Umkehrosmose hilft Stadtsäckel und Umwelt

Setzten die Umkehrosmose-Anlage in Betrieb (v. l.): Bürgermeister Horst Müller, Stadtwerke-Chef Ingo Ehrhardt und Aufsichtsratsvorsitzender Udo Horn. Foto: win
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win Olpe. So etwas nennt man neudeutsch eine „win-win-Situation“: Alle Beteiligten erfahren ausschließlich positive Auswirkungen. Im Freizeitbad Olpe funktioniert dies durch das umgekehrte Prinzip der geplatzten Kirsche. Wie das?

Im Physikunterricht ist besagte Kirsche das beliebteste Beispiel, um die Osmose zu erklären. Die Haut der Kirsche ist eine so genannte semipermeable Membran, die nur Wasser, aber keinen Zucker durchlassen kann. Tropft Regen auf eine zuckersüße Kirsche, dringt das Wasser durch die Kirschenhaut ins Innere – folgend dem Bemühen der Natur, das Zucker-Wasser-Verhältnis auf beiden Seiten der Kirschhaut auszugleichen. Der Druck im Inneren der Kirsche nimmt zu, und wenn zu viel Wasser darauftropft, bringt sie dieser osmotische Druck zum Platzen.

Im Olper Freizeitbad gibt es – außer vielleicht im Eis am Kiosk – keine Kirschen. Aber Wasser. Jede Menge Wasser. Dieses muss gefiltert werden. Permanent durchläuft das Badewasser von Hallen- und Freibad mehrere Sandfilteranlagen. Diese müssen zweimal pro Woche gereinigt werden. Dann wird Wasser umgekehrt durch die Filter gepresst, das den Sand auswäscht. Bisher wurde dieses Wasser anschließend in den Abwasserkanal gepumpt. Das kostet dreifach: Zum einen müssen die Bäderbetriebe das Wasser bezahlen. Das bekommen sie zwar recht günstig von ihrer Mutterfirma, den Olper Stadtwerken. Zudem aber muss die Abwassergebühr entrichtet werden – und drittens ist das Wasser knapp 30 Grad warm, wurde also teuer aufgeheizt.

Zunächst war geplant, eine Wärmerückgewinnung zu bauen. Doch als Stadtwerke-Chef Ingo Ehrhardt und die Mitglieder des Aufsichtsrats sich kundig machten, stießen sie auf ein Angebot der Firma MFT aus Köln, einer ehemalige RWE-Tochter, die sich mit Membranfiltertechnik befasst. Diese hat das Prinzip der Kirsche auf den Kopf gestellt und reinigt Wasser mit Hilfe der Umkehrosmose. Dabei wird verunreinigtes Wasser unter Druck gegen eine Semipermeable gepresst, worauf das reine Wasser durch die Membran diffundiert. Die Verunreinigungen bleiben auf der anderen Seite der Membran zurück.

Im Technikkeller des Freizeitbades wurden entsprechende Tanks und Filteranlagen installiert. Für rund 240 000 Euro können nun die bislang als Abwasser entsorgten Filterspülmengen zunächst in riesigen Tanks zurückgehalten und dann allmählich durch die osmotischen Filter gereinigt werden. Das Wasser, das schließlich aus dem Auslauf der Anlage fließt, ist fast chemisch rein. Es wird den Becken wieder zugeführt.Laut Ingo Ehrhardt wurden bisher jährlich 15 600 Kubikmeter Wasser bei den Spülvorgängen zu Abwasser. Diese Menge wird durch die neue Anlage um 80 Prozent reduziert. Dies entspreche einer effektiven Ersparnis von 46 000 Euro im Jahr, so Ehrhardt. Bei einer prognostizierten Lebensdauer der Anlage von 15 Jahren mache dies eine Rendite des über die Sparkasse bei der KfW finanzierten Vorhabens von 82 Prozent aus. Die Anlage habe sich somit nach fünf Jahren rentiert und spare ab dann bares Geld. Vor allem aber, so Ehrhardt, bewahre die Anlage die Umwelt in 15 Jahren vor der Menge von 984 Tonnen Kohlendioxid, die sonst anfallen, um das durchschnittlich 10 Grad kalte Leitungswasser mit Hilfe des erdgasbetriebenen Blockheizkraftwerks auf badefreundliche 30 Gradanzuwärmen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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