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Kindern falschen Impfstoff verabreicht (Update)
Staatsanwaltschaft nimmt Abläufe im Impfzentrum unter die Lupe

Dr. Torsten Hundt und Stefan Spieren (v. l.) demonstrieren in der Pressekonferenz die Schalen mit den farbigen Markierungen. Sind sich die Farben zu ähnlich?
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  • Dr. Torsten Hundt und Stefan Spieren (v. l.) demonstrieren in der Pressekonferenz die Schalen mit den farbigen Markierungen. Sind sich die Farben zu ähnlich?
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+++ Update, 21. Dezember, 16.44 Uhr +++
tip Kreuztal/Attendorn. Dr. Simon Danckworth, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, sieht in der sogenannten Impfpanne „keine große Gefahr für die Kinder“. Die Zulassung für den verwendeten Impfstoff laufe bereits. „Wahrscheinlich wird nichts Schlimmes passieren“, so der Kreuztaler Mediziner.

Eine Reaktion auf einen Impfstoff trete auch bei Kindern in der Regel direkt nach der Impfung auf. Sofern also bislang keine außergewöhnliche Symptome bei den Kindern zu erkennen seien, dürfe die ganze Sache seiner Meinung nach glimpflich ablaufen. „Das Schlimmste wird vermutlich der entstandene Vertrauensverlust sein“, so die Einschätzung von Dr. Simon Danckworth.

+++ Update, 21. Dezember, 15.15 Uhr +++
hobö Attendorn.

+++ Update, 21. Dezember, 16.44 Uhr +++
tip Kreuztal/Attendorn. Dr. Simon Danckworth, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, sieht in der sogenannten Impfpanne „keine große Gefahr für die Kinder“. Die Zulassung für den verwendeten Impfstoff laufe bereits. „Wahrscheinlich wird nichts Schlimmes passieren“, so der Kreuztaler Mediziner.

Eine Reaktion auf einen Impfstoff trete auch bei Kindern in der Regel direkt nach der Impfung auf. Sofern also bislang keine außergewöhnliche Symptome bei den Kindern zu erkennen seien, dürfe die ganze Sache seiner Meinung nach glimpflich ablaufen. „Das Schlimmste wird vermutlich der entstandene Vertrauensverlust sein“, so die Einschätzung von Dr. Simon Danckworth.

+++ Update, 21. Dezember, 15.15 Uhr +++
hobö Attendorn. Die Ermittlungen zur sogenannten Impfpanne im Impfzentrum des Kreises Olpe zielen nicht allein auf die Mitarbeiterin ab, die am Sonntag drei Kindern das für diese Altersgruppe nicht zugelassene Moderna-Vakzin verabreicht hatte. Während die Verantwortlichen des Impfzentrums in einer eiligst einberufenen Pressekonferenz am Montag von einem „individuellen Fehler“ der impfenden Mitarbeiterin und einem „Fehler in der letzten Kette des Ablaufs“ sprachen, will die Staatsanwaltschaft Siegen nun die Organisationsverantwortung prüfen.

Das bestätigte am Dienstag Oberstaatsanwalt Patrick Baron von Grotthuss auf Anfrage der SZ. „Wir behandeln das wie einen Betriebsunfall, da gehört auch die Prüfung der Abläufe und Zuständigkeiten hinzu. Wir müssen alle Dinge beleuchten“, so der Pressedezernent der Behörde.

Kreis Olpe: Falscher Impfstoff an Kinder verimpft

Wie berichtet, haben Eltern von zwei der falsch geimpften Kinder Anzeige wegen Körperverletzung gegen die Medizinische Fachkraft gestellt. Daher sei zu prüfen, so von Grotthuss, ob eine fahrlässige Körperverletzung vorliege und wie die Verantwortlichkeiten zu bewerten seien. „Wir schießen uns nicht allein auf die impfende Mitarbeiterin ein, wir müssen auch prüfen, ob sie falsch angeleitet worden ist oder beispielsweise ein Fall der Überforderung vorliegt.“ Die Organisationsverantwortung sei in diesem Fall nicht zu vernachlässigen. „Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler, hier stellt sich die Frage, ob er vermeidbar gewesen ist.“

Der Oberstaatsanwalt ergänzt: „Mein Gedanke ist auch, ob man diesen Vorfall mit verschiedenen Straßen und Räumlichkeiten sowie zeitlichen Abgrenzungen hätte verhindern können.“ Genau diese zusätzliche Sicherheitsmaßnahme wird im Impfzentrum des Kreises Olpe in Attendorn nun eingeführt. So sollen laut Landrat Theo Melcher die jeweiligen Impfungen für verschiedene Zielgruppen ab sofort räumlich und zeitlich voneinander getrennt werden.

Verschiedene Farben für Corona-Impfdosen

In der besagten Pressekonferenz hatte Dr. Torsten Hundt, pharmazeutischer Leiter des Impfzentrums, veranschaulicht, dass die aufgezogenen Spritzen in graue Schalen gelegt werden, die je nach Impfstoff und Dosierung mit verschiedenfarbigen Markierungen gekennzeichnet sind. Die Booster-Impfdosen von Moderna kommen demnach in eine graue Schale mit pinker Kennzeichnung, die Biontech-Impfdosen für Kinder in jene mit oranger Markierung. „Als ich das gesehen habe, habe ich mich gefragt, ob diese Farben nicht zu ähnlich sind“, erläutert Patrick Baron von Grotthuss im Gespräch mit der SZ.

Landrat entschuldigt sich für Impfpanne

Stefan Spieren, ärztlicher Leiter des Impfzentrums, gab in der Pressekonferenz an: „Unsere Erklärung kann nur sein, dass die Fachkraft nicht die orange-markierte Schale aus dem Kühlschrank genommen hat, sondern die pink-markierte.“ Jedenfalls sind die drei Kinder im Alter von sieben, zehn und elf Jahren mit 50 Mikrogramm des Moderna-Wirkstoffs geimpft worden. Das entspricht der Menge einer Booster-Impfung. Das Moderna-Vakzin ist derzeit erst ab einem Alter von zwölf Jahren zugelassen.

Es bleibt zu hoffen, dass die Kinder gesund bleiben. Das ist die Hauptsache.
Patrick Baron von Grotthuss
Oberstaatsanwalt

Noch liegt Patrick Baron von Grotthuss die Fallakte nicht vor, aber die Vernehmungen der Polizei laufen. Wie ein Strafmaß im Falle eines nachweisbar strafbaren Handelns aussehe, könne er überhaupt nicht einschätzen, betont Patrick Baron von Grotthuss. „Es bleibt zu hoffen, dass die Kinder gesund bleiben. Das ist die Hauptsache.“

+++ Ursprungsmeldung, 21. Dezember, 6 Uhr +++
hobö Olpe. In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz hat der Landrat des Kreises Olpe, Theo Melcher, am Montagmittag bedauert, dass am Tag zuvor insgesamt drei Kindern im Alter von sieben, zehn und elf Jahren im Impfzentrum des Kreises Olpe in Attendorn ein falscher Impfstoff verabreicht worden ist (die SZ berichtete). „Dafür entschuldige ich mich bei allen Betroffenen im Namen des Kreises und der impfenden Fachkraft, der der Vorfall sehr leid tut.“

Kreis bittet um fachmedizinische Einschätzung der Stiko

Den drei Kindern ist am Sonntag gegen 11.30 Uhr das Vakzin von Moderna gespritzt worden. Dieses ist derzeit allerdings erst für Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen (vergl. gesonderten Bericht). Der Kreis steht nach eigenen Angaben in Kontakt mit den Eltern bzw. mit den Erziehungsberechtigten. Diese haben laut Landrat Melcher bestätigt, dass es allen Kindern gut gehe und sie keine Auffälligkeiten aufwiesen. Als Ansprechpartnerin steht den Familien Amtsärztin Dr. Claudia Lamprecht zur Verfügung – sie wird die Familien begleiten. Der Kreis Olpe wird sich außerdem mit der Ständigen Impfkommission (Stiko) in Verbindung setzen und um eine fachmedizinische Einschätzung bitten.

Landrat entschuldigt sich für Impfpanne

Insgesamt sind an den beiden bisherigen Impftagen für Kinder (am 17. und 19. Dezember) 365 junge Menschen im Alter zwischen fünf und elf Jahren in Attendorn gegen das Coronavirus geimpft worden. Man habe nach dem Vorfall alle Listen überprüft, so Melcher. Mit dem Ergebnis, dass drei Kindern der falsche Impfstoff gespritzt worden ist.

Impfstoff wird in farbige Kästchen sortiert

Der Kreis Olpe geht von einem individuellen Fehler der Fachkraft aus. Die verschiedenen Impfstoffe werden in Spritzen aufgezogen und laut Dr. Torsten Hundt, pharmazeutischer Leiter des Impfzentrums, in farbig unterschiedlichen Kästchen in Kühlschränken gelagert. Daher mutmaßt Stefan Spieren als ärztlicher Leiter des Zentrums: „Die Erklärung kann nur sein, dass die Fachkraft nicht das orange markierte Kästchen genommen hat, sondern das pinke. Die Verwechslung ist auf den letzten Metern zur Impfkabine passiert.“ Die Mitarbeiterin sei bereits mehrfach im Einsatz gewesen und habe die entsprechenden Einarbeitungsverfahren durchlaufen, die vor jedem Einsatz wiederholt würden. Die Person sei auch nicht farbenblind. Spieren: „Wir haben umfangreiche Sicherheitsmechanismen, wenn in der letzten Kette ein Fehler passiert, dann ist das ein menschlicher.“

Ermittlungsbehörden prüfen fahrlässige Körperverletzung

Der Fehler sei der impfenden Fachkraft selbst und einer Familie mit zwei Kindern parallel aufgefallen, erklärte der Olper Landrat. Die Fachkraft habe dies umgehend der Schichtleitung gemeldet. Daraufhin seien sofort der ärztliche sowie der pharmazeutische Leiter des Impfzentrums benachrichtigt worden, die umgehend das Gespräch mit den betroffenen Eltern aufgenommen hätten. Nach der Meldung des Vorfalls, so der Landrat ferner, „wurde die betreffende Mitarbeiterin unverzüglich aus dem Impfgeschehen genommen“.

Der Landrat bestätigte ferner, dass der Vater eines betroffenen Kindes die Polizei im Beisein von leitenden Mitarbeitern des Impfzentrums über die Vorkommnisse informiert habe. Also nicht der Kreis Olpe oder das Impfzentrum zog die Behörde hinzu, sondern ein Elternteil eines betroffenen Kindes selbst. „Das wäre aber noch passiert“, betonte Stefan Spieren. Dies sei der normale Ablauf. Die Olper Polizei bestätigte unterdessen, dass Eltern der falsch geimpften Kinder Strafanzeige gegen die Fachkraft gestellt haben. Landrat Melcher: „Die Ermittlungsbehörden prüfen, ob der Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung erfüllt ist.“

Neue Sicherheitsmaßnahmen aufgezogen

Der Kreis Olpe führt ab sofort eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme im Impfzentrum ein: Die Termine werden künftig so vergeben, dass „wir nur noch einen bestimmten Impfstoff in einer bestimmten Dosierung und in einer bestimmten Zeit verwenden“, wie sich Landrat Melcher ausdrückte. Zeitgleich gebe es also keine Booster-Impfungen für Erwachsene und parallel Impfungen für Kinder.

Wenn in der letzten Kette ein Fehler passiert, dann ist das ein menschlicher.
Stefan Spieren
Ärztlicher Leiter Impfzentrum

Derweil ruft der Kreis Olpe alle Eltern auf, die Impfpässe ihrer Kinder nochmal zu kontrollieren und sich bei Unstimmigkeiten zu melden. Eltern, die sich Sorgen machen, können sich per E-Mail an impfdokumente@kreis-olpe.de oder telefonisch unter (02722) 6575660 melden.

Dr. Torsten Hundt und Stefan Spieren (v. l.) demonstrieren in der Pressekonferenz die Schalen mit den farbigen Markierungen. Sind sich die Farben zu ähnlich?
365 Kinder unter zwölf Jahren wurden an zwei Tagen im Impfzentrum des Kreises Olpe geimpft. Bei drei Kindern ist aufgrund eines persönlichen Fehlers das für sie nicht genehmigte Vakzin von Moderna verabreicht worden.
Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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