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Bahnhof erhalten oder abreißen?
„Spagat zwischen Geschichte und Zukunft“

Das einstige Empfangsgebäude des Olper Bahnhofs, hier ein Bild aus der Sammlung des Stadtarchivs vom noch nicht kompletten Ursprungsbau ohne den inzwischen abgerissenen Güterschuppen. Auf der Gleisseite soll der Neubau des Rathauses entstehen. Ob der Bahnhof stehenbleibt, teilweise oder ganz abgerissen wird, soll nach derzeitigem Stand der Dinge dem Architekten überlassen werden, der als Sieger aus dem Architektenwettbewerb hervorgeht.
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  • Das einstige Empfangsgebäude des Olper Bahnhofs, hier ein Bild aus der Sammlung des Stadtarchivs vom noch nicht kompletten Ursprungsbau ohne den inzwischen abgerissenen Güterschuppen. Auf der Gleisseite soll der Neubau des Rathauses entstehen. Ob der Bahnhof stehenbleibt, teilweise oder ganz abgerissen wird, soll nach derzeitigem Stand der Dinge dem Architekten überlassen werden, der als Sieger aus dem Architektenwettbewerb hervorgeht.
  • hochgeladen von Jörg Winkel (Redakteur)

Olpe. Eine Bürgerinformation fand am Dienstagabend im Ratssaal statt: In deren Rahmen ging es um den Architektenwettbewerb für den Neubau des Rathauses. Dabei wurde auf der einen Seite betont, dass klar sei, welche Bedeutung für die Geschichte der Stadt das Empfangsgebäude des ehemaligen Olper Bahnhofs habe, auf der anderen Seite plädierten sowohl Bürgermeister Peter Weber als auch Technische Beigeordnete Judith Feldner eindeutig dafür, die Option für den Abriss dieses Bauwerks im Ausschreibungstext zu belassen.

Zunächst hatte Thomas Geppert vom Stadtplanungsbüro Drees & Huesmann aus Bielefeld detailliert den Verlauf des Architektenwettbewerbs vorgestellt, der laut Bürgermeister Weber den „Auftakt in ein spannendes Jahr“ bilden wird.

Olpe. Eine Bürgerinformation fand am Dienstagabend im Ratssaal statt: In deren Rahmen ging es um den Architektenwettbewerb für den Neubau des Rathauses. Dabei wurde auf der einen Seite betont, dass klar sei, welche Bedeutung für die Geschichte der Stadt das Empfangsgebäude des ehemaligen Olper Bahnhofs habe, auf der anderen Seite plädierten sowohl Bürgermeister Peter Weber als auch Technische Beigeordnete Judith Feldner eindeutig dafür, die Option für den Abriss dieses Bauwerks im Ausschreibungstext zu belassen.

Zunächst hatte Thomas Geppert vom Stadtplanungsbüro Drees & Huesmann aus Bielefeld detailliert den Verlauf des Architektenwettbewerbs vorgestellt, der laut Bürgermeister Weber den „Auftakt in ein spannendes Jahr“ bilden wird. Rund 60 Personen waren im Ratssaal zusammengekommen, davon etwa ein Drittel Ratsmitglieder aus den beiden interfraktionellen Arbeitskreisen „Rathaus“ und „Stadtmuseum“ und ein Drittel weiterer den Ratsfraktionen verbundene Personen, darunter einige für die nächste Kommunalwahl nominierte Männer und Frauen. Auch mehrere Mitglieder des Fördervereins Stadtmuseum saßen auf den Zuhörerstühlen.

Der nun folgende, so Weber, „Meilenstein im Bereich Stadtentwicklung“ sei hilfreich dabei, wegzukommen von der bisher abstrakten Diskussion hin zu etwas Konkretem. Er kündigte an, es sei vereinbart, dass die anwesenden Stadtverordneten sich nicht äußern würden, weil diese ja bereits in den Arbeitskreisen diskutiert hätten: Heute seien die Bürgerinnen und Bürger gefragt.

Allerdings stellte Judith Feldner nicht den von den Arbeitskreisen überarbeiteten, sondern den ursprünglichen Entwurf vor, was im Nachgang der Versammlung bei mehreren Mitgliedern des Arbeitskreises auf Kritik stieß.

Weber betonte, dass in der Ratssitzung im Februar der erste Teil der Auslobung beschlossen werden solle. Der „deutlich spannendere“ zweite Teil werde im späteren Verlauf des Jahres gesondert vorgestellt. Dabei werde es dann schon um ein konkretes Raumprogramm gehen.

Planer Geppert zeigte zunächst als Beispiel Fotos vom Bahnhof in Bünde, der im Rahmen eines ählichen Wettbewerbs saniert und umgestaltet worden sei. Und dort sei so vorgegangen worden, wie es Drees & Huesmann auch für Olpe vorschlage: Man habe den Architekten überlassen, wie sie mit dem Bestandsgebäude umgehen. „Von Vollabbruch bis Sanierung war alles dabei.“ 25 Teilnehmer sollen sich am Wettbewerb in Olpe beteiligen, von denen ein Viertel bis ein Drittel gesetzt, der Rest gelost werden solle. „Ich rechne mit 160 Büros, die sich bewerben.“ Vier Preisträger sollen dabei am Ende ausgezeichnet werden, dazu zwei Anerkennungen. Zwar werde in der Regel der Sieger auch den Entwurf des Neubaus stellen, es sei aber durchaus möglich, dass auch einer der anderen drei Preisträger den Zuschlag erhalte.

Thomas Geppert und Judith Feldner führten detailliert den Ablauf des Wettbewerbs aus, der auch für die Jury vollständig anonym bleibe; erst nach der Preisvergabe würden die Umschläge geöffnet, die die Entwürfe den Büros zuordnen lassen.

Der Umgang mit den bestehenden Gebäuden spiele beim Wettbewerb eine große Rolle, betonte Judith Feldner. Bewusst schlage das Büro eine „sehr, sehr weit gefasste Formulierung“ vor, auch durch das Beispiel von Bünde. „Vielleicht bekommt man so einfach Ideen, an die man selber gar nicht gedacht hat.“

Eindeutig werde vorgegeben, dass beim Neubau die Bahnhofsfunktion „ablesbar sein muss“. Schließlich gelte es, ein „Spagat zwischen Geschichte und Zukunft“ zu schlagen. Fest stehe, dass auf der ehemaligen Gleis-Seite des Empfangsgebäudes der Neubau des Rathauses entstehen solle. Zusammen mit den für das Stadtmuseum und anderen für öffentliche Veranstaltungen gedachten Räumen solle so der Gesamtkomplex des „Bürgerhauses“ entstehen. Noch gar nicht thematisiert werde im Wettbewerbsteil A das inhaltliche Konzept für das Museum; dies sei dann Bestandteil des zweiten Schritts.

Als öffentlicher Auftraggeber sei für den Neubau höchste Energieeffizienz eine Voraussetzung: „Wir haben da eine Vorbildfunktion.“ Die Stadt plane, acht Büros zu setzen, zwei davon aus Olpe. Diesbezüglich sei der Bund deutscher Baumeister (BDB) bereits angesprochen, um Vorschläge zu unterbreiten.

Dem Sieger des Wettbewerbs sollen 58 000 Euro winken, das stuft sich ab bis 27 000 Euro für den vierten Preis, die Summen könnten aber noch am Tag der Vergabe anders aufgeteilt werden. Insgesamt sollen 195 000 Euro fließen.

Einige Wortmeldungen wurden protokolliert. So merkte Siegfried Römer von der Arbeitsgemeinschaft der Selbsthilfegruppen an, bei einem solchen Projekt gelte es, die Barrierefreiheit zur Selbstverständlichkeit zu erklären und es nicht auf die nüchterne Erfüllung von Vorschriften zu beschränken. Der ehemalige UCW-Ratsherr Hubert Maciej fragte, was denn geschehe, wenn bei allen Vorschlägen der Abbruch des Gebäudes Bestandteil sei: „Kommt dann der Bahnhof weg?“ Das werde dann die Folge sein, räumte Judith Feldner ein. Zaklina Marjanovic warb für den unbedingten Erhalt des Bauwerks, gerade wenn betont werde, dass hier Geschichte und Zukunft verbunden werden sollten. Und Andrea Arens, vom Heimatverein für den Denkmalschutz in den Bauausschuss entsandte sachkundige Bürgerin, mahnte erstaunt an: „Es gibt doch einen Ratsbeschluss, den Bahnhof zu erhalten! Das sollte schon Niederschlag finden!“ Bürgermeister Weber antwortete, in der Tat gebe es diesen Beschluss. Doch sei der Rat frei, zu entscheiden, „auch eine offene Lösung zu finden“. Außerdem halte er es für äußerst unwahrscheinlich, dass bei 25 Entwürfen keiner den Erhalt wolle. Heinrich Maiworm von der Arbeitsgemeinschaft Olper Senioren plädierte indirekt für den Abbruch, denn er erwarte beim Erhalt des Bahnhofs den Vorschlag, wie dieser barrierefrei zu machen sei.

Axel Stracke, Architekt und Vorsitzender des Heimatvereins für Olpe und Umgebung, erklärte: „Das Risiko ist mir zu groß, dass der Bahnhof wegrationalisiert wird.“ Er plädierte dafür, einen Ausschreibungstext zu finden, der zum Erhalt des Gebäudes führe. „Es ist eines der letzten wirklichen Denkmäler, die wir haben.“ Zaklina Marjanovic fügte hinzu, für den Neubauteil solle ausdrücklich hingewiesen werden, dass zur Erreichung von Nachhaltigkeit bis hin zur Klimaneutralität auch heimische Hölzer für den Bau Verwendung finden dürften. Darauf wies Dr. Benita Wister, von der CDU für Dahl und Friedrichsthal als künftige Ortsvorsteherin gesetzt, darauf hin, dass bei Holz der Pflegeaufwand nicht zu unterschätzen sei. Dies müsse bei erwünschter Nachhaltigkeit mitbedacht werden.

Die am Dienstag gefallenen Argumente will die Stadtverwaltung sammeln und den Arbeitskreisen erneut vorlegen, die dann einen Beschlussvorschlag für den Bauausschuss formulieren, der am 13. Februar eigens in dieser Sache zusammenkommt und den nötigen Ratsbeschluss vorbereitet.

Das einstige Empfangsgebäude des Olper Bahnhofs, hier ein Bild aus der Sammlung des Stadtarchivs vom noch nicht kompletten Ursprungsbau ohne den inzwischen abgerissenen Güterschuppen. Auf der Gleisseite soll der Neubau des Rathauses entstehen. Ob der Bahnhof stehenbleibt, teilweise oder ganz abgerissen wird, soll nach derzeitigem Stand der Dinge dem Architekten überlassen werden, der als Sieger aus dem Architektenwettbewerb hervorgeht.
Der Olper Bahnhof in seinem derzeitigen Zustand, teilweise vermietet, teilweise leer- stehend. SZ-Archivfotos
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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