Stadtgeschichte auf 968 Seiten

Erster Band »Olpe – Geschichte von Stadt und Land«–vorgelegt / Zehn Jahre Vorbereitung

win Olpe. »Dagegen ist jeder Karl May eine Short story«, fasste am Samstag der Olper Bürgermeister Horst Müller zusammen, was ihm angesichts des soeben vorgelegten Buchs in den Sinn kam. Und in der Tat: Der erste Band der Olper Stadtgeschichte, der bis zum Ersten Weltkrieg reicht, ist genau 968 Seiten dick. Fast zehn Jahre sind ins Land gezogen, bis aus ersten Ideen das frisch gedruckte Buch wurde. Eine ganze Schar von Autoren hat daran mitgewirkt, von denen zwei das Erscheinen des ersten Bandes von »Olpe – Geschichte von Stadt und Land« nicht mehr erlebten.

1992 saßen der damalige stellv. Stadtdirektor Horst Müller, Stadtarchivar Josef Wermert und Kreisheimatpfleger Günther Becker zusammen und berieten, wie ein Buch über die Stadtgeschichte von Olpe entstehen könnte. Auf Anraten des Instituts für vergleichende Städtegeschichte in Münster wurde schließlich entschieden, dass ein interdisziplinär arbeitendes Autorenkollektiv die Olper Stadtgeschichte niederschreiben solle. Dann ging die Suche nach Autoren und einem Redaktionsteam los. Eigentlich war 1997 als Erscheinungsjahr festgelegt worden, doch rasch stellte sich heraus, dass dieser Termin nicht zu halten sein würde. Stadtarchivar Wermert bei der Buchpräsentation: »Es sollte kein Schnellschuss werden.« Nach und nach wurden fachkundige Autoren gefunden, zum Teil Olper, zum Teil Männer und Frauen aus ganz Deutschland, die aber mit wenigen Ausnahmen eng mit Olpe verbunden sind.

Die meisten von ihnen waren am Samstag nach Olpe gekommen, um der Präsentation im Ratssaal beizuwohnen. Bürgermeister Müller dankte Kreisheimatpfleger Becker, der »obwohl er hinter der Griesemert wohnt« immer beratend zur Verfügung gestanden habe, und Stadtarchivar Wermert, dessen Archiv »mehr als eine Aktenverwahranstalt« sei und der das Buch »manchmal mit sanftem Druck«–vorangebracht habe. Er erinnerte an Dr. Manfred Schöne und Dr. Philipp Hömberg, zwei Mitautoren, die inzwischen gestorben sind und posthum als Autoren genannt werden.

»Das Projekt ist nicht zu Ende«, erinnerte Müller: Der Band 2 der Stadtgeschichte, von 1918 bis heute, solle nach Möglichkeit bis zum Stadtjubiläum 2011 fertig sein, der Band 3, das »Plattdeutsche Wörterbuch«, werde wahrscheinlich schon 2003 fertig. »Das Ziel war, eine wissenschaftliche Stadtgeschichte zu erstellen, die allgemeinverständlich ist. Ich hoffe, dass das Buch den Leserkreis bekommt, den es verdient«, so Müller.

Stadtarchivar Wermert fasste die Entstehungsgeschichte zusammen, bevor er den anwesenden Autoren die noch druckfrischen Belegexemplare überreichte. Durch die verlängerte Entstehungsphase habe das Buch sowohl an Umfang als auch an Gehalt erheblich gewonnen. Das Zusammenbringen der Arbeitsleistung so vieler Beteiligter – 18 Autoren haben 34 Kapitel erstellt – sei eine aufwendige Arbeit gewesen, so hätten rund 2000 Anmerkungen vereinheitlicht und überarbeitet werden müssen. Kurz vor Druck seien rund 300 Abbildungen eingefügt worden. Entstanden sei ein »komprimiertes, dennoch umfangreiches Handbuch mit dem neuesten Forschungsstand zur Olper Geschichte«. Die Stadtgeschichte beginnt mit einer Zeitleiste und einer Abhandlung über den Naturraum und die erdgeschichtliche Besiedlung. Behandelt wird die Geschichte der Stadt in ihren heutigen Grenzen, also auch die 1969 vom Amt Attendorn hinzugekommenen Ortschaften Oberveischede, Tecklinghausen und Neuenwald. Auf die Entwicklung der Stadttopographie wird ebenso eingegangen wie auf Olpe im Mittelalter, die Hessenherrschaft von 1802 bis 1816, politische Organisationsformen, kirchliches Leben und Biographien berühmter Olper und vieles mehr. Wermert wies darauf hin, dass im Zuge der Recherchen für die Stadtgeschichte auch neue Erkenntnisse gewonnen worden seien. So soll die Olper Kirche doch keine Filiale von Attendorn gewesen sein, sondern eine eigenständige Gründung auf einem fränkischen Reichshof der Zeit um 800.

Auch werde festgestellt, dass die Historie des Olper Schützenvereins nicht in das Jahr 1311 der Stadtgründung zurückreicht, sondern dieser definitiv erst 1828 aus der Taufe gehoben worden sei. Die Geschichte des Schützenwesens in Olpe reiche allerdings sehr wahrscheinlich in die Zeit kurz vor 1525 zurück. »Solche Klarstellungen mögen bei dem einen oder anderen schmerzhaft sein, sind jedoch für uns als Historiker nicht nur selbstverständlich, sondern auch notwendig, will man keine Geschichtsklitterung decken oder gar betrieben.«

Das Buch kann ab sofort im Rathausfoyer und im Buchhandel erworben werden. Eine ausführliche Rezension folgt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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