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Katharinenmesse im Zeichen der bevorstehenden Schließung des Thyssen-Krupp-Werks
Statt Freudentag Kummer und Sorgen

Nach der 332. Katharinenmesse stellten sich Teilnehmer des Gottesdienstes vor der Marienkirche zum Erinnerungsfoto auf. IG Metall, Betriebsrat und KAB waren mit dabei.
  • Nach der 332. Katharinenmesse stellten sich Teilnehmer des Gottesdienstes vor der Marienkirche zum Erinnerungsfoto auf. IG Metall, Betriebsrat und KAB waren mit dabei.
  • Foto: Jörg Winkel
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

win Olpe/Lütringhausen. Die Katharinenmesse: eine echte, gelebte Tradition. Vor 332 Jahren begann die damalige Breitschmiedewerkzunft des Kirchspiels Rhode damit, am Ehrentag der heiligen Katharina von Alexandrien einen Feiertag einzurichten. Die Legende sagt, dass die Heilige zu Tode gefoltert werden sollte, doch die Folterräder zerbrachen vorher. Zwar bewahrte sie dies nicht vor dem Tod – sie wurde enthauptet – aber doch vor grausamem Leid durch das Rad als furchterregendes Folterinstrument. Somit wurde Katharina zur Schutzheiligen vieler Berufe, die mit Rädern und Mechanik zu tun haben. „Am Kathreintag müssen alle Räder ruhen“, habe in diesen Berufen früher gegolten, und vor 332 Jahren wurde der Katharinentag in Olpe erstmals mit einer eigenen Messe gefeiert.

win Olpe/Lütringhausen. Die Katharinenmesse: eine echte, gelebte Tradition. Vor 332 Jahren begann die damalige Breitschmiedewerkzunft des Kirchspiels Rhode damit, am Ehrentag der heiligen Katharina von Alexandrien einen Feiertag einzurichten. Die Legende sagt, dass die Heilige zu Tode gefoltert werden sollte, doch die Folterräder zerbrachen vorher. Zwar bewahrte sie dies nicht vor dem Tod – sie wurde enthauptet – aber doch vor grausamem Leid durch das Rad als furchterregendes Folterinstrument. Somit wurde Katharina zur Schutzheiligen vieler Berufe, die mit Rädern und Mechanik zu tun haben. „Am Kathreintag müssen alle Räder ruhen“, habe in diesen Berufen früher gegolten, und vor 332 Jahren wurde der Katharinentag in Olpe erstmals mit einer eigenen Messe gefeiert.

Tradition überlebte industrielle Revolution

Breitschmiede gibt es heute nicht mehr, doch die Tradition überlebte sogar die industrielle Revolution: Die Ruegenberg’schen Eisenwerke und all ihre nachfolgenden Besitzer hielten in Lütringhausen die Katharinenmesse lebendig, seit über 100 Jahren nicht mehr in der Olper St.-Martinus-Kirche, sondern in der Lütringhauser Kapelle „Maria zum guten Rat“ gefeiert. Am Mittwoch war es ausnahmsweise die Olper Marienkirche, um den Pandemie-bedingten Abstandsvorschriften Folge leisten zu können – und auch sonst war die 332. Katharinenmesse eine besondere.
Schon häufig seit den 1970er-Jahren nutzten die Zelebranten die Katharinenmesse, um auf Sorgen und Nöte im immer wieder von Kürzungen und Schließungen bedrohten Hammerwerk hinzuweisen. Was im vergangenen Jahr noch eine Befürchtung war, ist indes traurige Gewissheit: Am wohl traditionsreichsten Industriestandort im Gebiet der Stadt Olpe werden Ende nächsten Jahres die Lichter ausgehen. Diese Schließung und die aus ihr folgenden Sorgen und Nöte der Belegschaft und deren Familienangehörigen standen im Mittelpunkt der diesjährigen Katharinenmesse. Der KAB-Bezirk und die KAB St. Josef Altenhof hatten Fahnenträger entsandt, die während der Messe den Altar flankierten. Der Betriebsrat und die IG Metall gestalteten den Gottesdienst mit.

„Die Kraft der Solidarität gilt euch allen“

„Früher war es ein Feiertag für die Belegschaft, die sich freute, einen Tag lang die Räder stillstehen lassen zu dürfen. Heute bedrückt uns die Aussicht, dass Ende nächsten Jahres hier die Räder für immer stillstehen sollen“, so Prof. Dr. Werner. „Wir wollen hier klarmachen: Ihr seid nicht allein. Die Kraft der Solidarität gilt euch allen.“
André Arenz, Erster Bevollmächtigter der IG Metall im Kreis Olpe, übernahm die Lesung aus den Römerbriefen, anhand derer und des Tagesevangeliums von Lukas baute Werner seine Predigt auf. „Man weiß aus der Zeitung, wie es um den Konzern steht. Die ertragreiche Aufzugssparte wurde versilbert, übriggelassen wurden defizitäre Bereiche, und um die zu sanieren, müssen die Belegschaften herhalten.“ Die Tatsache, dass die Katharinenmesse 332 Jahre überlebt habe, sei ein Zeichen von einer erheblichen Tradition, „deshalb ist heute ein Tag der Hoffnung. Hoffnung ist aber nicht einfach da“, die müsse erst geschaffen werden.
Im Anschluss an die Messe folgte, anders als üblich, kein Frühstück in der Werkskantine mit folgender Betriebsbesichtigung – dem neuen Coronavirus geschuldet. Vor der Marienkirche blieben die Gottesdienstbesucher in lockerer Runde mit viel Abstand kurz beisammen und verzehrten belegte Brötchen, die der Betriebsrat ausgab.
Ob – und wenn ja wie – die Katharinenmesse im nächsten Jahr gefeiert wird, steht noch nicht fest.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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