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Schlechte Honigernte
Trockenheit lässt Nektarstrom versiegen

Alice Holterhoff aus Olpe erfreut sich seit sechs Jahren an der Imkerei. Doch viel Honig aus ihren Stöcken gewinnen konnte sie in diesem Sommer nicht.
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  • Alice Holterhoff aus Olpe erfreut sich seit sechs Jahren an der Imkerei. Doch viel Honig aus ihren Stöcken gewinnen konnte sie in diesem Sommer nicht.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

yve Olpe. Prägnant steht der Apfelbaum im oberen Garten von Alice Holterhoff. Daneben ein Hochbeet, im unteren Bereich wachsen Lavendel und heimische Kräuter, verblüht schleichend der imposante Sommerflieder. Es grünt und blüht bei Holterhoffs an der Eichendorffstraße. Wein und wilder Wein, Efeu oder Hopfen ranken an Pergola oder Schuppen. Artenreiche Pflanzungen statt der viel zitierten „Steinwüste“.
10 statt 100 Kilogramm HonigViel Stein bedeutet wenig Leben, weiß auch Alice Holterhoff. Das hat die 51-Jährige zwar zu Genüge im Garten, doch in diesem Jahr sei vieles anders, besorgniserregend anders. Das zeige sich an der schlechten Honigernte. Sechs Wirtschaftsvölker und drei Ableger stehen verteilt in ihrem und im wenigen Meter entfernten Garten ihrer Eltern.

yve Olpe. Prägnant steht der Apfelbaum im oberen Garten von Alice Holterhoff. Daneben ein Hochbeet, im unteren Bereich wachsen Lavendel und heimische Kräuter, verblüht schleichend der imposante Sommerflieder. Es grünt und blüht bei Holterhoffs an der Eichendorffstraße. Wein und wilder Wein, Efeu oder Hopfen ranken an Pergola oder Schuppen. Artenreiche Pflanzungen statt der viel zitierten „Steinwüste“.

10 statt 100 Kilogramm Honig

Viel Stein bedeutet wenig Leben, weiß auch Alice Holterhoff. Das hat die 51-Jährige zwar zu Genüge im Garten, doch in diesem Jahr sei vieles anders, besorgniserregend anders. Das zeige sich an der schlechten Honigernte. Sechs Wirtschaftsvölker und drei Ableger stehen verteilt in ihrem und im wenigen Meter entfernten Garten ihrer Eltern. 10 Kilogramm Honig schleudert die Olperin bei der jüngsten Gewinnung aus den abgedeckelten Waben. Erschreckend wenig. „Ein Jahr zuvor waren es 100 Kilo.“ Befreundete Imker aus dem Stadtgebiet erlebten die Sommerernte ähnlich. Ob am Hatzenberg oder auf der Hakemicke, dort habe der Imker gar nicht geschleudert. „Das hat sich einfach nicht gelohnt.“

Nektarstrom ist versiegt

Zurückzuführen sei der Ernterückgang auch auf die Trockenheit, die den Nektarstrom der Pflanzen vielerorts habe versiegen lassen. „Das konnte ich selbst beobachten.“ Olpe gilt als die Stadt der 1000 Linden, „und die Linde hat in diesem Jahr nicht ,geklebt‘, zumindest in meiner Umgebung nicht“. Alice Holterhoff spricht vom Honigtau, einer Art Zuckersaft, den Insekten wie Blattläuse verändert ausscheiden, nachdem sie Pflanzensaft gesaugt und verdaut haben. Aufgrund des trockenen Frühjahres verholzten die Triebe, bevor die Massenvermehrung der Läuse aber beginnen konnte. Und Bienen ernähren sich laut Alice Holterhoff nicht nur von Nektar, Pollen, Baumharzen und Wasser, sondern eben auch von Honigtau. Einzig an einer Linde am Markplatz habe sie eine winzige Stelle mit Honigtau wahrgenommen. „Die Autobesitzer aus Olpe werden es bemerkt haben“, so die 51-Jährige. Für Bienen essenziell, ist Honigtau für sie ein Ärgernis, sieht er nicht nur unschön aus, sondern klebt auch ähnlich wie Sirup an Scheiben und Lack.

Es kommt auf den Standort an

Christoph Schürholz, Honigobmann sowie Obmann für Öffentlichkeitsarbeit im Kreisimkerverband Olpe, spricht ebenfalls von einer schlechten Sommerernte – Ausbeute „wenig bis gar nicht“. Ob in seinem Heimatort Hünsborn, südlich im Kreisgebiet gelegen, oder in Altenhundem am anderen Zipfel. Dabei sei die Ernte im Frühjahr noch „relativ normal“ gewesen – „wobei es immer auch auf den Standort ankommt“. Daher könne durchaus sein, dass für den einen oder anderen Imker im Kreis die Sommerernte kein Totalausfall gewesen sei. Arg zugesetzt hätten dem Blütenstand auch zwei hartnäckige Frosttage Mitte Mai. „Da hat schon alles geblüht.“ Die Schäden seien offensichtlich.

Pflanzen haben weniger Nektar

Blüten nicht nur an Obstbäumen hätten den Minusgraden nicht standgehalten. „Der Ahorn ist auch betroffen.“ Seine Blüten erscheinen vor dem Blattaustrieb, im Herbst trudeln sie wie kleine Propeller zu Boden. Von einem großen Ahorn können Bienen im Frühjahr immerhin bis zu einen Eimer Honig erhalten. Nicht in diesem Jahr. Die anhaltene Trockenheit habe laut Schürholz auch der Vegetation stark zugesetzt. Die Folge: Nektar-Engpässe bei den Pflanzen und folglich auch bei den Bienen.
Die wenig ertragreiche Ernte ist für Alice Holterhoff aber nicht nur ein Indiz der Dürreperioden. „Wir haben immer weniger blühende Pflanzen in der Stadt.“ Allzu oft „wachse“ Stein auf Kunststoffvlies statt nektarspendende Pflanzen.

Bitte keine Exoten

„Auch mein Garten ist nicht komplett insektenfreundlich angelegt“, so Alice Holterhoff. „Das muss auch nicht sein.“ Aber jeder Bürger der Stadt könne sich zumindest einen kleinen Bereich des Gartens für Insekten vorbehalten. „Auf Exoten aber bitte verzichten.“ Heimische Pflanzen sollten es sein. Als Pharmazeutisch-technische Assistentin setzt die 51-Jährige auch auf Kräuter – Melisse, Pfefferminze, Oregano. Die bringen schließlich nicht nur Aroma in die Küche, sondern auch in den Garten.

Pflanzen sorgen für gutes Klima

„Steinflächen erwärmen sich und geben diese Hitze nachts wieder ab“, sagt Alice Holterhoff, die vor sechs Jahren das Imkern für sich entdeckte. Das könne insbesondere in größeren Städten in den Sommermonaten negative Auswirkungen haben. Denn eine üppige Pflanzenwelt in Gärten ist bekanntlich eine natürliche Klimaanlage und eben auch ein gedeckter Tisch für Bienen, deren Vorkommen allein hierzulande die Bestäubung von über 80 Prozent der Nutz- und Wildpflanzen sichert.

Imkerin gibt Bienen zusätzliches Futter

Damit die Bienenvölker von Alice Holterhoff sich jetzt eine Speisekammer für die Wintermonate anlegen können, füttert sie auf. „Ohne ausreichend Trachtpflanzen können die Bienen nicht überleben.“ Dazu kommt handelsübliches Flüssigfutter – oder einfaches Zuckerwasser – in eine Kiste mit trockenem Gehölz an die oberste Stelle im Stock. Das erhält die Vitalität der Bienen. Denn Völkerverluste möchte die 51-Jährige in jedem Fall bis zur nächsten Ernte vermeiden – nur: Wie diese ausfällt, das steht noch in den Sternen.

Alice Holterhoff aus Olpe erfreut sich seit sechs Jahren an der Imkerei. Doch viel Honig aus ihren Stöcken gewinnen konnte sie in diesem Sommer nicht.
Alice Holterhoff hält eine Wabe in der Hand und sieht die mit einem Farbplättchen markierte Bienenkönigin auf den ersten Blick.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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