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Bei Bauarbeiten freigelegt
Vergessener Stollen weckt dunkle Erinnerungen

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde ein Luftschutzstollen in den Fels an der Günsestraße vorgetrieben und später verfüllt, weil ein Teil des Gangs eingestürzt war.
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  • Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde ein Luftschutzstollen in den Fels an der Günsestraße vorgetrieben und später verfüllt, weil ein Teil des Gangs eingestürzt war.
  • Foto: Jörg Winkel
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

win Olpe. Fels weicht und macht einer Wohnanlage Platz. An der Günsestraße wird derzeit ein Bauprojekt vorangetrieben, bei dem 15 Eigentumswohnungen entstehen. Dazu ließ Bauunternehmer Gerold Hütte ein um 1970 erbautes Drei-Parteien-Wohnhaus abreißen. Und als der Bagger die Hohlblocksteine der Rückwand wegräumte, wurde außer dem blanken Fels dahinter noch etwas sichtbar: Im grauen Stein zeichnete sich ein deutlich hellerer Umriss ab, etwa zweieinhalb Meter hoch und halbrund. Eindeutig: Hier führte mal ein Stollen in die Eichhardt.

Inzwischen wurde viel Fels abgetragen; Hütte-Bau setzt das Haus tief in den Hang hinein. Und immer noch ist der Querschnitt des Stollens erkennbar, deutlich gemacht durch die hellere Farbe seiner Beton- bzw.

win Olpe. Fels weicht und macht einer Wohnanlage Platz. An der Günsestraße wird derzeit ein Bauprojekt vorangetrieben, bei dem 15 Eigentumswohnungen entstehen. Dazu ließ Bauunternehmer Gerold Hütte ein um 1970 erbautes Drei-Parteien-Wohnhaus abreißen. Und als der Bagger die Hohlblocksteine der Rückwand wegräumte, wurde außer dem blanken Fels dahinter noch etwas sichtbar: Im grauen Stein zeichnete sich ein deutlich hellerer Umriss ab, etwa zweieinhalb Meter hoch und halbrund. Eindeutig: Hier führte mal ein Stollen in die Eichhardt.

Inzwischen wurde viel Fels abgetragen; Hütte-Bau setzt das Haus tief in den Hang hinein. Und immer noch ist der Querschnitt des Stollens erkennbar, deutlich gemacht durch die hellere Farbe seiner Beton- bzw. Kalksteinfüllung, die sich vom dunkleren Felsen klar abhebt.

Stollen in erheblicher Zahl

Nun ist es kein Geheimnis, dass derartige Stollen in erheblicher Anzahl gebaut wurden – in dunkler Zeit, um der Bevölkerung Schutz zu bieten vor dem von den Nazis heraufbeschworenen Kriegsgreuel. Zwar war gesetzlich vorgegeben, dass ab 1937 viele Luftschutzkeller oder -räume in bestehende Bauten nachgerüstet werden mussten, bei Neubauten waren sie zwingend vorgeschrieben, doch reichten diese bei weitem nicht aus, um genug Menschen Schutz zu bieten.

Es ist nicht belegt, ob Reichsluftfahrtminister Hermann Göring tatsächlich angeboten hatte, seinen Namen in Meier zu ändern, sollte auch nur ein feindlicher Bomber über Berlin auftauchen, die Realität hatte aber längst bewiesen, dass die Luftstreitkräfte der Alliierten eine entscheidende Rolle im Krieg spielten und auch weitab der Front zuschlugen – genau so, wie die Deutschen es vorgemacht hatten. Auch über Olpe zeigten sich immer öfter Bomberverbände oder einzelne Flugzeuge und warfen ihre explosive Last nieder – zunächst, ohne großen Schaden anzurichten.

Baustart im Spätsommer 1944

Doch die Intensität nahm zu, ab 1940 gab es eine Luftüberwachung von einem Turm aus, und ab 1941 wurde eine Luftschutz-Warnvermittlungsstelle im Rathauskeller an die Warnzentrale in Siegen angeschlossen. Ab 1944 wurde der Bau von Schutzstollen vorangetrieben. Im Spätsommer 1944 starteten die Arbeiten mit Hilfe von Fachleuten und Material der Grube Sachtleben aus Meggen, verstärkt durch russische Kriegsgefangene aus Olper Fabriken. Um drei Meter pro Tag trieben die Bergleute die Stollen voran. Ende März sorgte die vorrückende Front für den Stopp der Arbeiten. Von zehn geplanten Schutzstollen waren sieben unfertig, aber zumindest provisorisch nutzbar. Regulär war damit Schutzraum für etwa 1800 Personen geschaffen worden.

Heimatforscher Manfred Schöne hat in seinem Buch „Passion einer Stadt“ die Bauwerke säuberlich aufgelistet – von einem Schutzstollen an der Günsestraße indes ist keine Rede. Mehr wissen die Brüder Rupert (79) und Reinmar Bechheim (77), die unweit des Stollens aufgewachsen sind und immer noch bzw. wieder dort leben. Rupert Bechheim, pensionierter Pfarrer und nach dem Eintritt in den Ruhestand in sein Elternhaus zurückgekehrt, hat den Stollen als Kleinkind einmal betreten: „Es ist sogar so, dass das das früheste Ereignis ist, an das ich mich erinnern kann.“

25 Meter in den Berg hinein

Der Stollen sei später als die übrigen angelegt worden, nämlich erst 1945, und habe vielleicht 25 Meter in den Berg hineingereicht. Er wisse noch, dass ein Gleis hineingeführt habe, auf dem der gelöste Felsen nach draußen transportiert worden sei, und einmal habe seine Familie bei einem drohenden Bombenangriff Schutz darin gesucht. „Es war nass, es tropfte überall, das Wasser lief nur so durch den Felsen.“ Davor und danach habe die Familie dann wieder den im eigenen Keller angelegten Luftschutzraum genutzt, in dem auch Notbetten aufgestellt gewesen seien.

Sein Bruder Reinmar erinnert sich, dass der Eingang bis etwa 1970 zu erkennen war, bis das jüngst abgerissene Haus davorgesetzt wurde. Und einige Jahre später sei der Stollen vergossen worden, weil es oberhalb zu einem Tagesbruch gekommen sei.

Nun wird dieser Zeuge einer dunklen Zeit erneut aus den Augen verschwinden – seine kurzfristige Freilegung zwischen Abriss und Neubau hat nicht nur bei den Brüdern Bechheim einerseits dunkle Erinnerungen hervorgebracht, andererseits auch Dankbarkeit, den Krieg unversehrt überlebt zu haben, kurz nach dem 76. Jahrestag der schlimmsten Bombardierung der Stadt, an die am 28. März erinnert wurde.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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