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Schützenfeste in der Corona-Krise
Vereine sollen selbst entscheiden

Im vergangenen Jahr feierte der St.-Helena-Schützenverein Elben sein 100-jähriges Bestehen und erlebte dabei einen ausgelassenen Hofstaat rund um das Königspaar, Ralf und Katharina Butzkamm, und das Kaiserpaar, Thomas und Britta Klopries. Am 2. Mai würde in Elben die Schützenfestsaison im Kreis Olpe beginnen, noch weiß aber niemand, ob die Festivität dann tatsächlich stattfindet oder sie abgesagt respektive verschoben werden muss.  SZ-Archivfoto: adz
  • Im vergangenen Jahr feierte der St.-Helena-Schützenverein Elben sein 100-jähriges Bestehen und erlebte dabei einen ausgelassenen Hofstaat rund um das Königspaar, Ralf und Katharina Butzkamm, und das Kaiserpaar, Thomas und Britta Klopries. Am 2. Mai würde in Elben die Schützenfestsaison im Kreis Olpe beginnen, noch weiß aber niemand, ob die Festivität dann tatsächlich stattfindet oder sie abgesagt respektive verschoben werden muss. SZ-Archivfoto: adz
  • hochgeladen von Holger Böhler (Redakteur)

hobö ■ Heute in einem Monat, am 2. Mai, würde unter normalen Umständen in Elben die diesjährige Schützenfestsaison im Kreis Olpe starten und mit fast 80 Feierlichkeiten in nahezu allen größeren Ortschaften bis zum 14. September andauern. Normalerweise, doch infolge der Corona-Krise weiß derzeit niemand, ob alle Schützenfeste, einige wenige oder gar keine stattfinden werden. In vielen Dörfern stellen diese Veranstaltungen den gesellschaftlichen Jahreshöhepunkt dar.

Allein der Organisationsgrad zeigt auf, welche immens große Bedeutung das Schützenwesen im südlichen Sauerland besitzt. Denn in den 72 dem Kreisschützenbund (KSB) Olpe angehörigen Vereinen, Bruderschaften und Gesellschaften sind mehr als 38 000 Mitglieder verzeichnet.

hobö  Heute in einem Monat, am 2. Mai, würde unter normalen Umständen in Elben die diesjährige Schützenfestsaison im Kreis Olpe starten und mit fast 80 Feierlichkeiten in nahezu allen größeren Ortschaften bis zum 14. September andauern. Normalerweise, doch infolge der Corona-Krise weiß derzeit niemand, ob alle Schützenfeste, einige wenige oder gar keine stattfinden werden. In vielen Dörfern stellen diese Veranstaltungen den gesellschaftlichen Jahreshöhepunkt dar.

Allein der Organisationsgrad zeigt auf, welche immens große Bedeutung das Schützenwesen im südlichen Sauerland besitzt. Denn in den 72 dem Kreisschützenbund (KSB) Olpe angehörigen Vereinen, Bruderschaften und Gesellschaften sind mehr als 38 000 Mitglieder verzeichnet. Zählt man noch die Mitglieder in den Schützenvereinigungen hinzu, die nicht dem KSB angeschlossen sind, kommen mehr als 45 000 Menschen zusammen – und das bei einer Gesamteinwohnerzahl im Kreis Olpe von rund 134 000.

Noch gibt es keine offizielle Absage eines Schützenfestes im gesamten Kreisgebiet. Anders im westlichen Nachbarkreis Oberberg. Hier sind die Schützenfeste in Windhagen (9. bis 10. Mai) und Belmicke (22. bis 24. Mai) abgesagt worden. Und für den Präsidenten des Oberbergischen Schützenbundes (OSB), Klaus Büser, gibt es in Zeiten von Corona keine Alternative zur Absage aller Schützenfeste im Bereich des OSB. Gegenüber dem Oberbergischen Anzeiger begründete er seine Auffassung: „In einer Zeit, in der viele Menschen an den Folgen einer Corona-Erkrankung sterben, machen Schützenfeste keinen Spaß.“

Der Vorstand des Kreisschützenbundes Olpe geht einen anderen Weg. Gegenüber der SZ erklärte Kreisoberst Markus Bröcher gestern: „Ich als Oberst sehe mich außerstande, irgendwelche Empfehlungen abzugeben. Jeder Verein muss für sich selbst entscheiden, ob er bereit und willens ist, das Schützenfest zu feiern.“ Natürlich stehe er im Kontakt mit vielen Vorständen und gebe auch eine persönliche Einschätzung ab. Manche Vereine hätten gerne eine Entscheidung bzw. Empfehlung der übergeordneten Verbände wie dem KSB Olpe oder dem Sauerländer Schützenbund, es gebe aber auch viele Vereine, die sagten, sie seien die Verantwortlichen für eine solche Entscheidung.

Ob Anfang Mai die Schützenfestsaison im Kreis Olpe in Elben (2. bis 3. Mai) und Neger (8. bis 10. Mai) beginnen könne, sei fraglich, räumt Markus Bröcher in einem Schreiben an alle dem KSB Olpe angeschlossenen Vereine und Bruderschaften ein. „Ob diesen Sommer überhaupt Schützenfeste stattfinden und ab wann, kann zurzeit niemand sagen. Hier brauchen wir Geduld.“

Neben der ethischen Komponente, ob man in einer solchen Krise überhaupt feiern sollte, treiben die Vereine natürlich auch die wirtschaftlichen Folgen einer Schützenfestabsage um. Viele Vorstände fragen sich, ob die Vereine im Falle einer Absage gegenüber Musikgruppen, Festwirten und anderen Vertragspartnern zum Schadensersatz verpflichtet sind. Generell lautet die Antwort: ja.

Wie so oft, gibt es hier aber auch ein „Aber“. So hat Hermann Josef Pierenkemper, Bundesjustiziar im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS), eine Einschätzung verfasst. Er erklärt in einem Schreiben an die BHDS-Schützenbruderschaften: „Erfolgt eine behördliche Anordnung zur Absage aufgrund der Infektionsgefahr des Coronavirus, liegt ein Fall ,höherer Gewalt’ vor.“ Höhere Gewalt sei ein externes Ereignis, das keinen betrieblichen Zusammenhang aufweise und auch nicht durch äußerste Sorgfalt abwendbar sei. Schadensersatzansprüche könnten gegen den Veranstalter in diesem Fall nicht geltend gemacht werden.

Daher warten offenbar viele Schützenvereine und -bruderschaften derzeit noch auf ein Signal aus Düsseldorf. Sollte die Landesregierung ihre zurzeit gültige Rechtsverordnung in Zusammenhang mit der Corona-Krise über den 19. April hinaus verlängern und Veranstaltungen wie Schützenfeste verbieten, wäre den Vorständen die diffizile Entscheidung pro oder contra Schützenfest abgenommen – und offenkundig auch die Frage der Schadensersatzansprüche.

Markus Bröcher macht überdies darauf aufmerksam, dass die mögliche Absage von Schützenfesten nicht die einzige Sorge sei, mit denen sich die Vereine, Bruderschaften und Gesellschaften im KSB zurzeit auseinandersetzten. Auch die fehlenden Einnahmen durch Vermietungen der Schützenhäuser und -hallen sorgten für weitere Probleme.

„Für den Ruf nach einem Rettungsschirm für Schützenvereine, wie er in anderen Kreisen bereits laut wird, habe ich Verständnis, halte ihn aber für ein falsches Zeichen“, erklärt Kreisoberst Markus Bröcher. Weiter betont er in seinem Rundschreiben: „Ist die Abfederung dieser Corona-Krise für unsere Wirtschaftsleistungen in Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistung nicht erstmal viel wichtiger? Wenn die Wirtschaft nach dieser Corona-Krise nicht wieder und das schnell auf die Beine kommt, brauchen wir über unsere Schützenfeste nicht nachdenken. Dann machen hier auch die Feste sicher minus, die heute noch mit schwarzen Zahlen abschließen. Zudem sind wir im Vereinsleben nicht allein auf dieser Welt. Was ist zum Beispiel mit Musikvereinen und Sportvereinen? Geht es denen besser?“

Abschließend erklärt der Vorsitzende des Kreisschützenbundes Olpe: „Hoffen wir, dass wir alle gesund bleiben – und wenn es uns doch ,erwischt’, mögen wir wieder schnell genesen. Haben wir Geduld, bis alles überstanden ist, und verlieren wir nicht unseren Humor, um alles leichter zu ertragen. (…) Zeigen wir ganz im guten Schützengeist das WIR und möglichst wenig und nur das nötigste ICH! Danken wir allen, die durch ihre tägliche unermüdliche Arbeit und ihr Tun zur Bewältigung dieser Krise beitragen.“

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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