BIS AUF WEITERES
Schlimmer als Gaffen

SZ-Redakteur Jörg Winkel.
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Die Bilder von der Flutkatastrophe erschüttern. Auch Tage später, auch beim x-ten „ARD extra“. Da stimmt es hoffnungsfroh, dass es Menschen gibt, die angesichts dieser Bilder ihr Werkzeug zusammenpacken und einfach losfahren – helfen, ohne groß zu fragen. Von den ehrenamtlichen Profis von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, DLRG, Maltesern, Johannitern und wie sie alle heißen ganz zu schweigen – dazu hat Kollege -dach- hier alles Nötige gesagt. Und wenn man liest oder hört, wie die Betroffenen ihre Lage schildern, als ihnen buchstäblich das Haus über dem Kopf zusammengefallen oder das Grundstück unter den Füßen davongespült worden ist, wie gepflegte Gärten zu nassen Trümmerfeldern werden, wie Angehörige ihre Verwandten suchen, die sie seit Tagen nicht gesehen oder gesprochen haben, von denen sie das Schlimmste befürchten müssen, dann mag man kaum glauben, dass dieses unfassbare Hochwasser ein neues Hobby hat entstehen lassen: den Katastrophentourismus. Kaum zu glauben, aber es ist so: Da laden manche Menschen ihre Partner, die Kinder, Picknickdecke und Thermoskanne ins Auto und fahren gen Eifel, um mal einen Blick auf die Folgen einer echten Naturkatastrophe zu werfen. Da laufen manche dieser Spezies mit Kameras durch gerade geräumte Straßen und ergötzen sich am authentischen Bild des Elends. Ich mag hier gar nicht schreiben, was ich diesen Leuten gönne. In unserem Beruf haben wir zwangsläufig regelmäßig mit „Blaulichtthemen“ zu tun, ob Verkehrsunfall oder Großbrand, ob Ölsperre oder „Person in Notlage“, wie es die Rettungsleitstelle vermeldet. Und regelmäßig treffen wir dabei auf Gaffer. Das sind die, die dafür sorgen, dass bei einem Autobahnunfall auch auf der Gegenspur ein Stau entsteht. Die, ich habe es gesehen, ihr Kind aus dem fahrenden Auto halten, damit es einen Toten sehen kann. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal sagen würde, dass die nur die Zweitschlimmsten sind. Sie kommen wenigstens zufällig vorbei. Aber sich gezielt ins Auto setzen und Kathastrophen-Sightseeing betreiben, das ist wirklich das Allerletzte. Etwas anderes weiß ich dazu einfach nicht zu sagen. Doch, eins noch: Schämt euch.

j.winkel@siegener-zeitung.de

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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