SZ

22-Jähriger vor Gericht
Schlagringe im Doppelpack bestellt

Ein stählerner Schlagring: Eine solche Waffe ist in Deutschland wie in vielen anderen Ländern verboten. Dennoch können solche Exemplare in China frei erworben und bestellt werden – der Besitz bleibt aber strafbar, was einen 22-jährigen Mann nun 200-mal teurer kommt, als der Kauf ihn gekostet hat.
  • Ein stählerner Schlagring: Eine solche Waffe ist in Deutschland wie in vielen anderen Ländern verboten. Dennoch können solche Exemplare in China frei erworben und bestellt werden – der Besitz bleibt aber strafbar, was einen 22-jährigen Mann nun 200-mal teurer kommt, als der Kauf ihn gekostet hat.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

win Olpe/Attendorn. Einkaufen in China? Noch vor ein paar Jahren schier undenkbar, doch im Zeitalter des Internet sind Artikel aus dem „Reich der Mitte“ mit ein paar Mausklicks im virtuellen Warenkorb und ein paar Wochen später im heimischen Briefkasten. Nicht so beim Einkauf, den ein heute 22-jähriger, in Attendorn lebender Mann Ende 2019 getätigt hatte, denn er hatte keine Bluetooth-Kopfhörer, Speicherkarten, USB-Sticks oder Videozubehör bestellt, sondern Schlagringe.
Und so etwas darf in Deutschland nicht nur nicht benutzt, sondern nicht einmal besessen werden.

win Olpe/Attendorn. Einkaufen in China? Noch vor ein paar Jahren schier undenkbar, doch im Zeitalter des Internet sind Artikel aus dem „Reich der Mitte“ mit ein paar Mausklicks im virtuellen Warenkorb und ein paar Wochen später im heimischen Briefkasten. Nicht so beim Einkauf, den ein heute 22-jähriger, in Attendorn lebender Mann Ende 2019 getätigt hatte, denn er hatte keine Bluetooth-Kopfhörer, Speicherkarten, USB-Sticks oder Videozubehör bestellt, sondern Schlagringe.
Und so etwas darf in Deutschland nicht nur nicht benutzt, sondern nicht einmal besessen werden. Zu groß ist die Gefahr, die von den technisch sehr einfachen, aber effektiven Schlagwaffen ausgeht, die fast unsichtbar getragen werden können und die die Kraft eines Faustschlags auf die vergleichsweise winzige, harte Kontaktfläche an der Oberseite des ringförmigen Griffs konzentrieren und damit zur tödlichen Gefahr werden.

Schlagringe im Doppelpack

Der im Siegerland aufgewachsene junge Mann indes hatte keine Gelegenheit, die chinesischen Schlagringe – er hatte unwissend gleich ein Doppelpack erworben – je auszuprobieren: Im Postzentrum Niederaula stieß der Zoll bei einer Kontrolle auf die verbotenen Waffen und zeigte den jungen Mann an, der sich am Dienstag im Olper Amtsgericht vor Jugendrichter Richard Sondermann für seinen Kauf zu verantworten hatte.

Zoll entdeckt die Ware

Oberamtsanwalt Markus Urner verlas die Anklageschrift und erklärte, der junge Mann sei sich bei der Bestellung im Klaren darüber gewesen, dass er die Schlagringe nicht hätte bestellen dürfen. Dem stimmte der Angeklagte zu. „Ich habe das gemacht und sitze heute hier, um dafür geradezustehen“, so der junge Mann. Er habe Schlagringe immer schon „cool“ gefunden und sei mehr oder weniger zufällig auf der Verkaufsplattform Wish für gerade 1 Euro förmlich über das Angebot gestolpert. Dann habe er bestellt, frei nach dem Motto „Ich schaue mal, ob der Zoll das mitbekommt“. Bekanntlich bekam der Zoll es mit.

22-Jähriger muss Geldbuße zahlen

Die Jugendgerichtshilfe stellte dem jungen Mann Bestnoten aus: Aus durchaus schwierigen Verhältnissen stammend, hat er seine Ausbildung mit Bestnoten abgeschlossen, ist übernommen worden, lebt selbstständig und hat sein Leben im Griff. Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe wie auch das Gericht sahen übereinstimmend, dass bei dem jungen Mann ein Grenzfall vorliege zwischen eigentlich erwachsen, aber hier aus jugendlichem Leichtsinn handelnd. Es sei ein jugendtypischer Verstoß, daher schlug die Jugendgerichtshilfe vor, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße einzustellen.
Gericht und Staatsanwaltschaft teilten diese Einschätzung, sodass der junge Mann nun 200 Euro an die Aktion „Deutschland hilft“ überweist und dann ohne Vorstrafe, aber auch ohne Schlagringe in seine weitere Zukunft starten kann.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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