Schauerte stellte sich IG-Metallern

Betriebsratsvorsitzende aus dem gesamten Kreis Olpe diskutierten mit CDU-Abgeordnetem

win Olpe. Das Olper Kolpinghaus ist üblicherweise ein Ort der Harmonie, des Feierns und der Freude. Doch am Donnerstagabend war der Große Saal kurzfristig so etwas wie die »Höhle des Löwen«. Rund 20 der IG Metall angeschlossene Betriebsratsvorsitzende aus dem gesamten Kreis Olpe hatten sich mit ihrem 1. Bevollmächtigten, Georg Keppeler, und Gewerkschaftssekretär Peter Thesing zusammengesetzt, um dem heimischen Bundestagsabgeordneten Hartmut Schauerte (CDU) auf den Zahn zu fühlen. Schauerte, als erklärter Mittelstands-Politiker nicht gerade als Freund der Gewerkschaften bekannt, sollte sich zu den CDU-Forderungen nach einer Lockerung des Kündigungsschutzes äußern.

Die Podiumsdiskussion begann mit einer deftigen Verspätung: Fast eine halbe Stunde nach dem verabredeten Zeitpunkt kam der Bundestagsabgeordnete in den Saal. Nachdem er sich verblüfft von Georg Keppeler die korrekte Uhrzeit hatte mitteilen lassen, eröffnete der IG-Metall-Bevollmächtigte die Diskussion. Er kündigte zunächst an, dass am 15. Mai ein vergleichbares Gespräch mit dem Kreuztaler SPD-Bundestagsabgeordneten Willi Brase stattfinden werde, worauf Schauerte unterbrach: »…der aber kein zuständiger Abgeordneter für Sie ist«. Keppeler entgegnete, immerhin sei Brase als Vorsitzender des DGB-Kreises Siegen-Olpe-Wittgenstein durchaus ein kompetenter Ansprechpartner für Arbeitnehmer aus dem Kreis Olpe.

Keppeler, selbst aktives Mitglied der CDU, leitete die Diskussion mit der These ein, dass auch eine 1996 erfolgte Lockerung des Kündigungsschutzes durch die Kohl-Regierung keinerlei Impulse für den Arbeitsmarkt initiiert worden seien. Die anwesenden Gewerkschaftler berichteten aus der Praxis und erklärten unisono, dass die CDU-Forderungen ihrer Meinung in die verkehrte Richtung zielten. Schauerte rechtfertigte die Ideen seiner Partei: »Wir stehen vor umfangreichen Modernisierungs-Anstrengungen, und zwar nicht nur, weil Rot-Grün etwas verkehrt gemacht hat, sondern auch, weil in der Vergangenheit die CDU etwas verkehrt gemacht hat.«

Der Wettbewerbsdruck nehme immer weiter zu, »und wir müssen uns bei allen Reformschritten fragen, ob sie helfen, unser Land zukunftsfähiger zu machen«. Die Arbeitnehmer in Deutschland verdienten netto zu wenig, seien aber brutto zu teuer, »es sind zu viele Kosten auf den Faktor Arbeit verlagert worden«. Die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich sei kontraproduktiv: »Ein Teil unserer Probleme würde gelöst, wenn wir länger arbeiten würden, denn das würde uns wettbewerbsfähiger machen.« Allerdings habe er eine andere Meinung als sein Bundestagskollege Friedrich Merz, der sich kürzlich entschieden gegen die DGB-Gewerkschaften in Deutschland gewandt und ihnen zu viel Macht bescheinigt hatte. Schauerte erklärte, die Gewerkschaften seien nach wie vor wichtig und unverzichtbar.

Die Gewerkschaftler stellten ihre Sicht der Dinge dar, darunter waren auch Betriebsratsvorsitzende von Unternehmen, die in Zusammenarbeit mit ihren Arbeitgebern unkonventionelle Lösungen zur Verringerung der Arbeitskosten geschaffen haben. Der Betriebsratsvorsitzende einer Kirchhundemer Elektroartikel-Fabrik: »Wenn wir das nicht getan hätten, dann gäbe es uns heute nicht mehr.«–Um moderne, den harten Zeiten entsprechende Lösungen zu finden, müsse aber gar keine Änderung der Gesetzeslage sein: »Die Arbeitgeber müssen nur das nutzen, was heute schon möglich ist«, so der Gewerkschaftler.

Am Ende der Diskussion blieben viele Fragen ungeklärt. Einig waren sich die Beteiligten aber, dass es sinnvoll sei, den direkten Austausch zwischen den Entscheidern in Berlin und den Betroffenen vor Ort zu pflegen. Eine erneute Diskussionsrunde zwischen Betriebsratsvorsitzenden und Hartmut Schauerte wurde gleich beschlossen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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