»Vater Kolping lebe hoch«

100 Jahre Kolpingsfamilie Olpe im Kolpinghaus gefeiert / Applaus für Eduard Müller

win Olpe. Dass im Olper Kolpinghaus gefeiert wird, ist nichts Besonderes. Die gestern Abend anberaumte Feier freilich war etwas Außergewöhnliches. 100 Jahre alt wurde quasi der »Hausherr«–der Feststätte, die Kolpingsfamilie Olpe. Der Große Saal war komplett bestuhlt, und keiner der Stühle war leer. Zahlreiche Gäste von fern und nah waren gekommen, um am Festakt teilzunehmen, der eine ganze Reihe von Feierlichkeiten krönen sollte (siehe auch gesonderten Bericht auf Seite 8).

Ab 15 Uhr hatten die Kolpingsöhne und -töchter einen Festgottesdienst in der St.-Martinus-Kirche gefeiert, bei der der Olper Kolpingpräses, Pastor Raimund Kinold, und Diözesanpräses Josef Holtkotte konzelebriert hatten. Danach war es zum Kolpinghaus gegangen, wo die »Ölper Brassband« »The Liberty Bell«–des amerikanischen »king of marches«, John Philip Sousa, intonierte. Die Begrüßung übernahm Georg Kaptain, stellv. Vorsitzender der Kolpingsfamilie Olpe. Der Vorsitzende, Eduard Müller, saß in der ersten Reihe und nahm herzlichen Applaus der Gäste entgegen: Er erholt sich von einem Schlaganfall und war so gezwungen, »seine« Feier als Gast mitzuerleben. Kaptain erklärte, 100 Jahre Kolping in Olpe sei gleichbedeutend mit 100 Jahren sozialen Engagements und beherzten Einsatzes für die Menschen in der Stadt Olpe. Besonders herzlich hieß er unter den zahlreichen Gästen frühere Präsides der Olper Kolpingsfamilie willkommen, Paul Humberg und Pater Jörg Liedtke, der als Präses mit der längsten Amtszeit – stolze 27 Jahre – schon jetzt Geschichte gemacht hat. Kaptain wies auf drei konkrete Projekte der Olper Kolpingsfamilie hin, die im rumänischen Sincrai, im albanischen Kallmeth und dem kenianischen Nyang'oma Tausende von Menschen unterstützen. Er hob die bedeutendsten Momente in der 100-jährigen Geschichte der Kolpingsfamilie hervor, unter anderem den Bau des Kolpinghauses und die Einführung des jährlichen Bittgangs nach Rhonard.

Dass die Mitglieder der Kolpingsfamilie Olpe die Zeichen der Zeit auch weiterhin erkennen mögen, wünschte Stephan Stickeler als Bezirksvorsitzender des Kolpingwerks. Er wies darauf hin, dass jüngst auf Anregung der Olper ein Bezirks-Kreuzweg unternommen worden sei, und der Andrang habe erkennen lassen, dass es sinnvoll sei, dies künftig regelmäßig durchzuführen. »Machen Sie auch weiterhin anderen Menschen Mut«, wünschte Stickeler. Pfarrer Clemens Steiling blickte in die Geschichte zurück: Die Olper Kolpingsfamilie sei zwar in der Pfarrei St. Martinus gewachsen, habe aber bei den Abpfarrungen die Großräumigkeit beibehalten, die heute angesichts der Pastoralverbünde wieder modern sei. Durch die Tatsache, dass die Kolpingsfamilie überpfarrlich sei, könne der Gedanke aufkommen, dass hier ein eigenes Süppchen gekocht werde, und dies stimme: »Ich habe es inzwischen selber probiert«, wies Steiling schmunzelnd auf die Suppenküche hin, die von der Kolpingsfamilie monatlich für einen guten Zweck veranstaltet wird.

Stellv. Bürgermeister Paul-Werner Willmes (CDU) hatte Parallelen zwischen der Zeit der Gründung des Kolpingwerks und heute entdeckt. Damals wie heute sei die Arbeitslosigkeit ein großes Problem, damals wie heute bräuchten die Menschen Orientierungshilfe. Adolph Kolpings Ideen hätten nichts an Aktualität verloren, und es sei wünschenswert, wenn Kolpings Ideen an mancher Stelle in der Kommunalpolitik angewandt würden, so Willmes. Landrat Frank Beckehoff (CDU) wünschte sich, dass die Olper Kolpingsfamilie auch weiterhin dort anpacken werde, wo sie gebraucht werde. Weitere Grußworte sprachen Diözesanpräses Holtkotte, der ein Bild von Adolph Kolping überreichte, und der Diözesanpräses von Köln, Michael Cziba, der auf die über Diözesangrenzen hinweg reichende Zusammenarbeit der Kolpingsfamilien Köln-Deuz, Bergisch Gladbach und Olpe hinwies. Den Abschluss der Rednerliste bildete Bundesvorsitzender Heinz Schemken (MdB, CDU), der in einer langen Rede weitläufig über die Aufgaben des Kolpingwerks sprach, dabei aber kein Geheimnis aus seiner Parteizugehörigkeit machte. Bezogen auf das Kolpingwerk, erklärte er: »Wir müssen raus aus dem Hinterzimmer, wir müssen zeigen, dass wir da sind und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.« Das größte Problem der nahen Zukunft stelle die Jugendarbeitslosigkeit dar, und in diesem Punkt seien die geplanten Maßnahmen der Regierung die falschen.

Nach Schemkens Rede wurde gesungen: Fast alle der Anwesenden kannten das Lied »'s war einst ein braver Junggesell« auswendig, und am Ende standen alle auf und fassten sich zu den Zeilen »Vater Kolping lebe hoch«–an den Händen, bevor der Festakt nach »Olper Art«–plaudernd und am Biertisch bis in die Nacht fortgesetzt wurde.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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