Muggelkirmes:
Tausende feierten ein fröhliches Fest für Alt und Jung

Die Band „TIL“ rockte die Hauptbühne der Muggelkirmes. Die drei Jungs haben hier echte Fans – vorwiegend junge Damen in den ersten Reihen sangen auch die neuesten Songs komplett auswendig mit.
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  • Die Band „TIL“ rockte die Hauptbühne der Muggelkirmes. Die drei Jungs haben hier echte Fans – vorwiegend junge Damen in den ersten Reihen sangen auch die neuesten Songs komplett auswendig mit.
  • hochgeladen von Jörg Winkel (Redakteur)

win Olpe. Schlag 14 Uhr: Kurz vorher haben die Glocken der St.-Martinus-Kirche noch alles gegeben, um weithin kundzutun, dass gleich Kirchweih gefeiert wird. Doch ab 14 Uhr übernehmen die Lautsprecher auf dem Marktplatz die Regie. Der 60er-Jahre-Hit „Sugar baby love“ von den „Rubettes“ erschallt, und wie schon 1974 bei der Premiere wird damit die Muggelkirmes eröffnet. Hinter dem Begriff, der gar nichts mit den „Muggeln“ aus den Harry-Potter-Büchern zu tun hat, verbirgt sich ein großes Familienfest für alle Generationen, mit dem die St.-Martinus-Gemeinde den Tag ihrer Kirchweih feiert, bei dem hunderte von Menschen ehrenamtlich mit anpacken und jährlich einen stolzen Erlös für Entwicklungsprojekte unter anderem in Brasilien und Afrika erwirtschaften. Am Sonntag war es wieder so weit.

Schon am Samstagabend war der Auftakt gegeben worden: mit einem Jugendgottesdienst in der St.-Martinus-Kirche mit junger Kirchenmusik, unkonventionellen Gestaltungselementen und einer Predigt, in der Vikar Michael Kammradt Klartext sprach. Anhand des Mottos der Messe, „Worte, die bleiben“, ging er auf die Macht ein, die Worte haben können und kritisierte dabei in deutlichen Worten Machthaber wie Bolsonaro und Populisten wie Salvini oder Boris Johnson. Auch die Wortwahl und Aussagen mancher AfD-Mitglieder mahnte Kammradt deutlich an. Gleichzeitig rief der Vikar dazu auf, die Menschen in Alchen ins Gebet einzuschließen, die nach dem schweren Unfall bei einem fröhlichen Fest ins Mark getroffen seien. Musikalisch umrahmt wurde die Messe von der Band „Crossover“, weiterhin führte eine Tanzgruppe einen liturgischen Tanz zum Motto der Messe auf.

Anders als in den Vorjahren, gab es in diesem Jahr bei der Muggelkirmes keine Oldtimer-Fahrzeuge zu sehen: Anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Automobil- und Motorradclubs (AMC) Olpe hatte dieser eine jährliche Fahrt diesmal einen Tag vorverlegt (siehe gesonderten Bericht), so dass diesmal die Westfälische Straße komplett von der Kirmes mit beansprucht werden musste. Dennoch bedauerten viele Besucher diese Entscheidung, denn die Präsentation der historischen Autos war sonst stets ein Anziehungspunkt. Dies soll im nächsten Jahr wieder in altbewährter Weise Teil der Kirmes sein.

Die Kinder hatten Gelegenheit, an Dutzenden von Spielständen ihr Glück oder ihre Geschicklichkeit zu versuchen. Bezahlt wird nicht mit Geld, sondern den der Kirmes den Namen gebenden Muggeln: runden Spielsteinen mit einem Loch, das das Auffädeln ermöglicht. Lange Schlangen an den Muggelbanken zeigten das große Interesse. Auf zwei Bühnen wurde ein vielseitiges Musik-, Tanz- und Showprogramm geboten, von Kinderliedermacher Heiner Rusche über den Wendener Kinderzirkus „Pfiffikus“ oder die örtlichen Kindergärten, die Tänze aufführten, bis zur aufstrebenden heimischen Band „TIL“, die viel Zuspruch erhielt. An Speise- und Getränkeständen kamen Olper, Ölper und Buiterlinge ins Gespräch. Im „Schnäppchenzelt“ fand ein großer Flohmarkt statt, und am Bücherstand wurde Lektüre zum Kilopreis feilgeboten – hier wechseln alljährlich tausende von Büchern ihre Besitzer.

Eine ganz neue Idee war der erste „Große Preis der Muggelkirmes“: ein Bällerennen, bei dem Tausende nummerierter Gummibälle die Frankfurter Straße herabgeschickt wurden. Die ersten zehn dieser rollenden Lose, die die Zielvorrichtung erreichten, sorgten für wertvolle Preise, die die Besitzer der Bälle abholen konnten. Diese Idee erwies sich als Volltreffer, die viel Schwung in die Kirmes brachte und die Besucher mitmachen ließ, denn diese hatten dafür zu sorgen, dass die Bälle möglichst schnell ihren Weg vom „Samos“ bis vor die Martinuskirche bewältigten. Das „Prominentenspiel“ wurde integriert: An den Füßen mit dem Mitspieler zusammengebunden, hatten drei Teams Bälle auszusortieren, die nicht die Farben des Sponsors Volksbank trugen. Hier schlugen gleich stark das Team „Kirche“ (Andrea Hoffmann, Gesamtpfarrgemeinderat, und Daniel Scharf, neuer Gemeindeassistent) auf der einen und das Team „Schützenfrauen“ (Schützenkönigin Simone Rücker und „Frau Major“ Marion Liese) das Team „Chefs“ (Pfarrer Clemens Steiling und Bürgermeister Peter Weber). Als Gewinn durften sie pro gesammelten Falschfarben-Ball 50 Euro an ein bestimmtes der Muggelprojekte leiten. Am Zieleinlauf kontrollierten Rechtsanwalt und Notar Ralf Bartmeier sowie Landtagsabgeordneter Jochen Ritter, dass nicht geschummelt wurde.

Gewinne gab es auch tausendfach an der stets dicht belagerten Losbude sowie bei den „Zylinderköppen“, einer rein männlichen Runde von Helfern, die stets vier Schätzspiele anbieten. Wer sich nicht festlegen wollte, wie hoch das Bierfass hing, wie schwer der Fresskorb war oder wie oft die Turmuhr am Tag schlägt, konnte auch eine Rate-Flatrate erwerben und wurde mittels Aufkleber zum „Supertypp“ erklärt.

Als um 18 Uhr mit der Bekanntgabe der Gewinnlose das Ende der Muggelkirmes eingeleitet wurde, dauerte es noch Stunden, bis wirklich Ende war. Viele der Besucher setzten ihren Kirmesbesuch an den Tischen der Marktplatz-Gastronomen fort, während fleißige Helferinnen und Helfer, unterstützt vom Bauhof und Mitarbeitern von Olper Firmen ans Aufräumen gingen.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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