SZ

Sport ist kein Privileg der Dünnen - die SZ trainierte mit der Vollweiber-Gruppe von Petra Grebe
Unter Rubensfrauen

Bewegungspädagogin Petra Grebe (Mi.) liegt das Gute-Laune-Verbreiten im Blut. Sehr zur Freude von Anni Rosenkranz (l.) und Heidi Rohrbeck (r.), zwei Mitglieder der Vollweiber-Gruppe.  Fotos: yve
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  • Bewegungspädagogin Petra Grebe (Mi.) liegt das Gute-Laune-Verbreiten im Blut. Sehr zur Freude von Anni Rosenkranz (l.) und Heidi Rohrbeck (r.), zwei Mitglieder der Vollweiber-Gruppe. Fotos: yve
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yve ■ Beschwingt und mit großen Schritten betritt Petra Grebe den Raum. Sie bringt gute Laune mit, ansteckend gute Laune. Die 53-Jährige aus Wenden ist ein echtes Vollweib. Wie auch die anderen Frauen, die nach ihr zur Tür hereinkommen. Urplötzlich herrscht Leben im Gruppenraum des DRK-Mehrgenerationenhauses in Olpe. Man kennt sich – der Corona-Virus ist Thema und die leeren Regale im Supermarkt – „unglaublich“ bringt es Brigitte Wacker aus Brün auf den Punkt. Obwohl es dazu gehört, ist die Gruppe nicht zum Klönen hier. Montags ab 16 Uhr steht schließlich Vollweiber-Gymnastik im Kalender.

Bewegungspädagogin Petra Grebe klatscht in die Hände – auf geht’s! Heute in etwas anderer Form, unter die Rubensfrauen hat sich Besuch gemischt.

yve  Beschwingt und mit großen Schritten betritt Petra Grebe den Raum. Sie bringt gute Laune mit, ansteckend gute Laune. Die 53-Jährige aus Wenden ist ein echtes Vollweib. Wie auch die anderen Frauen, die nach ihr zur Tür hereinkommen. Urplötzlich herrscht Leben im Gruppenraum des DRK-Mehrgenerationenhauses in Olpe. Man kennt sich – der Corona-Virus ist Thema und die leeren Regale im Supermarkt – „unglaublich“ bringt es Brigitte Wacker aus Brün auf den Punkt. Obwohl es dazu gehört, ist die Gruppe nicht zum Klönen hier. Montags ab 16 Uhr steht schließlich Vollweiber-Gymnastik im Kalender.

Bewegungspädagogin Petra Grebe klatscht in die Hände – auf geht’s! Heute in etwas anderer Form, unter die Rubensfrauen hat sich Besuch gemischt. Die Gastteilnehmerin der Siegener Zeitung ist zwar weniger Vollweib, dafür um so mehr motiviert. Ich möchte nicht auf dem Stuhl sitzen und den anderen beim Schwitzen zuschauen. So erhebe ich mich ebenfalls und geselle mich in den Kreis zu Brigitte Wacker, Heidi Rohrbeck, Margret Stahl und Anni Rosenkranz. Dieser ist an diesem Montag etwas dezimiert, einige Frauen müssen Bett hüten statt Bälle werfen.

Aus den Lautsprecher schallt dann der „Körperzellen-Rock“ – „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich, jede Zelle fühlt sich wohl“. Nach den Aufwärmübungen sind zumindest meine Zellen wie in dem spirituellen Tanzlied von Astrid Kuby und Michael Mosaro „voll gut drauf“. „Das Stück treibt Lachen ins Gesicht“, strahlt Petra Grebe. Ja, auch bei mir, und ich habe gleich Lust auf mehr.

Ganzkörpertraining ist dann angesagt. „Von oben bis unten“, das ist mein Motto erzählt mir Petra Grebe. Seit drei Jahren trainiert sie die Vollweiber aus dem Raum Olpe, Drolshagen und Wenden. Sport sei nämlich kein Privileg der Dünnen. Doch die Fitness-Welt gelte gemeinhin als schlank und schön. Menschen mit üppigen Körperformen seien nicht selten Tuscheleien und skeptischen Blicken ausgesetzt. Auch aus diesem Grund möchten Margret Stahl, Brigitte Wacker und Co. ihre Kilos nicht ins Studio tragen – „zu den vielen jungen Hüpfern. Hier sind wir unter Gleichgesinnten“, so Heidi Rohrbeck. Sie war früher bereits in einem Kurs für „Spätberufene“ – „das hat mir aber gar nicht gefallen.“

Vom Programm speziell für Vollweiber habe sie dann aus der Zeitung erfahren, erzählt sie im Gespräch mit der SZ. Die Selbsthilfegruppe „Rund – Na und?“ und das DRK-Mehrgenerationenhaus stellten darin seinerzeit das Sportprogramm für Übergewichtige vor. Als Übungsleiterin wurde Petra Grebe gewonnen. Sie verfügt über jahrelange Erfahrung – insbesondere im Bereich der Generation 55 plus.

„Das Angebot für Vollweiber muss häufig ähnlich schonend sein wie das für Menschen in der zweiten Lebenshälfte“, so die 53-Jährige. „Am wichtigsten ist aber der Spaß an der Stunde – ohne geht es nicht.“ Schließlich trainiere Lachen die Bauchmuskeln hervorragend. Bei mir jedenfalls ziehen sich die Mundwinkel immer wieder hoch und nach hinten, was auch an dem „Beatles“-Klassiker „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ liegen mag, auf dem ich mich fröhlich durch den Gruppenraum bewege – vorwärts, rückwärts und auf den Zehnenspitzen. Mal schwimmen, mal kreisen dabei die Arme.

Auf Bodenübungen auf der Matte wird verzichtet. „Das möchten die Frauen nicht“, berichtet Petra Grebe. Generell brauche bei ihr nur jeder das zu machen, was er auch kann. Auf dem Stuhl ist es eh bequemer, das empfinde auch ich so. Sitzend mit dem Doppelknüppel trainieren wir unseren gesamten Oberkörper – inklusive Nacken. Zur Ertüchtigung der Beine stehen wir wieder auf, gehen auch in die Knie und üben das Hocken – „falls wir mal in den Wald müssen“, so die Bewegungspädagogin augenzwinkernd. Ich gestehe ein – „mir wird ganz schön warm“. Zudem muss ich mehr auf meine „Choreografie“ achten, denn Margret Stahl sieht sofort, dass auch ich gerade von der Rechts-Links-Schwäche befallen werde, eine Vorliebe, die besonders ja den Frauen zugeschoben wird. Dann entspannen wir uns alle kurz, atmen tief durch die Nase ein und ganz langsam durch den Mund wieder aus. Zwischendurch dehnen wir uns – das ist wichtig.

Mit „Bauch rein, Brust raus und Lächeln“ widmen wir uns der fast letzten Einheit der Stunde – dem Gehirnjogging. Dabei sind alle Augen auf mich gerichtet. Warum, merke ich schnell. Ich tippe mit der Spitze des Daumens jeweils auf die Spitzen der restlichen Finger der jeweiligen Hand. Starte mit dem Zeigefinger, gehe die Reihe bis zum kleinen Finger durch und tippe dann den gesamten Rückweg bis zum Zeigefinger erneut. Ich gebe auf, als ich ich diese Übung gleichzeitig mit allen Fingern durchführen soll – in verschiedene Richtungen und auf verschiedenen Fingern.

Aber auch Anni Rosenkranz kann sich darauf gerade nicht konzentrieren und lässt ihre Hände im Schoß liegen. Nur kurz, es kommt ein Ball geflogen, der in einer festgelegten Reihenfolge wieder zurückgeworfen werden muss. „Für das Ende der Stunde überlege ich mir immer schöne Spielchen“, so die Trainerin, die beim Kalorien „verbraten“ gewiss keine Langeweile aufkommen lässt. Genau das wissen „ihre“ Vollweiber zu schätzen. So wie auch die Auswahl ihrer Übungen mit unterschiedlichen Geräten. Ausdauer spiele dabei eine Rolle, sei aber nicht so bedeutend wie die Beweglichkeit. „Die braucht man, wenn man zum Beispiel fällt.“

„Ich habe schon oft im Alltag gedacht, wie gut es ist, dass ich diese Übungen gemacht habe“, untermauert Anni Rosenkranz, und dann sagen sich die Vollweiber Tschüss bis zum nächsten Montag. Nur Anni Rosenkranz bleibt im DRK-Mehrgenerationenhaus. Sie geht ein paar Türen weiter. Dort wird gestrickt, das entspannt – jede Zelle fühlt sich wohl. Und die Besucherin von der SZ wartet gespannt auf den Muskelkater von morgen.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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