Vater der Evangelischen Kirche in Olpe

Theodor Mietens wurde vor 200 Jahren geboren / Grab des Buchdruckers und Verlegers bis heute erhalten

sz Olpe. In diesen Tagen er innert sich die Evangelische Kirchengemeinde Olpe des Geburtstages eines ihrer Begründer, des Buchdruckers und Zeitungsverlegers Theodor Mietens: Am 16. Februar 1804, also vor genau 200 Jahren, erblickte er in Berlin als Sohn des Schuhmachermeisters George Friedrich Mietens und dessen Ehefrau Friederica Wilhelma geb. Buschen das Licht der Welt.

Über Mietens selbst ist wenig bekannt. Die Quellenlage ist außerordentlich dürftig. Der Neuenkleusheimer Theologe und Heimatforscher Dr. Hans-Bodo Thieme führt dies darauf zurück, dass Mietens nie im Mittelpunkt eines sozialen oder politischen Geschehens gestanden hat.

Bis zu Mietens’ 24. Lebensjahr liegen keinerlei Nachrichten über ihn vor. Erst 1828 taucht er wieder in den Annalen auf. Am 21. Mai heiratete der Buchdrucker – er muss demnach zwischenzeitlich in diesem Beruf ausgebildet worden sein – in der evangelischen Kirche zu Schwelm die 22-jährige Bürgerstochter Wilhelmine Mellinghaus. Getraut wurde das Paar vom Schwelmer Ortspfarrer J. H. C. Nonne, einem in der westfälischen Provinzialkirche sehr bekannten Geistlichen, und es steht zu vermuten, dass Mietens’ Bekanntschaft mit vielen einflussreichen westfälischen Pfarrern bereits in seine Schwelmer Zeit zurückreicht.

Bis 1837 hat Mietens in Schwelm gewohnt, Anfang 1837 verzog er nach Unna. Seine ersten Druckerzeugnisse stammen wahrscheinlich aus dem Jahr 1837, und zwar handelt es sich hierbei um ein Periodikum, eine Predigtsammlung, die »Evangelische[n] Zeugnisse aus Mark und Westphalen«, die noch 1856 als »Evangelische Zeugnisse Neue Folge« angetroffen werden. Viele evangelische Geistliche der westfälischen Provinzialkirche, auch der Olper Pfarrer Manskopf, veröffentlichten darin unterschiedliche Predigten.

1839/40 ging Mietens nach Olpe, und am 29. Februar 1840 erschien zum ersten Male Mietens’ »Olper Kreis-Blatt«. Es wurde wöchentlich herausgegeben, hatte einen Umfang von vier Seiten, kostete im Jahr einen halben Taler und besaß beispielsweise 1842 eine Auflage von 495 Exemplaren. Diese Zeitung war ein Unterhaltungsblatt für die bürgerlichen Kreise. Ihr Informationsgehalt war recht gering, und politische Berichterstattung durfte man von ihr nicht erwarten. Jedoch geben die eingerückten Anzeigen und kleineren Notizen aus der Wirtschafts- und Geschäftswelt laut Dr. Thieme einen Einblick in die Vielfalt des damaligen Lebens.

Mietens druckte und verlegte das »Kreis-Blatt« und war auch dessen Schriftleiter, bis das Blatt selbst im Jahre 1849 an Franz Xaver Ruegenberg ging. Allerdings wurde es weiterhin in der Mietensschen Druckerei bis 1895 hergestellt, die nach dem Tod von Mietens in den Besitz von Heinrich Alt überging, der 1867 die um zehn Jahre ältere 31-jährige Theodore Juliane Mietens geheiratet hatte.

Mietens’ Bekanntheit in den einschlägigen protestantischen Kreisen des Rheinlands und Westfalens scheint ihm manchen Druckauftrag eingebracht zu haben. So wurde von 1860 bis 1890 in seinem Betrieb die pietistische Zeitschrift »Der Evangelist für das Siegerland« verlegt und gedruckt und seit 1849 der vor allem im Oberbergischen verbreitete und von zwei Pfarrern herausgegebene »Deutsche[.] Volksbote an Sieg und Agger«. Darüber hinaus sind noch zahlreiche Kleinschriften, Einzelpredigten und Gelegenheitsdrucke zu erwähnen, die in der Mietensschen Offizin hergestellt wurden.

Mietens’ Haus und seine Druckerei befanden sich unweit der evangelischen Kirche, und zwar in der Felmicke. Mietens war, neben dem Gerichtsrat Lyncker und dem Hüttenbesitzer Kreutz, derjenige, dem sehr viel daran gelegen war, in der Kreisstadt eine eigene evangelische Kirchengemeinde mit eigenem Geistlichen installiert zu wissen, und der erste sicher nachweisbare und letztlich zum Erfolg führende Anstoß zur Gründung der Gemeinde geht auf Mietens zurück: 1841 erkundigte er sich bei dem ihm bekannten Arnsberger Pfarrer Bertelsmann, welche Schritte er in die Wege zu leiten habe, damit die Evangelischen in Olpe und Umgebung zu einem eigenen Pfarrsystem kommen könnten, und Mietens ließ Aufrufe mit der Bitte um Zeichnung von Geldern zum Pfarrer- und Lehrergehalt unter den protestantischen Einwohnern zirkulieren und brachte somit den Gründungsprozess für die Gemeinde ins Rollen.

Über Mietens’ Persönlichkeit und Frömmigkeitsprofil lässt sich laut Dr. Thieme nur wenig sagen. Sicher ist, dass er eine pietistische Gläubigkeit vertrat, zumal als Pate seines Sohnes Tillmann Carl ein führender Vertreter der Siegerländer Erweckungsbewegung, der Freudenberger Tillmann Siebel, figurierte.

In der evangelischen Kirchengemeinde Olpe war Mietens beliebt und wohl gelitten. Bis zum Lebensende war er fast durchgängig Presbyteriumsmitglied. Theodor Mietens ist am 14. April 1885, hochbetagt, an Altersschwäche gestorben. Er wurde auf dem heute noch museal erhaltenen Evangelischen Friedhof an der Bergstraße bestattet. Er zählte zum Zeitpunkt seines Ablebens zu den ältesten Einwohnern Olpes. Sein Grabkreuz befindet sich in der Evangelischen Kirche von Olpe, rechts vom Ausgang. Zu Mietens’ Andenken ließ die Evangelische Gemeinde seine wiederaufgefundene Begräbnisstätte auf dem alten Friedhof an der Bergstraße mit einem Gedenkstein versehen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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