Fünf Fragen zum Jahreswechsel an Caritasvorstand Christoph Becker
„Soziale Arbeit ist unbezahlbar“

Christoph Becker, Vorstand des Caritasverbandes Olpe.

sz Olpe. Das Jahr 2020 ist im Rückblick ein Jahr geworden, in dem fast alles anders war, als wir es uns im letzten Jahreswechsel ausgemalt und gewünscht haben. Wenn Julius Cäsar vor 2000 Jahren recht gehabt hat mit seinem Ausspruch: „Die Menschen glauben fest an das, was sie sich wünschen!“, dann ist unser Glaube im Jahr 2020 heftig erschüttert worden, wie der Caritasverband Olpe in einem Pressebericht schreibt. „Unseren Glauben, aber auch andere Dinge, die wir für wichtig halten, zu hinterfragen, macht Sinn oder ist sogar geboten. Das Hinterfragen kann zu Vergewisserung oder auch Veränderung führen.“ Beides sei demnach wichtig und fünf Fragen könnten für das kommende Jahr aus Sicht des Verbandes hilfreich sein.
Was lernen wir aus der Corona-Pandemie?

  • Wenn wir 300 oder 400 Jahre in der heimischen Geschichte zurückgehen und uns die damaligen Pestverordnungen ansehen, finden wir im Kern die Inhalte heutiger Corona-Verordnungen: Verbote von Feiern in Wirtshäusern, Kontaktbeschränkungen, Verzicht auf Konsum und Förderung der eigenen Gesundheit. Auch Caritas, also Nächstenliebe, war ein zentrales Element damaliger Verfügungen. Die wesentlichen Maßnahmen – mehr als nur das Warten auf die Impfung – liegen auf der Hand, seit Hunderten von Jahren.

Wie wichtig ist die soziale Infrastruktur unserer Gesellschaft, und wie gehen wir mit den dort tätigen Menschen um?

  • In Krisenzeiten applaudieren wir den Krankenschwestern und Altenpflegern, den Sanitäterinnen und Ärzten, den Mitarbeitenden in sozialen Berufen. Doch schnell sind wir wieder im Alltag und dort findet das so wichtige Wirtschaftswachstum an anderer Stelle statt. Soziale Arbeit ist unbezahlbar. Das ist aber kein Freibrief, sondern Aufforderung zur materiellen und immateriellen Anerkennung, zur gezielten Förderung. Und es ist Aufforderung, alte, kranke, arme und gefährdete Menschen nicht zu vergessen.

Was erwarten wir in unserer christlich geprägten Region noch von Kirche?

  • Es ist nicht mehr wie früher, bekannte Traditionen brechen massiv ab. Wenn es um Tabuisierung von Macht und den Umgang mit Sexualität bis hin zum Missbrauch geht – kann man zur Veränderung nur „Gott sei Dank!“ sagen. Zukunftsfähig wird nur eine wirklich dienende Kirche sein. Statt Traditionsabbrüche zu beklagen, können wir Umbrüche gestalten, kirchliche „Konjunkturthemen“ gibt es auch heute: Pilgern auf dem Camino, Meditation, Persönlichkeiten wie Franz von Assisi oder Hildegard von Bingen ...

Welches gesellschaftliche Modell wollen wir und was tun wir dafür?

  • Politische Extreme zeigen uns deutlich, welche Gefahren latent überall lauern. Gerade deshalb ist es wichtig, eine sozial ausgerichtete Gesellschaft auf christlicher Grundlage zu fördern und für demokratische Werte mit aller Energie einzutreten. Dazu gehören Respekt vor politischen Akteuren, die sich für die Menschenrechte und Demokratie einsetzen, aber auch der eigene Einsatz, sei es nur durch Wahrnehmung des Wahlrechtes.

Wie handeln wir mit dem Blick auf morgen?

  • Wir haben wieder deutlich erfahren können, wie sich unsere Lebensweise auf das Leben anderer und unsere Zukunft auswirkt. Das geht weit über die Entwicklung des Klimas als große Bedrohung für die Schöpfung hinaus, es geht um veränderte wirtschaftliche, soziale und ökologische Anforderungen. Der Wandel wird nur gelingen, wenn alle mitmachen: Politik, Unternehmen und jeder von uns als Privatperson. Die Jugend, also die Zukunft, macht uns deutlich darauf aufmerksam.
Autor:

Redaktion Olpe aus Stadt Olpe

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