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Konferenz im Olper Kreishaus
Strategie gegen Schnee-„Touristen“

Die Zufahrt nach Fahlenscheid wurde am Wochenende von der Polizei gesperrt, um dort das Chaos aufzulösen. Fast überall, wo schneebedeckte Wiesen erreichbar waren, standen am Wochenende Autos aus Rheinland und Ruhrgebiet in großer Zahl.
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  • Die Zufahrt nach Fahlenscheid wurde am Wochenende von der Polizei gesperrt, um dort das Chaos aufzulösen. Fast überall, wo schneebedeckte Wiesen erreichbar waren, standen am Wochenende Autos aus Rheinland und Ruhrgebiet in großer Zahl.
  • Foto: Yvonne Clemens
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

win Olpe/Fahlenscheid. Es sind Bilder, die sprachlos machen. Was über die Weihnachtstage und insbesondere am Wochenende in den Wintersportorten los war, ist ohne Beispiel: Heerscharen von Schnee-„Touristen“ kamen teilweise von weither, die Tatsache ignorierend, dass sämtliche Lifte, Gaststätten, die gesamte touristische Infrastruktur geschlossen ist. Aufrufe über die sozialen Medien, Internet und Rundfunk, diese Orte zu meiden, blieben ungehört. Ordnungsämter und Polizei griffen letztlich zur äußersten Maßnahme und sperrten komplette Zufahrtstraßen, um so komplette Orte von den Besuchermassen abzuriegeln. Was in Winterberg kumulierte, bot sich kaum weniger dramatisch auch im Kreis Olpe, hier als „Hotspot“ der kleine, eigentlich idyllische Höhenort Fahlenscheid zu nennen.

win Olpe/Fahlenscheid. Es sind Bilder, die sprachlos machen. Was über die Weihnachtstage und insbesondere am Wochenende in den Wintersportorten los war, ist ohne Beispiel: Heerscharen von Schnee-„Touristen“ kamen teilweise von weither, die Tatsache ignorierend, dass sämtliche Lifte, Gaststätten, die gesamte touristische Infrastruktur geschlossen ist. Aufrufe über die sozialen Medien, Internet und Rundfunk, diese Orte zu meiden, blieben ungehört. Ordnungsämter und Polizei griffen letztlich zur äußersten Maßnahme und sperrten komplette Zufahrtstraßen, um so komplette Orte von den Besuchermassen abzuriegeln. Was in Winterberg kumulierte, bot sich kaum weniger dramatisch auch im Kreis Olpe, hier als „Hotspot“ der kleine, eigentlich idyllische Höhenort Fahlenscheid zu nennen. Parkplätze überfüllt, und wenn kein solcher mehr frei war, wurde einfach die nächste Wiese missbraucht mit der Folge, dass die Landwirte im bevorstehenden Frühjahr den ersten Grasschnitt mit Sicherheit abhaken können – als ob die Trockenheit der vergangenen Jahre nicht schon dramatisch genug wäre.

Erneuter „Überfall“ am Wochenende befürchtet

Am Montag war vorläufig Schluss mit diesem Spuk – zwar war immer noch ein gewisser Andrang, der sich aber auf vorgeschriebenen Parkflächen abspielte. Allerdings rechnen die Verantwortlichen damit, dass am bevorstehenden Wochenende ein erneuter „Überfall“ von Schnee-Fans aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet bevorsteht, so lange auch nur eine Spur von Schnee die Wiesen weiß macht. Und da für Donnerstag Schneefall vorausgesagt wird, hat Landrat Theo Melcher für diesen Dienstag zu einer Besprechung ins Kreishaus geladen, in deren Rahmen die Ordnungsbehörden und die Polizei miteinander eine Strategie aufstellen sollen, wie mit einer Wiederholung der Situation umgegangen werden soll.

Jede Sperrung bedeutet eine Verlagerung

Das allerdings wird nicht leicht. Bürgermeister Peter Weber: „Es ging am Wochenende nicht anders, als die Kreisstraße nach Fahlenscheid zu sperren. Das hat aber dazu geführt, dass die Leute einfach woanders hingefahren sind. Die kommen ja nicht von Neuss oder sonstwo und drehen dann um und fahren nach Hause, sondern suchen sich anderswo etwas. Wenn die Leute erstmal hier hingekommen sind, ist das Problem da.“ Denn jede Sperrung bedeute nur eine Verlagerung. In jedem Fall werde das Ordnungsamt der Stadt am Wochenende mit allem im Einsatz sein, was zur Verfügung steht.
Michael Klein, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Olpe, hat mit mehreren Kolleginnen und Kollegen gesprochen, die am Wochenende im Einsatz waren. „Da war wohl überhaupt keine Einsicht bei den Menschen.“ Beispielsweise auf der Griesemert, genauer: zwischen Neuenwald und Oberveischede, sei die Bundesstraße 55 beidseitig zugeparkt gewesen, „da liefen Kinder mit ihren Schlitten zwischen den Autos hindurch über die Bundesstraße. Ich fürchte, mit Appellen an Einsicht und Vernunft kommen wir da nicht weiter. Damit sind wir noch lange nicht durch.“

Bauern sind massiv verärgert

Überhaupt kein Verständnis haben auch die Bauern. Bernd Eichert, stellv. Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands: „Kein Landwirt hat etwas dagegen, wenn ein paar Kinder auf seiner Wiese im Schnee herumbalgen. Aber was sich da mittlerweile abspielt – durch Facebook und andere soziale Medien mit Gruppen wie ,Driften im Sauerland’ entstehen Ansammlungen von Hunderten von Leuten auf landwirtschaftlichen Flächen, die darüberfahren und auch noch ihren Müll liegengelassen.“ Zum einen werde die Grasnarbe zerstört, zum anderen Abfall eingetragen. Eichert: „Selbst bei einer Wiese tun wir Landwirte sehr viel, um da Superfutter herunterzuholen. Die Flächen werden abgeschleppt, es wird nachgesät, Maulwurfshaufen werden plattgemacht, damit Mähmaschinen möglichst reines Futter aufnehmen und keine Erde.“ Und dann kämen nun rücksichtslose Menschen und zerstörten die Wiesen nachhaltig. „Ich habe mehrere Rückmeldungen von Kollegen, die Schäden im vierstelligen Bereich haben.“

Mit Großballen aus Heu Zufahrten gesperrt

Er sehe eine immer größere Diskrepanz zwischen urbanem Raum und Landbevölkerung. „Klimawandel, Wolf, Windkraft, alles soll in der Fläche stattfinden und in den Städten wird gnadenlos konsumiert.“ Er wünsche sich Respekt vor dem Eigentum anderer Menschen, zu dem auch die Flächen gehören.
„Wir Landwirte sind ja inzwischen gut vernetzt, es wird in den Gruppen eifrig diskutiert.“ Sollten die Ordnungsbehörden es nicht schaffen, dem Treiben Einhalt zu gebieten, „dann müssen wir sehen, wie wir das selbst geregelt bekommen“. Schon am vergangenen Wochenende hätten einige Kolleginnen und Kollegen mit Großballen aus Heu Zufahrten gesperrt.

Die Zufahrt nach Fahlenscheid wurde am Wochenende von der Polizei gesperrt, um dort das Chaos aufzulösen. Fast überall, wo schneebedeckte Wiesen erreichbar waren, standen am Wochenende Autos aus Rheinland und Ruhrgebiet in großer Zahl.
Fast überall, wo schneebedeckte Wiesen erreichbar waren, standen am Wochenende Autos aus Rheinland und Ruhrgebiet in großer Zahl.
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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