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Borkenkäfer sorgt für Umdenken nach Großbrand
Sägewerks-Ruine weicht Holzfabrik

Aus der Vogelperspektive wird deutlich, welche Dimensionen die neue Werkshalle hat, die gerade am Standort des ehemaligen Sägewerks entsteht.
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  • Aus der Vogelperspektive wird deutlich, welche Dimensionen die neue Werkshalle hat, die gerade am Standort des ehemaligen Sägewerks entsteht.
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  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

win Neuenkleusheim. Es war die Nacht zum 15. Mai vergangenen Jahres, die für die Firma Schrage in Neuenkleusheim alles, aber wirklich alles änderte. Ein technischer Defekt hatte einen Brand ausgelöst, der in dem Sägewerk Nahrung fand. Reichlich Nahrung. Harzgetränktes, trockenes Holz – es brannte wie Zunder. Und in kurzer Zeit hatte das komplette Sägewerk in hellen Flammen gestanden. Die Olper Feuerwehr hatte mit Unterstützung aller Wehren aus dem gesamten Kreis alles getan, um ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Gebäude zu verhindern – für das Sägewerk blieb nur, es abbrennen zu lassen.

win Neuenkleusheim. Es war die Nacht zum 15. Mai vergangenen Jahres, die für die Firma Schrage in Neuenkleusheim alles, aber wirklich alles änderte. Ein technischer Defekt hatte einen Brand ausgelöst, der in dem Sägewerk Nahrung fand. Reichlich Nahrung. Harzgetränktes, trockenes Holz – es brannte wie Zunder. Und in kurzer Zeit hatte das komplette Sägewerk in hellen Flammen gestanden. Die Olper Feuerwehr hatte mit Unterstützung aller Wehren aus dem gesamten Kreis alles getan, um ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Gebäude zu verhindern – für das Sägewerk blieb nur, es abbrennen zu lassen.

Sägewerk lag in Schutt und Asche

In den Tagen und Wochen danach – die letzte Glut war gelöscht, der Brandschutt entsorgt, das Ausmaß des Schadens wurde sichtbar, und für Stefan und Michael Schrage wurde klar: Das Sägewerk, so wie es 2005 in modernster Form umgebaut worden war, gab es nicht mehr. Der Rote Hahn hatte das Herzstück des Familienunternehmens komplett zerstört, sprichwörtlich in Schutt und Asche gelegt. Als der erste Schock überwunden war – einhergehend mit der Freude darüber, dass trotz des Infernos niemandem körperlicher Schaden entstanden war – , zerbrachen sich die Schrages den Kopf, wie es nun weitergehen konnte. Teile des Betriebs waren unversehrt – der Lage im Tal des Kleusheimer Bachs geschuldet, ist das Unternehmen weit auseinandergezogen, und sowohl die Holztrocknung als auch die Hobelanlage konnten weiterbetrieben werden.

Dann kam der Borkenkäfer ins Spiel ...

Für das eigentliche Sägewerk aber gab es nur eine Lösung: kompletter Neubau. „Wir haben nicht nur eine Nacht darüber geschlafen“, so Stefan Schrage, dessen älterer Bruder Rolf zwar offiziell aus der Geschäftsführung ausgeschieden ist, aber bei wichtigen Entscheidungen immer noch miteinbezogen wird. Und hier kam ein Tier ins Spiel: der Borkenkäfer. Dieser Schädling sorgt derzeit dafür, dass Sägewerke wie das der Schrages vor Arbeit nicht wissen, wohin. Denn der Einschlag mehrerer Jahre fällt derzeit praktisch wöchentlich an; große Teile der heimischen Fichtenwälder werden komplett gefällt, weil Buchdrucker und Kupferstecher die Bäume getötet haben. Das Holz indes ist vollkommen intakt, wenn es denn schnell genug verarbeitet wird, und somit sind die Lagerplätze der Sägewerker voll. Doch genau das machte den Schrages Gedanken. Denn: Was wird sein, wenn das Käferholz in naher Zukunft abgeholzt und verarbeitet ist? Woher soll ein pfuschneues Sägewerk dann das Material bekommen, damit es Holz vor die Sägeblätter bekommt?

Vom Säger zum Verarbeiter

Und die Schrages fällten einen schwierigen Entschluss: Sie würden ihr komplettes Arbeitsfeld verändern. Vom Säger zum Verarbeiter. Und so entsteht dort, wo bis zum Brand Sägewerk und Rundholzplatz mit Entrindungsanlage standen, derzeit eine gigantische Halle. 38 mal 100 Meter groß wird das Bauwerk sein, und es wird Anlagen enthalten, in denen das verarbeitet wird, was Schrage bis zum 14. Mai 2020 selbst hergestellt hat.
Menschen vom Bau sprechen kurz von „KVH“, wenn sie Konstruktionsvollholz meinen, und das ist das, was künftig im Kleusheimer Tal produziert wird. Schnittholz, das von anderen Sägewerken zugekauft wird, wird demnächst von Schrage veredelt: Dicke Äste und andere Fehlstellen werden aus dem Holz herausgetrennt, mittels Keilzinkung können verschiedene Hölzer verbunden werden. Dickere Balken werden aus zwei oder drei Schichten zusammengeleimt, dadurch entsteht ein Produkt, das beispielsweise keine Schwindrisse mehr aufweist und formstabiler als klassisches Bauholz ist.

Das Ende einer Tradition

Stefan Schrage sieht seine Firma ideal für diese Umstellung gerüstet, denn durch eigene Hobel- und Trocknungsanlage kann das Unternehmen bei Sägewerken auch ungetrocknetes und sägeraues Holz kaufen und selbst für die Weiterverarbeitung aufarbeiten. „Ohne den Käfer“, so Schrage, „hätten wir ganz anders nachgedacht. Dann wäre es vielleicht wieder ein Sägewerk geworden.“ Denn bei aller Vorfreude auf das Neue schwingt auch Wehmut mit, weil eine Tradition endet. 1945 wurde das Sägewerk Schrage gegründet, zunächst nur für den Bedarf der eigenen Zimmerei. 1965 gingen die Gründer getrennte Wege: Der eine gründete in Olpe ein Fertighausunternehmen, der andere konzentrierte sich aufs Sägewerk, das immer weiter wuchs. 1967 übernahm Rolf Schrage, 1974 kam sein Bruder Stefan dazu. Der Generationswechsel ist fließend, 2006 ist Rolf Schrages Sohn Michael mit in der Geschäftsführung.

Investitionen in Höhe von 8 Millionen Euro

8 Millionen Euro Investitionen werden gerade gestemmt, die Halle wächst sichtbar, und das süddeutsche Unternehmen, das die Produktionsanlagen liefert, steht in den Startlöchern. Wenn das Wetter mitspielt, könnte im Juni das erste Konstruktionsvollholz der Marke Schrage die neue Werkshalle verlassen.
Worte des Dankes richten die Schrages an Bürgermeister Peter Weber und die komplette Stadtverwaltung, denn diese habe wirklich alles getan, um ihnen beim Neuaufbau zu helfen. Genehmigungen seien schnell und unbürokratisch erledigt worden, sodass es für die Firma so schnell weitergehen kann.

Aus der Vogelperspektive wird deutlich, welche Dimensionen die neue Werkshalle hat, die gerade am Standort des ehemaligen Sägewerks entsteht.
Das Grundstück am Tag nach dem Großbrand – noch ist die Feuerwehr im Einsatz, um letzte Glutnester abzulöschen.
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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