Schöne Gegenständlichkeit

Klaus Droste, Geschäftsführer des Kunstvereins Olpe, der Künstler Pavel Feinstein und Kunstkritiker und Feinstein-Kenner Gerhard Charles Rump (v. l.) am Sonntag bei der Vernissage im Kreishaus Olpe.  Foto: ne
  • Klaus Droste, Geschäftsführer des Kunstvereins Olpe, der Künstler Pavel Feinstein und Kunstkritiker und Feinstein-Kenner Gerhard Charles Rump (v. l.) am Sonntag bei der Vernissage im Kreishaus Olpe. Foto: ne
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ne Olpe. Gleich vorweg gesagt: Dem Kunstverein Südsauerland ist mit der Präsentation von über hundert Arbeiten des renommierten Berliner Malers Pavel Feinstein wieder eine bemerkenswerte Ausstellung gelungen. In Zeiten, in denen in der Provinz genialische Abstraktionen für modern gehalten werden und mithin für aktuellen Ausdruck der Zeit gelten, lohnt der Blick ins Olper Kreishaus, wo großformatige Arbeiten in Ölmalerei kontrastreich neben kleinen Aquarellstudien oder vielseitige Skizzen in flottem Strich die mannigfaltigen Möglichkeiten intensiver Auseinandersetzung mit zwar klassischer, aber gerade deshalb nie unmoderner Motivkreise und Genres belegen.

Gerhard Charles Rump, Kunstkritiker der „Zeit“ und Feinstein-Kenner, führte in die Bilderwelten des 1960 in Moskau geborenen und seit fast 30 Jahren in Deutschland beheimateten Malers und Zeichners ein, beschrieb Feinsteins Kunst der Malerei als „nicht narrativ, nicht allegorisch, sondern für sich selbst stehend.“ Die Bilder zeigten Wirklichkeiten, wie sie nur die Malerei konstruieren und entwickeln könne, die Szenerien seien „leicht aus dem Rahmen gerückt“ und eben nicht aus fotografischer Perspektive korrekt.

Dass die ausgestellten Arbeiten eindrückliche Persönlichkeiten sind, sie – wie der Maler selbst postulierte – eigene Wesen sind, die sich unvorhersehbar entwickeln, lässt sich erfolgreich überprüfen: Fast erotisch sinnlich stellt Feinstein in intimen Kleinformaten Stillleben mit nur einer einzelnen Frucht dar, Granatäpfel oder Zitrusfrüchte beispielsweise, vielleicht einem antiken Trinkglas zugesellt, um die unterschiedliche Stofflichkeit der Dinge noch effektiver hervorzuheben. Seine Settings mit in seltsame Tücher verpackten Tieren, einmal sind es Hunde, ein anderes Mal tapirähnliche Fabelwesen, muten fast surreal an, das Portrait des Künstlerfreundes Johannes Grützke visualisiert in kongenial und expressiv geführtem Farbauftrag die eigentümliche Persönlichkeit des gefeierten wie umstrittenen Künstlers.

Und Pavel Feinstein kann Portraits mit Seelen versehen, namentlich die seines Sohnes Joseph, den er augenscheinlich im Jahresrhythmus malerisch untersucht und damit die Veränderungen in Physis und Psyche des Knaben für sich, ihn und alle Kunstinteressierte manifestiert.

Wie subtil Feinstein mit Farbe umzugehen versteht, legitimiert tatsächlich Superlative. Komposition und Lichtführung machen selbst so unspektakulär erscheinende Bildaufgaben wie Stillleben spannend, den Akt- oder Tiermotiven verleiht die schnelle, gekonnte Pinselführung Verve. Wie gut gerade die Tiermotive in der Zeichnung vorbereitet sind, belegen vielfältig die ausgestellten Tierstudien. Klaus Droste, Geschäftsführer des kuratierenden Kunstvereins, vergleicht die Zeichnungen mit denen Adolf Menzels, doch scheint ein Vergleich mit Zeichnungen des Tierbildhauers August Gaul naheliegender: Wie Gaul schafft es Feinstein, das Typische der Tiergattung am einzelnen Motiv darzustellen.Betrachtern bleibt die schöne Aufgabe, einzutauchen in „melancholische, unerreichbare Traumbilder und arkadische Landschaften“, wie Rump formuliert. Der Kunstkenner weiß alle, die ein wenig verzweifeln an der Vieldeutigkeit künstlerischer Arbeiten, zu beruhigen: „Bilder bewahren letzte Geheimnisse!“ Ersten Geheimnissen Pavel Feinsteins kann man aber noch bis zum 22. April in Olpe auf die Spur kommen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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