Hofladen gefragt wie nie / Auch Direktvermarkter spürt verändertes Kaufverhalten
Rückbesinnung auf Regionalität

Katharina Gerlach in dem Laden der Familie auf Hof Siele. Seit Beginn der Krise ist der Kundenansturm groß. Vor Ostern waren sogar die Eier ausverkauft.  Fotos: yve
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  • Katharina Gerlach in dem Laden der Familie auf Hof Siele. Seit Beginn der Krise ist der Kundenansturm groß. Vor Ostern waren sogar die Eier ausverkauft. Fotos: yve
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yve  „Es war unglaublich“, beschreibt Katharina Gerlach den Ansturm auf ihren Hofladen in der Karwoche. Natürlich sei vor Ostern immer viel auf dem Bauerngut los, das idyllisch zwischen Olpe und der Ortschaft Griesemert liegt. Aber diese Situation sei neu gewesen. Die Nachfrage – insbesondere nach Eiern – war so groß, dass die freilaufenden und die Hühner im Stall nicht mehr mit dem Legen nachkamen.

Katharina Gerlach, die mit ihrem Mann Christoph und ihren Schwiegereltern Elisabeth und Christoph den Hof Siele betreibt, sieht das mitunter darin bedingt, dass eine größerer Anzahl Menschen aus Olpe und Umgebung große Supermärkte meiden und vermehrt auf kontaktärmeren Einkauf setzen. In dem im Jahr 2015 eröffneten Hofladen gibt es keinen Zwang, die Griffe an Einkaufskörben anfassen zu müssen, aber dafür viele Güter, die ausschließlich von den Hofbetreibern angefasst werden. Nur Schlangestehen müssen die Kunden natürlich jetzt auch bei Gerlachs, ebenso die Abstandsregeln beachten.

Der gestiegene Absatz seit Beginn der Corona-Krise sei jedenfalls deutlich spürbar, so die 37-Jährige. Sie bemerke, dass sich aufgrund von Covid-19 ein anderes Gesundheitsbewusstsein eingeschlichen habe. „Viele möchten sich in dieser Zeit einfach bewusster ernähren und wissen, wo die Lebensmittel herkommen.“ Eine verstärkte Nachfrage sei auch während des Eierskandals zu verzeichnen gewesen.

Hauptsächlich betreiben die Gerlachs Milchviehhaltung auf dem Hof, der ursprünglich als Poststation diente – im Jahr 1844 erbaut. Pferde, die hier früher von Reitern gewechselt wurden, gibt es nicht mehr. Stattdessen zwei große Boxenlaufställe, einen für Rinder und einen für Kühe. Die frische Milch ist derzeit gefragt wie nie. 24 Stunden am Tag kann sie gekauft werden. Dafür steht ein Automat vor dem Laden. Auch Eier sind rund um die Uhr erhältlich, sie liegen in einem Schrank. Das Geld legen die Kunden einfach in eine Schublade. Mittwochs reist der Hof sozusagen in die Stadt, wo auf dem Kurkölner Platz in Olpe die Produkte aus dem Wagen erworben werden können.

Aber es sind nicht nur Milch und Eier, die auf Hof Siele verkauft werden. In den Regalen stehen Gläser mit selbstgemachter Marmelade sowie Weine, Kartoffeln oder saisonale Produkte. Käse gibt es in vielfachen Varianten obendrein. Reißenden Absatz findet derzeit das Grillfleisch. Das stammt von Schweinen, die vor der Schlachtung auf dem Hof gehalten wurden. In der Weihnachtszeit gibt es Fleisch von freilaufenden Gänsen und Enten. Immer im Angebot ist Suppenhuhn und Hähnchen. Und von allem geht nun mehr über die Ladentheke.

Für Verschnaufpausen bleibe da nur wenig Zeit, erzählt Katharina Gerlach. „Ehrlich gesagt, ich bin froh, dass die Kommunion in diesem Monat ausgefallen ist.“ Obwohl ihre Tochter Karla schon traurig gewesen sei. „Doch sie ist vernünftig und nimmt das jetzt so hin.“ Schließlich könnten sich ihre Kinder glücklich schätzen, auf dem Land und dazu noch auf einem Bauernhof zu leben. Langweilig wird es hier nicht.“ Und schon gar nicht, wenn Frieda, Franz und Karla ihre Mutter nun häufiger „Der nächste bitte“ sagen hören. Denn die kleine Einkaufsmöglichkeit auf dem Bauernhof wird momentan einfach mehr geschätzt.

Seit Ausbruch der Corona-Krise verspürt auch Bernd Eichert, der Biofleisch als Direktvermarkter im Nebenerwerb betreibt, eine Veränderung. „Ich habe das Gefühl, dass die hiesige Landwirtschaft nun mehr unterstützt wird.“ Gegenwärtig bemerkt der 46-Jährige ein gesteigertes Interesse der Verbraucher an Fleisch, das nicht importiert wird. Kollegen aus dem Biokreis ergehe es ähnlich. Generell sei dieses Verhalten in Krisen spürbar. Der große Bedarf flache womöglich wieder etwas ab. Aber in der Gesamtheit gesehen steigere sich der Nachhaltigkeitgedanke „peu à peu“. „Damit bin ich mehr als zufrieden“, so Eichert. „Die Menschen müssen ja auch erstmal davon überzeugt werden, dass wir das richtig machen“.

Transparenz sei aktuell bedeutsam. „Und die gibt es bei mir. Jeder, der möchte, kann in meinen Stall kommen oder sich auf meiner Facebook-Seite über den laufenden Betrieb informieren.“ Ferner stellte er fest, dass die Konzentration auf das Wesentliche ein stückweit zurückgekehrt sei. „Die Gedanken kreisen nicht mehr nur darum, wo die nächste Reise hinführt oder wann das neueste Handy endlich erhältlich ist.“

Sein Biofleisch liefert Eichert in Paketen aus, nach Absprache kann es auch von seinem Hof in dem von landwirtschaftlichen Betrieben geprägten Ort Bebbingen abgeholt werden. „Die gehen weg wie warme Semmel.“ Der Direktvermarkter wirbt bewusst auch für die heimische Viehzucht sowie den Landbau und beteiligt sich an Bauernprotesten. In der neuen Rückbesinnung auf starke Regionalität sieht er nun einen gewissen Prestigegewinn der Landwirtschaft.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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