Schonfrist für offene Jugendarbeit

Podiumsdiskussion in der OT / Kreis fängt Kürzungen des Landes zunächst auf

win Olpe. Auf reges Interesse stieß die Podiumsdiskussion, zu der am Freitagabend die Verantwortlichen des Hauses der offenen Tür (OT) im Lorenz-Jaeger-Haus Olpe eingeladen hatten. Zahlreiche Jugendliche sowie Vertreter der Jugendpflege, Lehrkräfte sowie ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendarbeit aus dem gesamten Kreis waren in den Großen Saal des Lorenz-Jaeger-Hauses gekommen, um unter der Überschrift »Jugend braucht Zukunft« über die Chancen der offenen Jugendarbeit unter den Vorzeichen der von der Landesregierung anvisierten Zuschusskürzungen zu sprechen – ein konfliktbeladenes und mit Emotionen behaftetes Thema.

Doch es blieb friedlich. Einerseits, weil die Landesebene schlicht zu Hause geblieben war. Der Olper Landtagsabgeordnete Theo Kruse (CDU), so teilte Moderator Heinz Brüggemann mit, lasse sich aus familiären Gründen entschuldigen, und eine Vertreterin der Grünen auf Landesebene blieb in den Wirren der Deutschen Bahn auf der Strecke. Auch der für die Grünen im Podium sitzende Hermann Reyher aus Kierspe, 2002 auch im Kreis Olpe als Bundestagskandidat angetreten, brachte keinen Konfliktstoff ein: Er outete sich als entschiedener Gegner der Kürzungspläne.

Zum anderen erklärte Wolfgang Hesse (CDU), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses beim Kreis Olpe: »Ich kann leider das dramatisch Bild nicht zeichnen, das die meisten wohl erwarten.« Im Kreis Olpe sei die Lage so, dass die Kürzungen der Landesmittel für 2004 und 2005 komplett vom Kreis aufgefangen würden.

Trotz fehlender Kontroverse ergab sich eine interessante Diskussion mit vielen Neuigkeiten. Hesse erklärte beispielsweise, für die politisch Verantwortlichen seien die Kürzungen durchaus Anlass zur Initiative. Er kündigte an, dass der Kreis ab 2006 keinen Euro mehr für offene Jugendarbeit ausgebe, wenn im Gegenzug kein Leistungsnachweis erbracht werde. Man werde über eine Strukturdebatte reden müssen. Es sei beispielsweise nicht einzusehen, dass zwischen den Heimen der offenen Tür (OT) und Kleinen Heimen der offenen Tür (KOT) differenziert werde, unabhängig vom tatsächlichen Angebot. »Wir müssen weg von starren Regeln, hin zu Leistungsorientierung.«

Hildegard Zinner von der Landesarbeitsgemeinschaft katholischer Heime der offenen Tür zeichnete ein dramatisches Bild der Lage: Durch die Kürzungen des Landes seien in Nordrhein-Westfalen rund 1000 von 2380 Einrichtungen von der Schließung bedroht. Sie rief die Anwesenden auf, die zurzeit laufende Volksinitiative »Jugend braucht Zukunft« zu unterstützen. Noch bis zum 27. Januar können in allen Rathäusern entsprechende Listen unterzeichnet werden, die den Landtag zu einer erneuten Beratung über den Landesjugendhilfeplan zwingen, wenn insgesamt 66000 Wähler unterschreiben.

Dem stimmte auch Hesse zu: Zwar gebe es vielstimmige Kritik am Zustandekommen der Volksinitiative, »sie ist jetzt aber unsere einzige Chance.«

Auf entsprechende Nachfragen aus dem Plenum, wie sich die Kürzungen auf die verbandliche Jugendarbeit auswirkten, erklärte Wolfgang Hesse, hier gehe es um die sprichwörtlichen »peanuts«. Zurzeit würden die meisten Haushaltsposten beim Kreis nicht einmal ausgeschöpft. Ganz andere Probleme stünden vor der Tür: In vielen Kommunen würden bald viele Kindergartenplätze leer bleiben. Dann müsse sich die Jugendhilfe rechtfertigen, warum Geld in Jugendarbeit fließe, wo doch die Mittel für die Versorgung der Alten benötigt würden. »Das hier ist kein Drama, das ist noch eine Romanze«, so Hesse. Für ein einziges Kind in Heimunterbringung könne eine ganze KOT betrieben werden. »Die Dramatik geht ganz woanders ab als in Häusern wie diesem.«

Michael Färber, beim Kreis zuständiger Fachbereichsleiter für die Jugendhilfe, warb für die von Hesse angesprochene Idee, jetzt zu überlegen, »wo wir etwas zurückfahren können«, gerade weil die Dramatik im Kreis Olpe derzeit noch nicht groß sei. Reinhard Geuecke, Leiter der OT Grevenbrück, kritisierte, ein Problem der Jugendarbeit sei, dass »jeder, der vor 20 Jahren mal ein Zeltlager geleitet hat, glaubt, über Jugendarbeit mitreden zu können«. Die heutige Arbeit in den OTs bestehe längst nicht mehr aus »Brettspielen und Teetrinken«.

Ein Streitgespräch kam schließlich doch noch auf, aber abseits vom ursprünglichen Thema: Die Frage um die Ganztagsbetreuung in Schulen zeigte deutliche Meinungsunterschiede. Die einen wollten die Arbeit den Schulen überlassen, andere der traditionellen offenen Jugendarbeit (wir berichten noch).

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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