Sekundarschule Olpe-Drolshagen:
„,Schule ohne Rassismus’ ist praktizierte Liebe“

Schüler und Lehrer der Sekundarschule Olpe-Drolshagen freuen sich über die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, die im Rahmen einer Feierstunde verliehen worden ist.
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  • Schüler und Lehrer der Sekundarschule Olpe-Drolshagen freuen sich über die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, die im Rahmen einer Feierstunde verliehen worden ist.
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soph Olpe. Bei den Temperaturen am Mittwoch konnten es die Schüler der Sekundarschule Olpe-Drolshagen wohl kaum erwarten, endlich früher als üblich nach Hause zu gehen – hitzefrei war angesagt. Am frühen Nachmittag fanden sich dennoch erstaunlich viele von ihnen freiwillig im Foyer der Schule in Olpe ein. Der Grund war aber auch ein mehr als guter: Der Schule wurde die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SoR) verliehen.

95 Prozent haben unterschrieben

Was im Jahr 2016, angestoßen von den beiden Lehrern Jessica Krämer und Frederik Hagemann, mit einer kleinen Schülergruppe den Anfang genommen hatte, hat sich mittlerweile auf die gesamte Schule ausgeweitet: Die 70 Prozent an Unterschriften aller Mitarbeiter und Schüler, die vonnöten sind, um die Auszeichnung überhaupt zu bekommen, konnte die Schule mit nahezu 95 Prozent deutlich übertreffen. Im Laufe der vergangenen drei Jahre haben die Schüler mehrere Aktionen durchgeführt, die in einem Projekttag am Mittwoch gegipfelt sind. Die Schüler stellten diese zudem selbst den zahlreichen Gästen vor, darunter der Drolshagener Bürgermeister, Uli Berghof, Schulleiter Christian Otto, Ute Roth, Schulaufsicht des Kreises Olpe, und den beiden prominenten Paten, Para-Badmintonspielerin Valeska Knoblauch und Frank Matthée, gebürtiger Olper und (TV)-Hochzeitsplaner. Sportmoderator Ulrich Potofski konnte nicht dabei sein.

"Eine Herzensangelegenheit"

Zu Beginn machten die Schüler klar: „Wir befassen uns heute mit einer Herzensangelegenheit.“ Und diese Aussage meinen sie nicht als leere Floskel, wie sich im Laufe der Veranstaltung mehr als deutlich zeigen sollte. Es folgte ein Zeitsprung im Videoformat ins Jahr 2016: Zu sehen und hören ist ein Schüler: „Scheiß Ausländer!“ Die Antwort anderer Schüler folgt prompt: „Deine Pizza? Italienisch! Dein Handy? Koreanisch! Deine Demokratie? Griechisch!“ Die Schüler fassten es anschließend nochmal live in Worte: „Es gibt nur eine Rasse – und das ist der Mensch.“ Mit interessanten Power-Point-Präsentationen wurden dann die einzelnen Projekte vorgestellt. Die Unterstützung der ökumenischen Initiative „Warenkorb“ etwa, die die Schüler seit drei Jahren verfolgen. Was mit zwei Taschen voller Lebensmittel begonnen hatte, ist in diesem Jahr schon bei drei Autoladungen angekommen. „Wir wollen dies als Tradition an unserer Schule etablieren“, so der Wunsch der Zehntklässler, die das Projekt gestern im Rahmen der Feierlichkeiten an die nachfolgende Schülergeneration weitergaben – inklusive der T-Shirts mit dem Logo des europaweiten SoR-Projekts.

NS-Gedenkstätten besucht

Während eines Ausflugs nach Köln besuchten die Schüler die NS-Gedenkstätten – die großen wie das EL-DE-Haus und die kleinen wie die zahlreichen „Stolpersteine“. In der Schule verkauften sie Eis, übernahmen den Dienst in der Cafeteria und produzierten eigene Buttons, die sie beim Herbstfest unter die Leute brachten. Außerdem halfen sie mit bei der Organisation des Besuchs des Pianisten Aeham Ahmad (die SZ berichtete). Am Tag der Menschenrechte beteiligten sie sich an dem von Amnesty International initiierten Briefmarathon für die Freilassung von politischen Häftlingen und wurden mit einem Foto und Bericht auf der Homepage der Organisation erwähnt. Auch dies solle zu einem traditionellen Engagement werden, so der Wunsch der Schüler, die auch noch von ihrem Ausflug an eine andere, bereits etablierte SoR-Schule berichteten. Zum Abschluss ihrer Präsentation zeigten sie das offizielle Schulvideo, in dem die Schule eindrucksvoll, kreativ und vor allem auch emotional ihre Position gegen Rassismus, Ausgrenzung und Mobbing klarstellt. Denn die SoR-Auszeichnung umfasst neben dem Thema „Rassismus“ noch viele weitere Bereiche.

Anschließend wurden die Paten vorgestellt. Ulrich Potofski war in einem Video-Grußwort zu sehen, mit Valeska Knoblauch setzten sich die Schüler wie in einer Talkshow-Runde zusammen, nur das es hier nur einen Gast und viele Moderatoren gab. Sie lobte die Schüler: „Ich möchte euch allen gratulieren, bleibt auf diesem Weg und macht weiter so.“ Frank Matthée betonte in einer leidenschaftlichen Ansprache, wie wichtig es sei, dass die Gesellschaft offen auf andere zugehe, diese integriere und keine Vorurteile habe. In der heutigen Zeit, in der der Rechtsradikalismus wieder salonfähig geworden sei, sei es um so wichtiger, Zivilcourage zu zeigen. Minderheiten müssten geschützt, ihnen müsste geholfen werden. „Ich danke euch für euren Mut und eure Anstrengung. Kondition ist gefragt, denn gegen den Strom zu schwimmen, kostet immer Kraft. ,Schule ohne Rassismus’ ist praktizierte Liebe und die bildet die Grundlage für ein friedliches Miteinander.“

Viel Applaus für Gruppe „Darstellen und Gestalten“

Das angekündigte Theaterstück der Gruppe „Darstellen und Gestalten“ war bereits im Vorfeld aufgrund der fast unerträglichen Temperaturen abgesagt worden. Die Zehntklässler zeigten dafür ein paar kurze Szenen, für die sie viel Applaus bekamen. Zum Abschluss wurden die Ergebnisse des gestrigen Projekttages gezeigt.

"Setzt bitte weiterhin so deutliche Zeichen"

Ute Roth betonte bei der offiziellen Auszeichnung, die seit 1995 verliehen wird, dass die Urkunde für die Sekundarschule die „wichtigste und wertvollste“ sei, die sie in ihrer 40-jährigen Dienstzeit verliehen habe. Über 3000 Schulen seien in dem europaweiten, nicht-staatlichen Projekt mittlerweile vertreten – und es würden täglich mehr. „Mir war im Vorfeld nicht klar, wie viel hier in den vergangenen Jahren bereits gelaufen ist.“ Sie selbst, Jahrgang 1954, habe während ihrer Schulzeit nicht einmal die NS-Zeit durchgenommen. „Alles was ihr heute gesagt habt, ist damals totgeschwiegen worden. Setzt also bitte mit euren Aktionen auch weiterhin so deutliche Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung.“ Schulleiter Christian Otto versprach, sich dafür einzusetzen, dass das SoR-Schild außen für alle sichtbar an der Schule angebracht werde. „Wir müssen nach außen tragen, dass wir eine Schule ohne Rassismus sind.“

Viel Zeit für Gespräche und Fotos

Nach dem offiziellen Teil blieben alle bei einem Imbiss zusammen, es gab Zeit für Gespräche und Fotos. Und die zahlreichen Stellwände, auf denen die Schüler unterschiedliche Themen, angefangen von Rezepten für Bulgursalat oder Hummus bis hin zu den Verhaltensregeln im Klassenchat bei Whatsapp, verewigt hatten, konnten bewundert werden. Mit Recht dürfen diese Schüler stolz auf sich sein.

Weitere Infos zum Projekt unter www.schule-ohne-rassismus.org.

Autor:

Katja Fünfsinn (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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