehrenamtliches Engagement, „aber ich will erstmal sehen, wie alles auf mich wirkt“. Bekanntlich war der 65-Jährige von 2012 bis 2018 Vorsitzender des SV 04 Attendorn und hat sich in dieser Funktion hohe Anerkennung erworben. Leider könne er einige Pläne wegen Corona nicht verwirklichen. Seinen in England lebenden Sohn habe er seit Weihnachten nicht gesehen, eine Reise dorthin sei aber derzeit schwierig. Ebenso wie in das geliebte Skandinavien. Aber die weiteren Hobbys wie Motorrad, E-Bike, Angeln und Lesen böten viele Möglichkeiten, die neugewonnene Freizeit zu nutzen. „Ich bin erstmal planlos. Ich stelle mir aber auf jeden Fall immer den Wecker – nur zu welcher Zeit, das weiß ich noch nicht.“ Eigentlich sei ein größerer Abschied geplant gewesen, der aber wegen der Pandemie abgesagt worden sei. Mit den Vorständen von SKM und SKF sowie Mitarbeitervertretern habe es aber eine Verabschiedung gegeben, die sehr schön gewesen sei.

Nach dem Feierabend heute und somit nach seiner letzten „Schicht“ trifft sich Hasenau mit Peter Höffer in Attendorn, der mit ihm eingeschult wurde und ebenfalls heute seinen letzten Arbeitstag hat. „Dann trinken wir ein Bier.“ Dabei dürfte der sprichwörtliche englische Humor von Albert Hasenau nicht zu kurz kommen.

Daniel Schulte der neue Geschäftsführer

Daniel Schulte, gebürtig aus Altenkleusheim und wohnhaft in Halbhusten, ist mit Wirkung zum 1. August der neue hauptamtliche Geschäftsführer des Katholischen Sozialdienstes Olpe. Er ist 42 Jahre alt und verheirateter Vater von zwei Kindern. Er studierte soziale Arbeit in Siegen und ist ebenfalls Diplom-Sozialarbeiter. Nach einem Anerkennungsjahr in der Caritas-Suchtberatung Olpe wechselte er vor 19 Jahren zum heutigen KSD. Seine Arbeitsschwerpunkte waren zuerst die rechtliche Betreuung, die Suchtberatung und die allgemeine soziale Beratung.
Seit 2011 betreut er die Erwerbslosen-Beratungsstelle, und nach einer zweijährigen Zusatzausbildung arbeitet er ferner als Jungen- und Männer-Gewalt-Berater. Seit 2006 agierte er bereits als stellv. KSD-Geschäftsführer. Die künftige Geschäftsführung betreut Daniel Schulte mit einer halben Stelle, zusätzlich führt er die Männerberatung fort. So sieht er eine Aufgabe darin, sich für ein Männerhaus in der Region stark zu machen. In 20 Prozent der Fälle häuslicher Gewalt seien Männer die Opfer. „Das ist noch immer ein Tabuthema“, so Schulte. Ehrenamtlich ist der 42-Jährige als Vorsitzender des Theatervereins Iseringhausen aktiv.

Verschiedene KSD-Angebote

Der KSD Olpe bietet unter seinem Dach die rechtliche Betreuung (Unterstützung in wichtigen Angelegenheiten des Lebens), den Pflegekinderdienst „Viento“ (Vollzeit-, Kurzzeit- und Bereitschaftpflege), die Erwerbslosenberatung (für Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen), Schwangerenberatung (Hilfe bei Schwangerschaft und Geburt), das Programm „Hartherzig“ (Anti-Aggressivitäts-Training) und das Beratungsangebot „Echte Männer reden“ (von Männern für Jungen und Männer) an.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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